IN WIL DREHT SICH BALD ALLES UM RICHARD WAGNER – TONHALLE UND ALTSTADT ALS FILMKULISSE


Nächstens beginnen in den Gassen der Altstadt sowie im Baronenhaus, im Gerichtshaus und in der Tonhalle die Dreharbeiten zum Film „The Zurich Liaison“ des Regisseurs Jens Neubert. Im Zentrum des Films, der im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll, steht eine Liebesaffäre des Komponisten Richard Wagner. Tonhalle-Leiterin Florence Leonetti (Bild) ist für die Filmcrew die Koordinatorin vor Ort. Sie freut sich auf die ungewohnte Herausforderung.


Alles begann mit einem Anruf aus Zürich. Florence Leonetti: „Ich wurde angefragt, ob Ende Mai oder anfangs Juni an mehreren Tagen ein klassisches Konzert in unserem Haus aufgeführt werden könne. Die Veranstalter wollten am gleichen Tag vorbeikommen und das Gebäude besichtigen.“

Geheimnisvolles Verhalten

Dass die Leute einzelne Stühle und weiteres Interieur fotografierten und Fragen dazu stellten, wunderten sie etwas. „Schliesslich liessen sie die Katze aus dem Sack und erzählten, dass sie hier Szenen eines Films drehen wollen.“
Das innere Erscheinungsbild der Tonhalle stimmt mit der Zeit, als Richard Wagner für einige Jahre in Zürich lebte, überein, es ist der Stil der Neorenaissance.

Gute Kooperation

„Mir wurde ein Mandat übertragen, alles Notwendige vor Ort zu organisieren. Dies beinhaltet unter anderem die Information der Anwohner in der Altstadt, diverse Bewilligungen sowie einen Chor und ein Orchester zu organisieren“, so die Leiterin der Tonhalle.
Wie die 50-jährige ausgebildete Kulturmanagerin betont, habe die Stadt Wil sofort bereitwillig alle erforderlichen Genehmigungen erteilt. Und auch das Entgegenkommen der Ortsbürger lobt sie: „Sie stellen das Baronenhaus kostenlos zur Verfügung.“

Damals nur Männer

Etwas umständlicher war die Suche nach Orchestermusikern die abkömmlich sind, da die Dreharbeiten werktags stattfinden. Zudem müssen es Männer sein. „Zu Wagners Lebzeiten spielten ausschliesslich Männer in den Orchestern.“

Zeitgemässes Filmset

Eine Herausforderung ist es zudem, einzelne Bereiche der Altstadt ins 19. Jahrhundert zurückzuversetzen. Dafür ist die Setdesignerin der Filmcrew zuständig. An manchen Stellen werden grosse Pflanzen in Kübeln positioniert, um ein moderneres Bauelement oder ähnliches zu kaschieren. Auch ein beladener Heuwagen wird in Stellung gebracht, der ein grosses Fenster verdeckt, das nicht in die entsprechende Zeit passt.

Gedreht wird bei jedem Wetter vom 6. bis 14. Juni

Die eigentlichen Dreharbeiten in Wil finden vom 6. bis zum 14. Juni 2018 statt. Sie werden für die Tonhallenleiterin zum Sprung ins kalte Wasser: „Mit Theater und Musikaufführungen habe ich viel Erfahrung, Dreharbeiten für einen Film sind Neuland für mich.“
Apropos Wasser: Was passiert, wenn die Darsteller und die rund 30-köpfige Filmcrew buchstäblich im Regen stehen? Florence Leonetti antwortet nüchtern und ohne Zögern: „Dann regnet es halt.“ Gedreht wird bei jedem Wetter.

Darum geht es im Film „The Zurich Liaison“

Der Komponist Richard Wagner und Mathilde Wesendonck beginnen in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts in Zürich eine Affäre. Sie ist mit dem reichen Geschäftsmann Otto Wesendonck verheiratet, Wagner mit seiner Frau Minna. In der Villa Wesendonck trifft sich die gehobene Zürcher Gesellschaft. Heute ist in dieser prachtvollen Liegenschaft das Museum Rietberg untergebracht, das Kunstwerke aus überseeischen Ländern zeigt.

Komplizierte Beziehungsverhältnisse

Neben Politikern und Professoren, gehören unter anderem Gottfried Keller sowie Vertreter der Familie Wille, aus der später der Schweizer General des 1. Weltkriegs hervorging, diesem Wesendonck-Kreis an. Auch Franz Liszt kommt besuchshalber vorbei.
Die Liaison wirkt sowohl für Richard Wagner wie für Mathilde Wesendonck inspirierend, für ihn als Komponisten und für sie als Dichterin. Sowohl Minna Wagner wie auch Otto Wesendock kommen jedoch hinter die aussereheliche Beziehung. Und auch in der Zürcher Gesellschaft machen Gerüchte die Runde.
Das verworrene Beziehungsgeflecht regte Wagner unter anderem zur Oper „Tristan und Isolde“, die er zwischen 1857-1859 komponierte, an. Sie wurde am 10.Juni 1865 in München uraufgeführt.

Tristan und Isolde, Aufführung 1865 in München.

Junger Staat

Der Film macht die Rahmenbedingungen zur Entstehung der Oper „Tristan und Isolde“ zum Thema. Da ist einerseits die heimliche Liebesgeschichte, wie auch die Aufbruchstimmung im damals jungen Bundesstaat der Schweizerische Eidgenossenschaft, der Künstlern und Wissenschaftlern ein günstiges kulturelles Klima bot, das den Nährboden für den Aufbruch die Moderne bereitete.

Hochkarätig besetzte Hauptrollen

Der Film wird ausser in Wil, auch im Tessin, in Basel und in Bauma gedreht und zusätzlich mit Aufnahmen von Naturpanoramen im Berner Oberland und des Vierwaldstättersees angereichert. Die drei Hauptrollen sind mit internationalen Grössen besetzt. Auch junge Schweizer Schauspieler stehen vor der Kamera. Im Weiteren wirken Statisten aus Wil mit. Der Film von Jens Neubert soll gemäss Florence Leonetti im kommenden Jahr in die Kinos kommen.


Derselbe Regisseur hat bereits die Oper `Der Freischütz` von Carl Maria von Weber auf die Leinwand gebracht (Trailer):