Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kanton SG
24.12.2021
27.12.2021 08:20 Uhr

Legen wir oder Omikron die Wirtschaft lahm?

Pietro Vernazza, ehemaliger Chefarzt am St.Galler Kantonsspital, sieht eine kurze, zumeist milde Omikron-Welle kommen. Diese stelle eher eine Gefahr für die Wirtschaft als für Geimpfte und Genesene dar.

Pietro Vernazza ist Ende August als Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene am KSSG in den Ruhestand getreten. Auf seiner Plattform Infekt.ch meldet sich der renommierte Altmediziner zum aktuellen Infektionsgeschehen. Der Titel seines neuste Beitrags: «Legen wir oder Omikron die Wirtschaft lahm?»

«Kein Grund zur Panik»

«In den nächsten vier Wochen werden wir überflutet mit Infektionen durch Omikron», mahnt Vernazza zwar. Er rechnet mit vielen Infizierten – «es könnte ein Drittel der Bevölkerung treffen». Geimpfte und Genesene würden mit grösster Wahrscheinlichkeit aber eine sehr kurze und milde Erkrankung haben, ist sich der Professor sicher. Das seien rund vier Fünftel der Schweizer Bevölkerung. Und die meisten Risikopersonen seien geimpft.

Also «kein Grund zur Panik», beruhigt der St.Galler. «Die vielen Infizierten werden meist mild erkranken.» Mehr Sorge bereiten dem Professor die Arbeitswelt. «Unsere Wirtschaft könnte mehr unter der Omikron-Welle leiden als unsere Spitäler.» Falls sich grosse Bevölkerungskreise anstecken, könnten damit ganze Wirtschaftskreise lahmgelegt werden: «Wenn innert kurzer Zeit ganze Belegschaften für zehn Tage ausfallen, dann haben wir ein echtes Problem. Ein Problem, das wir selbst verursacht haben, nicht das Virus.»

Pietro Vernazzas grösste Sorge gilt nun daher der Wirtschaft: «Wenn das BAG an der zehntägigen Isolationspflicht für Geimpfte und Genesene festhält, selbst dann, wenn die Symptome nach einem Tag abklingen, was nicht ungewöhnlich ist, dann könnte unsere Wirtschaft mehr unter der Omikron-Welle leiden als unsere Spitäler.»

«Die anderen machen das auch so»

Die wissenschaftliche Grundlage für eine zehntägige Isolationsdauer sei «sehr dünn». «Wir hatten deshalb im Mai 2020 dem Bundesamt für Gesundheit ein Argumentarium mit wissenschaftlichen Daten vorgelegt. Unsere Schlussfolgerung war, dass man nach Abklingen der Symptome die Isolation aufheben könnte.» Denn die Symptome einer Infektion seien Folgen der Immunabwehr. Mit dem Auftreten derselben sinke die Viruskonzentration.

«Wer keine Symptome mehr hat, ist in der Regel auch nicht mehr relevant ansteckend. Basierend auf den zitierten Daten hatten wir – um etwas vorsichtig zu sein – eine Isolation von zwei Tagen nach Abklingen der Symtome vorgeschlagen. Das BAG hat damals unserer Argumentation grundsätzlich zugestimmt.»

Doch geändert hat das BAG nichts. Der wichtigste «Grund», den die Fachleute vom BAG als Einwand brachten, sei gewesen, dass man «im angrenzenden Ausland auch eine zehntägige Isolation» mache ...

Masken-Aufregung um Vernazza

Kürzlich wurde Pietro Vernazza in der TVO-Sendung «Im Zug mit …» interviewt. Für Aufregung sorgte, dass weder Vernazza noch Vanessa Ledergerber von TVO eine Maske im Zug der Appenzeller Bahnen getragen haben. Denn die Sendung wurde nicht in einem leeren Sonderzug, sondern während des normalen Tagesgeschäfts aufgenommen.

Auf Twitter verlangt nun etwa eine Luzia Feusi eine Antwort von den Appenzeller Bahnen, weshalb «spezielle Gäste» ohne Maske im Zug unterwegs sein dürfen.

stgallen24/stz.