ATSUKO LAMPART-FUJII PFLEGT BRÜCKE JAPAN-SCHWEIZ


Am Sonntag, 23.September 2018, gastiert zum zweiten Mal in der Wiler Lokremise die japanische Kultur im Rahmen des Wiler Japanfests. Die Vorbereitungen laufen Hochtouren, alle Fäden laufen bei Atsuko Lampart-Fujii zusammen.


„In den Tagen vor dem Japanfest werden unterschiedlichste Wünsche an mich herangetragen“, erzählt Atsuko Lampart-Fujii mit einem Schmunzeln. „Die einen Aussteller benötigen eine zweite Steckdose für ihren Stand. Andere wollen einen grossen schwarzen Vorhang als Hintergrund.“

Vor zwei Jahren fand das erste Wiler Japanfest statt. Sie sei damals sehr überrascht gewesen, dass in einer eher ländlichen Region wie Wil ein so grosses Interesse an der japanischen Kultur bestehe, so Atsuko Lampart-Fujii. „Normalerweise finden derartige Veranstaltungen eher in grossen Städten, wie Zürich oder Bern statt.“ Dort seien es oft Themen aus der japanischen Subkultur, die in Events dargestellt werden, beispielweise Cosplay, bei dem sich die Fans in die Kostüme von Figuren aus Trickfilmen, Comics oder Videospielen stürzen.

Japanfest alle zwei Jahre

„Mir war es wichtig, einen Beitrag zur Kultur des Landes, in dem ich lebe, zu leisten“, erzählt die in Bronschhofen wohnhafte, die ihren Mann, den Journalisten Christof Lampart, 1991 in Tokio kennenlernte. Mit dem Wiler Japanfest solle auch die regionale Kultur zusätzlich bereichert werden. Der Veranstalter ist der Schweizerisch-Japanische Kulturverein Yamato, welcher im März 2014 in Wil gegründet wurde und den Atsuko Lampart-Fujii seitdem präsidiert.
Das Echo auf die erste Durchführung 2016 war seitens der Besucher wie der Aussteller und Mitwirkenden überaus positiv. Nach dieser motivierenden Resonanz war klar, dass das Wiler Japanfest im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden wird.

Workshops zur Kultur

Früher habe sie öfters an Nationen-Festen in der Region teilgenommen. „Dies läuft immer nach einem ähnlichen Muster ab: die Besucher kommen an den Stand, fragen bei verschiedenen Speisen nach dem Namen und den Zutaten und probieren sie. Das war`s dann. Eine tiefergehende Begegnung oder ein Kulturaustausch findet kaum statt.“

Japanfest Wil 2016 (Archivbild)

In der Folge kam ihr die Idee zu einem Wiler Japanfest, um den Gästen echte Erlebnisse zu bieten. Neben Vorführungen von Kampfkünsten und Volkstänzen, können sie auch an Workshops, etwa zum japanischen Trommeln, teilnehmen. Im Weiteren stehen verschiedene typisch japanische Speisen und Getränke im Angebot.

Ähnliche Arbeitshaltung

Obwohl ein Hauch exotisches Flair viele Besucherinnen und Besucher auch beim zweiten Japanfest in die Wiler Lokremise locken wird, gibt es für Atsuko Lampart-Fujii erstaunlich viele Parallelen zwischen Japan und der Schweiz. Die Unterschiede sind für sie geringer, als man angesichts der grossen geografischen Distanz denken könnte: „Sowohl Japan wie die Schweiz sind eher kleine Länder, ohne grosse Rohstoffvorkommen. Dies hat zu einer ähnlichen Arbeitsmoral geführt, die Japaner wie die Schweizer sind sehr fleissig, sie legen Wert auf Pünktlichkeit und Präzision. Beide sind sehr innovativ und haben viele Patente angemeldet. Die Wirtschaft ist hier wie dort durch viele KMUs geprägt.“
Atsuko Lampart-Fujii hat in Arizona und in Texas Psychologie sowie Soziologie studiert. Die Unterschiede zwischen Japan und den USA kamen ihr dabei weit grösser vor, als zwischen ihrer Heimat und der Schweiz.

Liebe zu Pasta

Wie aber steht es mit dem Essen? Zwischen Sushi und Birchermüesli liegen geschmacklich doch Welten. Die Karate-Praktizierende und Mutter zweier erwachsener Söhne schmunzelt: „So fremd sind mir die Schweizer Gerichte nicht, auch in Japan kann man zum Beispiel Appenzeller Käse kaufen. Und wenn meine Mutter bei uns zu Besuch ist, isst sie gerne Käse und Brot.“ Die Vegetarierin Atsuko Lampart mag die italienische Küche besonders gerne. Auch in ihrer Heimat sind Spaghetti und Pizza mittlerweile ähnlich weit verbreitet wie hierzulande.

Unterstützung für binationales Eheglück

Zusätzlich zum Wiler Japanfest, schlägt die aus der Präfektur Akita Stammende, auf eine besondere Weise eine kulturelle Brücke zwischen ihrer alten und neuen Heimat. “Öfters werde ich als Dolmetscherin bei binationalen Trauungen beigezogen. Die Übersetzung ist jeweils mein Geschenk an das Hochzeitspaar. Ich verlange lediglich die Spesen.“
Bald hilft sie wieder dabei, ein Paar glücklich zu machen: „Eine Japanerin und ein Schweizer haben sich in einem Sprachkurs kennengelernt. Beide sind um die 60 und finden, auch in diesem Alter könne man sich noch vermählen.“ Und schon wieder rücken Japan und die Schweiz im Herzen etwas näher.