OSTSCHWEIZ – MIT EIGENINITIATIVE UND EIGENLEISTUNG STÄRKEN


Am Donnerstag, 27. September 2018, veranstaltete die St.Galler Sektion des Schweizerischen Altzofingervereins ein gut besuchtes und lebhaftes Podium an der Universität St.Gallen zum Thema: „Die Ostschweiz: Verweilen im Mittelmass oder raus aus der Schmollecke – Welche Ambitionen für welche Zukunft?“ Fünf Ostschweizer Persönlichkeiten diskutierten unter der Leitung von Hansjörg Enz (ehem. Tagesschaumoderator SRF) über Lage und Befindlichkeit der Region.


Bereits der Versuch, die Ostschweiz zu identifizieren, verriet eine Region à géométrie variable. Sieht man von der OLMA ab, entsteht hier nur selten so etwas wie ein regionales Amalgam. Entsprechend gross sind die Herausforderungen, sich gegenseitig abzustimmen und im Standortwettbewerb genügend Gehör zu verschaffen, zumal als Landesteil an peripherer Lage. Es fehlt eine prägende „Single Brand“, welche attraktiv und anziehend wirkt. Aus der Optik von Bundesbern sind es vielfach die eher weniger vorteilhaften Bilder der Ostschweiz, die haften bleiben (Hanspeter Trütsch, ehem. Bundeshauskorrespondent SRF).

Vielfalt mit Potential

Die angesprochene Vielfältigkeit der Region hat indessen durchaus auch ihren unverkennbaren Charme in Form eines touristischen Potenzials, das sich noch besser vernetzen und ausschöpfen liesse (Pietro Beritelli, Prof. für Betriebswirtschaftslehre mit Fokus Tourismus UniSG). Als Stossrichtung hält das Podium fest, das Vorhandene weiter zu entwickeln und besser bekannt zu machen. Matthias Hüppi (Präsident FC St.Gallen) spricht die – hier selten überbordende – emotionale Seite an und erwähnt die bereits konkrete Idee, der überregionalen Strahlkraft des Stadttheaters und des Fussballclubs gemeinsam weiteren Schub zu verleihen.

Falsche Bescheidenheit als mentale Bremse

Falsche Bescheidenheit und Genügsamkeit im „Durchschnitt“ sind aus Sicht der Wirtschaft typische Eigenschaften der Ostschweiz. Katharina Lehmann (VR-Präsidentin Blumer-Lehmann AG) spricht etwa die Steuerbelastung und die Bevölkerungsentwicklung an, die negativ tendieren und unterschätzt werden. Auch negative Trends kennen ihre Eigendynamik und signalisieren Handlungsbedarf von Politik und Wirtschaft. Die zunehmende Mobilität ist zweischneidig und verleiht den grossen Wachstumszentren weiteren Auftrieb. Für die Region sind deshalb Offensiven zur Schaffung zukunftsträchtiger und wertschöpfungsstarker Arbeitsplätze vorrangig (Silvan Wildhaber, CEO Filtex AG). Die Chancen der Ostschweiz als Wohn-, Lebens- und Freizeitraum werden vom Podium als intakt beurteilt.

Durch die Zentralisierung der Medien wird es für die Regionen generell immer schwieriger, sich einzubringen. Im Podium herrscht die Meinung vor, dieser Entwicklung durch Eigeninitiative und Eigenleistung entgegenzuwirken. Der Präsident der Altzofingia St.Gallen, Louis Grosjean, dankt den Podiumsteilnehmern und allen Anwesenden und kündigt eine Folgeveranstaltung an, die den ersten Teil des Mahnwortes von Albert Camus beherzigen soll: „Wer etwas will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“