WILER LUKAS HÄNE ZU GAST BEI TAI CHI-MEISTER IN CHINA


Lukas Häne präsidiert den Tai Chi-Club Wil. Dessen Mitglieder ermöglichtem ihm als Dank für sein ehrenamtliches Wirken als Tai Chi-Lehrer einen dreimonatigen Weiterbildungsaufenthalt in China. Nachfolgend erzählt der Chinakenner von seinen jüngsten Erfahrungen.


„Die Reise nahm Anfang April einen holprigen Start: Ich vergass meine geliebte Trompete im Zug zum Flughafen Kloten. Und die zwei Clubmitglieder, die mich begleiteten, brauchten aufgrund von Visa-Komplikationen einen zweiten Anlauf für die Einreise nach China.

Eine Ersatztrompete konnte zum Glück in Hongkong rasch organisiert werden und so traf man sich in der Tai Chi- und Kampfkunstschule von Fu Nengbin, in der südlichen Provinz Guangxi. Sie ist berühmt für ihre grünen Karsthügel und die Schifffahrten auf dem Fluss Lijiang.

Intensives Programm

Abseits vom täglichen Tourismusrummel können sich die Tai Chi-Praktizierenden dort ganz auf ihr Training konzentrieren. Der Tagesablauf ist strikt geregelt: am Morgen und am Nachmittag werden je zweieinhalb Stunden praktiziert. Da wir das Intensivpensum nicht gewohnt waren, meldeten sich nach der ersten Woche alle Glieder. Das Wochenende wurde zur Erholung dankbar entgegengenommen.

Grossmeister Chen Zhenglei

Zum Tag der Arbeit am 1. Mai haben die Chinesen mehrere Tage frei. In Yangshuo herrscht dann Hochsaison und auch in der Tai Chi-Schule ist zusätzlicher Betrieb. Ein Dutzend chinesischer Tai Chi-Freunde hatten sich eingefunden, um mit Meister Fu einen zehntägigen Intensivkurs zu begehen.

Seit 1996 ist er direkter Schüler des Grossmeisters Chen Zhenglei der Familie Chen aus dem Ursprungsort des Tai Chi, Chenjiagou. Meister Chen ist Stammhalter in 11. Generation des Tai Chi der Familie Chen und begeht in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass gibt es in Chenjiagou diesen Sommer grosse Feierlichkeiten und einen Wettkampf, an dem mehrere hundert Ausländer und Chinesen sich in der Tai Chi-Kampfkunst messen.

Sein Schüler Fu Nengbin hat den jährlichen Wettkampf in der Kategorie Push Hands (ein Zweikampf der etwas unserem Schwingen ähnelt) früher fünf Mal in Folge gewonnen und war in den letzten Jahren regelmässig als Instruktor der Weiterbildungskurse mit Chen Zhenglei in ganz China engagiert.

Grosse Chance für mich

Im letzten November hatte Meister Fu das erste Mal selbst als Meister und Stammhalter des Chen-Stil Tai Chi in der 12. Generation einige ausgewählte Schüler offiziell aufgenommen. Mit diesen veranstaltete er Mitte Mai den ersten internen Ausbildungskurs in Taizhou der Provinz Zhejiang, zu dem auch ich eingeladen wurde, obwohl ich kein offizieller Schüler bin. Dies war ein grosses Geschenk und eine Ehre für mich und traf sich optimal mit meinem vierzigsten Geburtstag in derselben Woche. Die dreissig Schüler überraschten mich mit Blumen und einer Torte.

Gastrecht für den Tai Chi-Club Wil

Neben dem intensiven Training fanden auch gesellschaftliche Anlässe statt: Wir besuchten gemeinsam ein Berggebiet mit einer Landschaft, die den Schweizer Bergen in nichts nachsteht und führten Tai Chi an einer Quartierveranstaltung vor.

Nach dem Kurs in Taizhou verbrachte ich zwei Tage in Hangzhou, als Hauptstadt der Provinz Zhejiang, bekannt für Seidenstoffe und Grüntee sowie für das Naherholungsgebiet um den Westsee, in dem verschiedene Museen und Tempel beheimatet sind.

Hangzhou wird für den Tai Chi Club Wil bedeutend, weil Meister Fu plant, im nächsten Jahr hier ein neues Tai Chi Zentrum zu eröffnen. Meister Fu auc ist Ehrenpräsident unseres Tai Chi Clubs. Falls wir ihn in Zukunft besuchen möchten, können wir dies in Hangzhou in der Nähe von Shanghai oder in der bisherigen Schule in Yangshuo tun.

Auch Ma Yun, Mitbegründer des chinesischen Internetriesen Alibaba, hat in Hangzhou bereits ein Tai Chi Zentrum eröffnet und setzt sich gemeinsam mit dem Schauspieler Jet Li stark für die Verbreitung von Tai Chi ein.

Eindrückliche Bilderausstellung

Meine nächste Station war die südliche Metropole Guangzhou, früher Canton, in der ich vor Jahren Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) studiert hatte. Ich meldete mich für ein Praktikum im Unispital an. Es ergab sich die Gelegenheit, einen langjährigen Freund und Künstler namens Zhou Guocheng zu treffen, der mich zusammen mit seiner Familie zu einem üppigen Nachtessen einlud.

 

In einem Park in unmittelbarer Nähe der Universität fand eine grosse Ausstellung seiner Bilder und Kalligraphien statt. Zhou Guocheng ist auf die Malerei der Pflaumen-, Lilien-, und Chrysanthemenblüten und des Bambus spezialisiert.

Gesteigerter Reisekomfort

Nach der Zeit in der lauten und hektischen Grossstadt Guangzhou war ich erleichtert, dass ich den Hochgeschwindigkeitszug in Richtung Yangshuo nehmen konnte. Mit der neuen Verbindung wurde die Reisezeit von über zehn Stunden auf zweieinhalb Stunden reduziert. Das Reisen in China ist bedeutend angenehmer geworden. Ich widmete mich im ruhigen Yangshuo nochmals drei Wochen dem Tai Chi Training und kehrte anfangs Juli über Hongkong nach Wil zurück.“


Info:

Neben dem Tai Chi-Training am Dienstagabend in der Turnhalle Obermatt in Bronschhofenmbietet Lukas Häne Tai Chi- und Qigong-Kurse u.a. im Wenger Fitness Center an.