FERNWÄRME ALS NAHELIEGENDE LÖSUNG ZUR SUBSTITUTION FOSSILER BRENNSTOFFE


Stadt Wil soll gemäss Vorlage des Stadtrats mit Fernwärme versorgt werden

(sk.) Die Fernwärme soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung der Stadt Wil leisten. Der Stadtrat beantragt dem Parlament deshalb einen Projektierungskredit von 1,3 Millionen Franken. Die Energie würde der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) liefern. Zurzeit wird mit Brutto-Investitionskosten durch die Stadt Wil und die Technischen Betriebe Wil von rund 50 Millionen Franken abzüglich Fördergeldern gerechnet.  – Weiter unten finden Sie auch noch eine Beschreibung des Projekts aus Sicht der potentiellen Kunden.

Im Titelbild v.l. Claudio Bianculli (ZAB Bazenheid), Daniel Meili (Stadtrat Wil) und Roman Habrik (Gemeindepräsident Kirchberg)


Die vertiefte Machbarkeitsprüfung der Fernwärme Wil zeigt, dass mit der vorhandenen Abwärme der Thermischen Anlagen des ZAB langfristig der Wiler Wärmebedarf entsprechend der Zielsetzung des kommunalen Energiekonzeptes erreicht werden kann. Damit können durch fossile Brennstoffe betriebene Heizungen ersetzt werden. Der Stadtrat rechnet mit der Einsparung von 2 Millionen Liter Heizöl und fast 4,7 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr.

Die technische und wirtschaftliche Machbarkeit wurde mittels einer Studie überprüft, welche nun vertieft wurde. Zudem sind weitere wichtige Aspekte wie die Durchleitung in Kirchberg grundsätzlich geklärt.

Fernwärme ab 2022

Gestützt auf die Ergebnisse des Berichts «Vertiefung Machbarkeitsstudie Fernwärme Wil» steht mit der Erarbeitung des Detailprojektes die nächste Projektphase an. Stimmt das Stadtparlament dem Antrag zu, kann das Projekt Fernwärme Wil bis zur Volksabstimmung weiter bearbeitet werden.

Gemäss jetziger Planung ist der Baubeginn im Jahr 2020 angesetzt. Wenn das Projekt von den politischen Instanzen gestützt wird, sollten ab 2022 die ersten Kunden in Wil mit Fernwärme bedient werden können.

Das Fernwärme-Projekt stützt sich auf das Energiekonzept der Stadt Wil, welches bis 2050 eine Reduktion des Energieverbrauchs um einen Drittel vorsieht und einen neuen Mix an Energiequellen: Öl und Erdgas sollen durch Fernwärme, Erdwärme und Biogas fast vollständig ersetzt werden.
Das Potential an Energie, welche die ZAB Bazenheid liefern kann, reicht über die benötigte Menge hinaus. Selbst bei einem Rückgang der Abfälle aller Art kann das Energievolumen – so Claudio Bianculli – durch Effizienzsteigerungen der ZAB-Anlagen selber und durch die Erweiterung des Brennmaterials-Portfolios bei Bedarf gesteigert werden.
Das Fernwärme-Netz, das in Kirchberg bereits besteht, soll erweitert werden. Primär in Richtung Stadt Wil, aber auch mit Optionen für die angrenzenden Gemeinden. Potentielle Grossabnehmer sind die Psychiatrische Klinik, das Spital Wil und die Schule Lindenhof.

Was kann der Kunde erwarten?

(wil24) Ist doch clever, dass man die „Abwärme“, die bei der Verbrennung von Abfällen entsteht, für Warm- und Heizwasser nutzt und noch etwas für die Umwelt tun kann. Und wann geht es los?

Wenn alles klappt, wird es ab 2022 für Eigentümer von Liegenschaften in Wil möglich sein, Energie in Form von heissem Wasser zu erhalten. In Bazenheid wird die Prozesswärme aus der Verbrennung in 400 Grad heissen Wasserdampf umgewandelt. Dieser wird über Wärmetauscher auf 120 Grad „runtergekühlt“ und dann ins Netzwerk eingespiesen. Dieses besteht aus zwei Doppelmantel-Stahlrohre mit 30 cm Durchmesser,  die für den Kreislauf der Grobverteilung eingesetzt werden. Beim Gewerbebetrieb, Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus wird ein weiterer Wärmetauscher dafür sorgen, dass die Wärmeenergie für die Feinverteilung im Haus verwendet werden kann.

Preis? Vergleichbar mit Erdöl oder Erdgas

Mit 10,5 Rappen pro kWh entspricht der Preis für die Fernwärme (so festgelegt im Business Plan der TBW) bei einer Vollkostenrechnung in etwa den gängigen fossilen Energiepreisen – allerdings mit neutraler CO2-Bilanz.
Gemäss Auskunft von des Wiler Stadtrats Daniel Meili muss pro Gebäude noch mit Investitionen für den Anschluss in der Höhe von 5 bis 7000 Franken gerechnet werden, plus Kosten der technischen Lösung, abhängig von der Gebäudegrösse und -qualität. Allerdings darf damit gerechnet werden, dass zur Förderung der Fernwärme-Lösung auch Fördergelder aus kommunalen und kantonalen Fonds zur Verfügung stehen werden.

Tag der offenen Tür am 8. September 2018 in Kirchberg

In Kirchberg sind bereits 27 Gebäude an das im Oktober 2017 lancierte Fernwärme-Netz angeschlossen. Dieses funktioniert gemäss Kirchberger Gemeindepräsident Roman Habrik tadellos. Am 8. September 2018 kann man die Anlagen und Anschlüsse an einem Tag der offenen Tür in Kirchberg selber unter die Lupe nehmen.