ÖV-STRATEGIE 2030/35: NEUES BUSSYSTEM SOLL ENTLASTUNG BRINGEN


Die Stadt Wil und der Kanton St. Gallen möchten das Stadt- und Regionalbusnetz mit vier Hauptkorridoren gezielt weiterentwickeln. Damit sollen das Angebot und die Qualität des öffentlichen Verkehrs (öV) bedeutend gesteigert werden. Der Stadtrat Wil hat die öV-Strategie Wil 2030/2035 genehmigt und damit das Postulat von Hans-Peter Hutter (CVP) beantwortet. Als nächstes erarbeitet die Stadt ein konkretes Buskonzept für den Fahrplan 2021.


Im Auftrag des Stadtrats und des Kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr hat das Planungsbüro Infras die Probleme des Wiler öV-Systems analysiert, Erschliessungslücken aufgezeigt und das künftige öV-System im Rahmen einer öV Strategie 2030/2035 skizziert.

Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung durch den motorisierten Individualverkehr kommt es bei den Buslinien im Zentrum der Stadt Wil insbesondere in den Abendstunden immer wieder zu Verspätungen. Die Linienführung der Busse und deren Fahrzeiten sollen folglich grundlegend verändert werden. Ebenso möchten die Stadt und der Kanton dem öffentlichen Verkehr Priorität einräumen, unter anderem mittels separaten Busspuren wie es das Agglomerationsprogramm vorsieht. Die Idee eines Trams erachten die Fachleute aufgrund der aktuellen und der prognostizierten öV-Verkehrsbelastung dagegen nicht als zielführend. So baut die öV-Strategie auch für die Zukunft auf ein Bussystem.

Busse sollen im 15-Minuten-Takt fahren

Die öV-Strategie Wil 2030/2035 sieht Folgendes vor:

  • Aufgrund der hohen Nachfrage fahren auch künftig alle Linien den Bahnhof Wil an.
  • Busse verkehren auf vier neuen Hauptachsen (Toggenburgerstrasse, Glärnischstrasse, Zürcherstrasse, St.Gallerstrasse). Auf diesen vier Hauptlinien sind auch Gelenkbusse einsetzbar, die mehr Passagiere transportieren können.
  • Der 15-Minuten-Takt wird auf allen Linien angestrebt, da die Anschlusssituation am Bahnhof Wil aufgrund des übergeordneten Bahnfahrplans ungünstig ist und bleibt.
  • Die Wirtschaftlichkeit der Angebotsentwicklung wird mit Testbetrieben überprüft.
  • Die Regional- und Stadtbuslinien ergänzen sich im Taktsystem. So werden Parallelfahrten von mehreren Bussen verhindert.
  • Wo möglich fahren Busse ohne Schlaufe am Linienende, damit an der Endhaltestelle einige Minuten Puffer bleiben.

Für einzelne Linien bedeutet dies:

  • Die Linie 706 nach Braunau führt künftig via Rossrüti statt Bronschhofen und erschliesst als Ersatz den lokalen Kurs Bronschhofen / Maugwil.
  • Mit der neuen Hauptlinie der Regionalbusse auf der St.Gallerstrasse entfällt die Stadtbuslinie 704, Wilerwald.
  • Die Linie 701, Neulanden führt via Fürstenlandstrasse / Von-Thurnsteig und erschliesst so die Fürstenlandstrasse.


Mit Durchmesserlinien flexibler unterwegs

Langfristig sind auf allen Linien sogenannte Durchmesserlinien anzustreben: Diese Linien enden nicht mehr am Bahnhof, sondern an einer definierten Endstation. Dadurch sind die öV-Nutzenden innerhalb der Stadt flexibler – ohne lange Wartezeiten am Bahnhof. Dies ist sehr stark abhängig von einem engen Takt und den Anschlüssen aufgrund des übergeordneten Bahnfahrplans.

Buskonzept 2021 wird entwickelt

Als nächstes arbeiten Stadt und Kanton das Buskonzept 2021 aus. Dabei entwickeln sie zusammen mit den Transportunternehmen konkrete Fahrpläne, welche ab Dezember 2020 gelten sollen. Das Leistungsangebot soll so mit dem vorhergesagten Bevölkerungswachstum in Einklang stehen. Bauliche Massnahmen wie Wendeplätze oder Verbesserungen an den Haltstellen zur Umsetzung des Buskonzepts müssen ebenfalls projektiert werden.

Initiant der öV-Strategie war Hans-Peter Hutter (CVP), welcher 2016 ein entsprechendes Postulat einreichte. Er schlug zusätzlich zur bestehenden «Strategie Strasse» eine zukunftsgerichtete öV-Strategie vor, die das Zentrum von Wil vom stetig ansteigenden motorisierten Individualverkehr (MIV) entlasten soll.