KOMISCHE OPER „DIE REGIMENTSTOCHTER“ FEIERTE GRANDIOSE PREMIERE


Mit der Premiere von Donizettis komischer Oper „Die Regimentstochter“ feierte das MUSIKTHEATERWIL eine grossartige Premiere und setzte mit der Inszenierung neue Impulse.


Wird ein heranwachsender Mensch mit seiner eigentlichen Herkunft konfrontiert, erfährt die Stabilität der bisherigen Welt eine Erschütterung. Dieser Erfahrung setzen sich Adoptivkinder oft bewusst aus, um ihre Wurzeln zu erforschen und ihrem Leben mögliche neue Impulse zu geben. Marie, der Protagonistin in der eigentlich komischen Oper „Die Regimentstochter“, widerfährt dies ganz ungefragt: Aufgewachsen in einer Männerwelt am Rande kalter Kriegsschauplätze, steht eines Tages eine Marchesa vor ihr und enthüllt die adlige Abstammung.

Beweggründe dargestellt

Nicole Bosshard gelingt in der Interpretation dieser Figur eine sehr authentische Darstellung dieser emotionale Achterbahn: Ein schillerndes Leben mit herrlichen Kleidern, erlesenen Speisen, Kutschen und Gesellschaften lockt – andererseits nagt aber der Abschied von Vertrautem, von der Fürsorge und Liebe ihrer zahlreichen Väter, die Furcht vor dem Ungewissen lässt ihre Schritte zögern. Und da ist noch Toni, mit dem sie die ersten zarten Bande der Liebe zu knüpfen beginnt… Regisseurin Regina Heer blickte hinter die Masken der Rollen, erspürte die Beweggründe und erarbeitete mit den Wiler Darstellern lebensnahe Figuren, die vom ersten Moment an vom Publikum verstanden und deren Schicksal mit Sympathie verfolgt wurden. Dies gilt nicht zuletzt auch für den Chor, der trotz grosser Bühnenpräsenz durchgehend sehr lebendig agierte, dabei aber nie die musikalische Präzision verlor.

Brillanz des Belcanto

Musikalischer Leiter Kurt Pius Koller hatte auf die Reinheit des Notentextes gesetzt und die Verzerrungen endloser Koloraturen, mit denen sich Primadonnen weltweit gerne in Szene setzen, vermieden. In ihrer natürlichen Schlankheit konnte so Donizettis Musik ihre wahre Brillanz und Tiefsinnigkeit entfalten, die der Wiler Premiere ein Juwel des Belcanto präsentierte. An Nicole Bosshards Seite spielte Remy Burnens einen verliebten, aber dennoch energischen Tonio, der mit seinem hellen Tenor begeisterte. Daniel Reumüller zeigte sich als Feldwebel-„Vater“ Maries als wertvolle Stütze, Aline Camenzind und Pascal Ganz gaben als Marchesa und Haushofmeister dem Ensemble eine kabarettistische Note.

Modern und menschennah

Regina Heer geht ihre Inszenierungen nicht im Alleingang an, sondern sucht zusammen mit der Bühnenbildnerin Marion Andera Menziger und dem Kostümbildner Bernhard Duss den roten Faden, die Aussage. So entstand nach Verdis „La Traviata“ 2014 auch dieses Jahr wieder eine homogene Inszenierung, die mit dem knalligen Outfit, dessen Kleider und Frisuren schon etwas Guggenmusikhaftes hatte, das höfische Leben herrlich überzog. Kontrastierend dazu die Soldatenwelt: Ohne einheitliche Uniform den „universal Soldier“ repräsentierend wurde die Wiler Armee von den Dorfrauen in Kleidern der 40er Jahre ergänzt. Die kurze Schockstarre nach einem Sirenenalarm, der Griff zum Gebet um Bewahrung, die nachfolgende Erleichterung liessen die schillernde Welt des zweiten Aktes ein wenig schriller erscheinen.

Mit der aktuellen Produktion zeigte sich das MUSIKTHEATERWIL einmal mehr modern und menschennah, aber ohne seinen Auftrag zu vergessen: Das Publikum zu unterhalten.


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