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Wirtschaft
11.12.2021
12.12.2021 10:28 Uhr

Adventrally an den Aktienbörsen

Christopher Chandiramani stellt fest, dass die Corona-Probleme am Aktienmarkt in den letzten Tagen eher verdrängt wurden. Bild: Linth24
Die Märkte atmeten auf, erholten sich sogar deutlich, in der Annahme, die Corona-Neuvariante Omikron verlaufe milder. SMI-Rekorde von November 2021 wurden gar übertroffen, danach konsolidierten die Aktien leicht.

Die Pandemie und die Unsicherheiten bereiten weiterhin Sorgen, die Fallzahlen steigen, die Regierungen planen weitere Verschärfungen, die Schweiz 2G (geimpft oder genesen), in Deutschland und Österreich ist sogar Impfpflicht ein Thema. Am Aktienmarkt wurden diese Probleme in den letzten Tagen eher verdrängt.

Starke US-Arbeitsmarktdaten stützen den Dollar. Die Inflationsdaten in Deutschland und der EU sind relativ hoch, in den USA drängt man die US-Notenbank FED zu Zinserhöhungen.

Auch die Politik ist vor den Weihnachts-Feiertagen noch aktiv. In Deutschland wurde die neue Regierung vereidigt. Nach Ernennung des neuen Bundeskanzlers sind nun auch alle Bundesminister im Amt bestätigt. Mit Olaf Scholz endet die Ära Angela Merkel nach 16 Jahren. Einige Länder boykottieren die kommenden Olympischen Spiele in China, zumindest diplomatisch wegen Verletzung der Menschenrechte. Die USA, Kanada, Grossbritannien und Australien haben sich schon dahin geäussert. Neuseeland plant ein schrittweises Tabakverbot. Das Land verbietet Jugendlichen lebenslang den Kauf von Zigaretten.

Für das Jahr 2021 hebt die wirtschaftliche Expertengruppe des Bundes (Seco) die Prognose leicht an. Neu rechnet sie mit einem Wachstum des Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) von 3.5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (letzte Schätzung 3.4 Prozent. Für 2022 wird mit 3.2 Prozent etwas tiefer geschätzt wegen Inflation, Lieferengpässen und den allfällig bremsenden Corona-Massnahmen.

Rohöl und Gold verliefen eher unauffällig, eher auf Erholungspfad, Euro und Bitcoin neigen immer noch etwas zur Schwäche.

Unternehmensnachrichten

Der Chemie- und Agrokonzern Bayer hat im jahrelangen Streit über den angeblich krebserregenden Unkrautkiller Glyphosat einen juristischen Sieg in den USA errungen. Ein Gericht in Kalifornien befand, dass das Mittel nicht ein substanzieller Auslöser von Krebs gewesen sei.

Die Aktionäre des Zürcher Konzerns TX Group (früher Tages-Anzeiger/Tamedia) erhalten in den kommenden drei Jahren eine Sonderdividende. Möglich macht dies die Transaktion um die sogenannte Swiss Market Place Group (Internetplattform). Diese Partnerschaft spülte insgesamt 270 Mio. CHF in die Kassen der TX Group, die Hälfte davon in Cash – Wochengewinn der Aktie: 18 Prozent.

Die Aktien von Nestlé wurden in der Berichtswoche höher gehandelt und erreichen ein neues Allzeithöchst. Der Nahrungsmittelkonzern trennt sich von einem Teil seiner L'Oréal-Aktien und plant gleichzeitig ein 20 Mrd. CHF schweres Aktienrückkaufprogramm.

Nach zahlreichen Skandalen wollte die Credit Suisse eigentlich mit ihrem neuen Verwaltungsratspräsidenten António Horta-Osório eine Beruhigung einläuten. Dieser hat aber Quarantäneregeln missachtet und musste sich dafür nach hochgehenden Wogen und heftiger Kritik entschuldigen.

Die langjährige Konzernchefin von BKW, Suzanne Thoma, verlässt den Berner Stromkonzern und wird beim der Industriegruppe Sulzer Präsidentin des Verwaltungsrats.

Der Elektrokonzern ABB will in Zukunft stärker wachsen und die Aktivitäten der E-Mobilität auslagern, aber bei einer allfälligen separaten Börsenkotierung die Mehrheit behalten.

Aussichten

Die Corona-Pandemie dürfte in naher Zukunft unter Kontrolle sein.

Weiterhin tiefe und auch teilweise negative Zinsen zwingen die Anleger in die Aktien und Immobilien. Die Geldpolitik wird aufgrund Teuerung in einzelnen Ländern unterschiedlich sein. US-Dollar und Pfund neigen zur Stärke (Währungsgewinne), umgekehrt bleibt der Euro unter Druck. Schweizer Aktien haben ein Kurs-/Gewinnverhältnis von 18-20x und eine Dividendenrendite von durchschnittlich 2.5 Prozent und sind nicht überbewertet.

Gewinner der gegenwärtigen Situation sind die Pharmawerte und Zykliker. Die Immobilien, aber auch diesbezügliche Aktien und Anlagefonds sind dagegen infolge grosser Nachfrage hoch bewertet.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Herisau24