OBERE BAHNHOFSTRASSE WIL WIRD ZUR KUNSTMEILE „UF ÄN ART WIL I“


Vom 10. Juni bis 8. Juli 2018 wird die Künstlergruppe Ohm 41 im Verbund mit Gästen an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil verschiedene Werke und Kulturereignisse präsentieren. Dazu die spannende Geschichte der „widerständigen“ Kulturaktivisten.

Die offizielle „Geburtsanzeige“ der Künstlergruppe Ohm 41 war im Jahr 2000 unübersehbar: In einer spektakulären Überraschungsaktion verhüllte sie eine Betonskulptur auf dem Wiler Bahnhofplatz. Die mannshohen sogenannten „winkenden Indianer“ waren der Stadt von einer Beton- und Kiesfirma spendiert worden. Offiziell hiess die Arbeit vom Bildhauer Carlo Crameri „Welcome“. Sie löste damals bei der Bevölkerung kontroverse Diskussionen aus und wurde schliesslich entfernt.

Wer bestimmt die Kultur?

Wenig später ragte eine Nachbildung dieser Skulptur aus Styropor halbversunken aus dem Stadtweier. Was im ersten Moment wie ein Lausbubenstreich wirkte, hatte durchaus einen ernstzunehmenden Hintergrund, wie Markus Eugster heute betont.

Der Lehrer an der Schule für Gestaltung in St. Gallen war einer der Initianten der Überraschungsaktion. „Für uns Kunstschaffenden stellte sich damals die Frage, ob sich eine Stadt wie Wil ihre Kulturpolitik vor allem von aussen, etwa durch eine Lieferfirma für Beton, gestalten lassen will?“

Medienpräsenz

Die Aktion war der Auftakt zu verschiedenen weiteren auffallenden Kunstereignissen von Ohm 41 in den Folgejahren, sie hiessen unter anderem `Taf el ente`, `Gegenwind` sowie `Stille Nacht der Kunst`. Das umtriebige Kollektiv wählte auch das Ausland für Aktionen, es reiste unter anderem nach Deutschland und nach Italien.

Die Gruppe machte immer wieder von sich reden. Als sie beispielsweise den Fluss Necker rot färben wollte, um auf das anhaltende Flüchtlingselend im Mittelmeer hinzuweisen, rief sie damit die Polizei sowie die TV-Kameras auf den Plan.

Kunst mit Schuss Ironie

Ohm 41 wurde im Laufe der Jahre zu einem beachteten Impulsgeber in der regionalen Kulturlandschaft. Dass sich die Gruppe nicht nur Anhänger schaffte, ist ein unvermeidlicher Nebeneffekt ihrer teils provokativen Aktionen, denen oft ein kräftiger Schuss Ironie anhaftet.

Ihre Überraschungseffekte sind Teil ihres Markenzeichens. Ein weiterer ist gemäss dem ausgebildeten Kulturmanager Markus Eugster ihr widerständiges Verhalten gegen die etablierten Abläufe und Strukturen. Sie drückt sich auch im Namen aus, Ohm ist die Masseinheit für Widerstand.

Wer gehört zu Ohm 41?

Ohm 41 setzt sich heute aus Franziska Peterli Bartholdy, Markus Eugster, Stefan Kreier, Thomas Freydl, Errico Mirto, Renato Müller, Franz Zuber, Fulvio Musso, Kurt Scheiwiller und Tuli Eugster zusammen. Weitere frühere Mitglieder sind verstorben.

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Veranstaltungsreihe diesen Sommer

Unter dem Titel „uf än art wil i“ lädt Ohm 41 gemeinsam mit Shopping Wil und Gästen vom 10. Juni bis 8. Juli zu verschiedenen kulturellen Ereignissen ein. Dazu gehören Konzerte, Objektausstellungen, spezielle Führungen sowie gastronomische Angebote. Einbezogen wird dabei die Strecke zwischen Derby und Altstadt.

Detailliertes Programm (anklicken und ansehen)


Ohm 41 im Videoclip (Aktion Gegenwind 2015)