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Wirtschaft
17.12.2021
20.12.2021 15:46 Uhr

Börsen: Zinsentscheide der Notenbanken

Christopher Chandiramani zu den Aussichten: «Zinserhöhungen können Inflation bekämpfen, aber nicht Lieferengpässe und Fachkräftemangel.» Bild: Linth24
Kurz vor den Feiertagen kündigten die wichtigsten Notenbanken das Tiefzinspolitik-Ende an. Die Aktien reagierten mit Kursschub – ein Strohfeuer. Trotzdem neue SMI-Rekorde von über 12'800 Zählern.

Nach hohen Inflationszahlen von über 6 Prozent in den USA sowie etwa 5 Prozent in Grossbritannien und im EU-Raum haben deren Notenbanken die Zinswende angekündigt, insbesondere die Drosselung von Anleihenskäufen. Die Schweizerische Nationalbank hält sich vorerst zurück (Schweizer Teuerung 1.5%), belässt den Zins auf 0.75 Prozent (Negativzins) und will das Ende der Pandemie abwarten sowie im Sinne einer Wechselkurspflege den Schweizerfranken tief halten. 

Die Schweizer Wirtschaft dürfte im Jahr 2021 rund 3.6 Prozent wachsen. Für nächstes Jahr wird eine abnehmende Dynamik erwartet, ein geringeres Wachstum des BIP auf 2.9-3.0 Prozent. Grund für die tieferen Schätzungen sind die Lieferengpässe, der Mangel an Fachkräften und Unsicherheiten wegen Corona. Der Bundesrat hat am Freitag die Massnahmen weiter verschärft – Homeoffice-Pflicht, 2G und 2G+ (Ausschluss von Ungeimpften) und Personenbeschränkungen bei Weihnachtsfeiern.

Die Schweizerische Nationalbank hat jahrelang im Rahmen ihrer Geldpolitik Devisen und ausländische Anlagen in Höhe von fast 1 Bio. Fr. angehäuft. Nun wird von namhaften Ökonomen vorgeschlagen, dass diese Anlagen von einem neuen Schweizer Staatsfonds verwaltet werden sollten. Die Idee wird kontrovers diskutiert.

Im Schweizer Parlament wurde in der Wintersession die AHV-Reform beraten. Im Kernpunkt steht die Erhöhung des Rentenalters auf 65 für Frauen mit Kompensationen für die Übergangsgeneration. Von der Ratslinken wurde aber das Referendum angekündigt.

Aufweichung der Schuldenbremse: Der US-Senat erlaubt der Regierung die Aufnahme von weiteren 2.5 Bio. USD zusätzlicher Kredite. Ansonsten wären die Vereinigten Staaten zahlungsunfähig geworden.

Unternehmensmeldungen

Im Steuerstreit der UBS mit Frankreich spricht das Gericht die Grossbank erneut schuldig, senkt aber die Strafzahlungen stark von 3.7 auf 1.8 Mrd. EUR. Die Strafe steht im Zusammenhang mit dem früheren Bankkundengeheimnis.

Nach einer Ankündigung eines Aktienrückkaufs stiegen die Aktien des Pharmaherstellers Novartis markant. Der Umfang entspricht rund 13 Mrd. CHF, was etwa zwei Drittel des Verkaufserlöses des Roche-Pakets entspricht. Im Moment wären Akquisitionen teuer (Goodwillzahlungen) und die Negativzinsen auf Cash sehr hoch.

Der australische Biotechnologiekonzern CSL und Vifor Pharma bestätigen den Abschluss ihrer Übernahmeverhandlungen. Der Preis soll rund 11 Milliarden betragen, d.h. CHF 169 pro Aktie. Die Übernahme wird im Laufe des Jahres 2022 vollzogen. Der Börsenkurs befindet sich zurzeit auf knapp 160 CHF und wiederspiegelt einen Zinsabschlag sowie die vorhandenen Restunsicherheiten. Die Grossaktionäre Martin Ebner und Remo Stoffel sind die Hauptgewinner diese Transaktion.

Der Pharmakonzern Roche hat für seinen neuen Corona-Test von Sars-CoV-2 die CE-Kennzeichnung für die Verwendung von Speichelproben zum Nachweis des Coronavirus erhalten. Dieser Test ist für Personen geeignet mit Verdacht auf Covid-19, auch ohne Symptome.

Die Luzerner Kantonalbank hat beschlossen, die Generalversammlung 2022 wiederum virtuell durchzuführen.

Der börsenkotierte Hotelkonzern Orascom (mit Ressort in Andermatt) kehrt im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurück. Der Gründer Sami Sawiris wird die Führung im 2022 seinem Sohn Naguib übergeben.

Aussichten

Zinserhöhungen können die Inflation bekämpfen, aber nicht die Lieferengpässe und den Fachkräftemangel. Auch die Energie- und Treibstoffpreise lassen sich damit kaum beeinflussen. Grundsätzlich ist auch bei uns mit einer Verteuerung der Hypotheken zu rechnen, aber nur leicht. Interessant ist der Fokus auf die Unternehmensgewinne für 2021, welche sehr gut werden sollen. Auch mit Dividendenerhöhungen ist zu rechnen. Aber die Corona-Krise ist noch nicht vorbei. Konfliktgefahr: Ein weiteres Risiko für Aktien ist das Säbelrasseln an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24