SENSATIONELLE FUNDE – KELTEN UND RÖMER IN WILEN BEI WIL?


(jg) Damit hatten weder Gemeindepräsident Kurt Enderli, die Dorfhistorikerin und Projektleiterin Daniela Wiesli noch der Thurgauer Kantonsarchäologe Hansjörg Brem gerechnet: Offiziell autorisierte „Sondengänger“ fanden am 3. August 2018 auf einem Acker südlich des Dorfs Wilen bei Wil nebst zu erwartenden Dingen wie Musketenkugeln, Heiligen-Anhängern und Münzen aus den letzten 200 Jahren drei besonders bemerkenswerte, ja sensationelle Prunkstücke: eine keltische Münze aus der Zeit um 100 v. Chr., eine römische Münze aus der Zeit Christi und eine Skarabäus-Brosche, ein ägyptischer Glücksbringer, der noch nicht datiert werden konnte.


Weshalb diese Grabungen?

Daniela Wiesli wohnt in Wilen bei Wil und beschäftigt sich, unterstützt durch die Gemeinde, mit der Geschichte des Dorfes. Die studierte Übersetzerin arbeitet an der Universität Zürich sowie als Tutorin für die Nautical Archaeology Society und erforscht in ihrer Freizeit die Geschichte ihres Wohnorts. Sie ist bereits Autorin des Buchs „Wilen bei Wil – Ein Dorf erinnert sich“, in welchem eine Reihe von Einwohnerinnen und Einwohnern mit deren persönlichen Geschichten portraitiert werden.


10 Top-Prospektoren im Einsatz

„Über die Geschichte des Dorfes ist wenig bekannt“, erläuterte Daniela Wiesli, „weshalb wir mittels Ausgrabungen mehr darüber in Erfahrung bringen wollen.“ Zu diesen Aktivitäten gehörten auch die beiden Ausgrabungen vom 3. August 2018. Eine Gruppe von 10 Prospektoren, ehrenamtlichen Mitarbeitenden von kantonalen Archäologen mit einer Spezialbewilligung – notabene aus den Kantonen TG, BL, SG, SH, SO und ZH – nahm am Freitag, 3. August 2018, unter der Leitung von Daniela Wiesli zuerst ein Haus im Zentrum von Wilen unter die Lupe und danach ein Ackerfeld im Süden des Dorfes.“


In einem alten Haus im Dorfzentrum

Das baufällige Haus im Dorfzentrum von Wilen, direkt hinter dem Restaurant „Sonne“ gelegen, war seit 30 Jahren nicht mehr bewohnt worden und konnte kürzlich von der Gemeinde übernommen werden. Es wurde geräumt und jetzt interessierten die vergrabenen und allenfalls versteckten Dinge, die es noch in sich barg.
Die Erforschung konnte beginnen.
„Bewaffnet“ mit Leuchtlampen, Metalldetektoren und Schaufeln gingen die Prospektoren ans Werk.

Auf der Suche im Keller

Ausgrabungen in einem alten Haus im Dorfzentrum von Wilen bei Wil

Ausgrabungen in einem alten Haus im Dorfzentrum von Wilen bei Wilhttp://wil24.ch/sensationelle-funde-kelten-und-roemer-in-wilen-bei-wil/Kanton Thurgau

Gepostet von wil24.ch am Samstag, 4. August 2018


Teil der Ausbeute aus dem Haus – Interessantes, aber nichts Weltbewegendes darunter.
Die Funde wurden kritisch betrachtet…
…andere sorgten für Erheiterung – auch bei Projektleiterin Daniela Wiesli.
Gemäss Gemeindepräsident Kurt Enderli hat die Gemeinde Wilen bis dato zwei Häuser im Dorfzentrum erwerben können. Weitere sollen folgen. Enderli: „Noch gibt es kein Konzept für die künftige Gestaltung des Dorfzentrums. Wir haben dafür noch 10 bis 15 Jahre Zeit. In jedem Fall soll die Nutzung dereinst nicht nur kommerziellen Interessen gerecht werden. Die Gemeinschaft soll profitieren.“

Auf einem Acker im Süden der Gemeinde

Ab 11:00 Uhr morgens ging die Suche weiter auf einem Acker im Süden des Dorfes in Richtung Weiler Egelsee.
Neben der professionellen Ausrüstung waren bei den hochsommerlichen Temperaturen mit über 35 Grad auch Getränke und Verpflegung sehr wichtig.
Jeder Fund wurde mit Datum, Zeit, GPS-Daten des Fundorts und Name des Prospektors erfasst.
Projektleiterin Daniela Wiesli staunte über die zahlreichen Fundgegenstände, die ausgegraben wurden – und dies aus einem unscheinbaren, zufällig ausgewählten Stück Wiesland.
Toller Fund: Amulett mit einem geflügelten Skarabäus, der seit 3500 vor Christi im alten Ägypten als Glücksbringer galt (deutscher Name: Heiliger Pillendreher). Gefunden von Prospektor Benjamin di Staso. Könnte sich aber auch um ein „nur“ 200 Jahre altes Armeeabzeichen handeln, weil das Metall gewisse „moderne“ Muster aufweist.
Keltischer Quinar (Silbermünze aus der Zeit 100 vor Christi), gefunden von Prospektor Lukas Graf am 3. August 2018 in Wilen bei Wil. Darauf ersichtlich ist ein galoppierendes Pferd und einige griechische Buchstaben.
Römischer Denar (Silbermünze aus der Zeit um Christi) gefunden von Prospektor Thomas Kiehl am 3. August 2018, in Wilen bei Wil.
Die Funde stiessen auch beim Thurgauer Kantonsarchäologen Hansjörg Brem auf Begeisterung: „Die beiden Münzfunde sind sensationell. Sie sind ein Indiz dafür, dass Wilen eine weit längere Geschichte hat als bislang vermutet.“

„Ja, es ist ein keltischer Quinar!“

Keltische Quinar-Silbermünze (100 v. Chr.) in Wilen bei Wil gefunden

Prospektoren finden keltische Münze aus der Zeit um 100 v. Chr.; Thurgauer Kantonsarchäologe Hansjörg Brem begeisterthttp://wil24.ch/sensationelle-funde-kelten-und-roemer-in-wilen-bei-wil/

Gepostet von wil24.ch am Samstag, 4. August 2018


Was wird aus den restlichen Funden?

Neben den Prunkstücken wurden weitere interessante Dinge wie Münzen aus dem vorletzten Jahrhundert, Heiligen-Anhänger (waren einst auf den Äckern verteilt worden mit der Bitte an die Heiligen um Beistand für gute Ernten) sowie Patronen und Werkzeugteile. Aus dem „Abfall“ wird der Wilener Künstler Martin Warth neue Kunstwerke schaffen. Darüber wird wil24.ch separat berichten.

Martin Warth (zweiter von links) im Gespräch mit „Schatzsuchern“. Er wird aus dem „Abfall“ Kunstwerke herstellen.