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Stadt Wil SG
04.01.2022
04.01.2022 08:07 Uhr

"Jonny Dreckpfote" und "Grusline Säu-Niggel"

Mäni Rüegg ist auch 2022 auf der Suche nach dem gesunden Menschenverstand. Bild: wil24.ch
Worüber wird in Wil und Umgebung diskutiert? Welche lokalen, nationalen und internationalen Themen werfen hier hohe Wellen? Nehmen Sie doch auch Platz am virtuellen wil24-Stammtisch mit Mäni Rüegg.

Es wäre eigentlich ganz einfach ...

Wenn uns die Pandemie nun bald zwei Jahre in den Klauen hat, kommt man auch als Kolumnist nicht darum herum, sich ab und zu am Stammtisch Gedanken dazu, resp. zum Verhalten der Mitmenschen zu machen. Das BAG appelliert immer wieder an die Eigenverantwortung und an den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung. Es motiviert auch damit, dass die Bürger*innen durchaus in der Lage seien solidarisch dazu beizutragen, um gemeinsam das schlingernde Boot auf Kurs zu bringen.

Na ja, Eigenverantwortung nehme ich eher in der Schreibweise «Eigen» und die «Verantwortung haben andere», wahr. Der gesunde Menschenverstand scheint auch nicht mehr so gesund zu sein und liegt teilweise mit auf der Intensivstation. Was die Solidarität anbelangt, spürt man leider eher wenig von der Verbundenheit der Personen, welche sich unterstützen ohne die gegebene Hilfe wieder einzufordern. Wenn man gibt, will man gar noch mehr dafür zurück. So quasi die Zinsen. Eigentlich würde vieles ruhiger, geregelter und harmonischer ablaufen, wenn man die ganz einfachen Vorgaben einhält. Es sind Regeln, welche zwingend nicht nur während einer Pandemie gelten sollten. Beispiele gefällig?

Jonny Dreckpfote
Auf dem WC an einem bei schönem Wetter gut frequentierten Treffpunkt. Ein älterer Herr, schätze ihn 75 und nenne ihn Jonny Dreckpfote, steht ohne Maske am Pissoir und muss das, was er schon als klein Hänschen schon musste. Danach aber scheinen zwischen Hänschen und Jonny einige Jahrzehnte an normaler Kinderstube zu fehlen. Reissverschluss hoch, Hände waschen oder desinfizieren kennt er nicht und dann gleich ab in den angrenzenden Hofladen. Schnell mit den Dreckpfoten die wohl noch dreckigere Maske über den Mund. Immerhin saugt dann die Oberkannte der Maske die Schnudernasentropfen auf. Auch hier, ohne die Hände zu desinfizieren, betatscht er das Gemüse und die Früchte in den Gestellen. Um sich vor solchen Grüsel-Jonnys zu schaudern, braucht es keine Pandemie um sensibel zu reagieren. Solchen Grüseln und davon gibt es nicht wenige, sollte man nicht nur die Hände gründlich waschen.

Leopolde Polterer-Vergissmeinnicht
Zwischen den Regalen eines Grossverteilers wird eine auffallend provokativ herumstolzierende Frau vom Personal sehr zuvorkommend darauf hingewiesen, dass hier Maskenpflicht sei und sie doch dieser Vorgabe machkommen möge. Ich schätzte sie 55 und nennen wir diese Dame Leopolde Polterer-Vergissmeinnicht. Auf ihre Antwort, dass sie sie die Maske zu Hause vergessen habe, ignoriert sie das Angebot, dass sie bei der Auskunft gratis eine Maske abholen könne. Denn in der Metzgereiabteilung wird sie wieder anständig angesprochen eine Maske zu tragen. Sie hat sie immer noch vergessen. Dasselbe einige Minuten später in einem anderen Ladebenreich. Leopolde hatte nicht nur die Maske, sondern auch den Anstand und den Respekt vergessen. Damit scheint sie scheinbar auch ganz gut zu leben, wenn man das so trotzig will.

Grusline Säu-Niggel
Die offenen Gemüse-, Früchte- und Brotabteilungen bei den Grossverteilern sind einladend, motivieren zum Kauf und man kann sich das Gewünschte auswählen. Allerdings meinte ich mit den Augen und nicht mit ungewaschenen Dreckpfoten. Bei den Eingängen zu den Läden sind es kaum 10 Prozent der Kunden, welche die Hände desinfizieren. Dies sollte eigentlich nicht nur in der Pandemie Pflicht sein. Nun, Früchte und Gemüse kann man ja zu Hause gut waschen, um die Rückstände der Säuniggel-Einkäufer zu minimieren. Wenn dann aber die Dame in Schwarz, schätzte sie 39½ und nenne sie Grusline Säu-Niggel, genüsslich in der Auswahl der Brötchen mit blossen Pfoten herumwühlt und -drückt und sich die knusprigsten Stücke aussucht, bekommt mein Magen Pusteln. Heisst das, dass ich nun auch die Brötchen zu Hause waschen muss? So pampig schmecken sie aber kaum mehr nach Frischbrot, oder? Am liebsten würde man solchen Säuniggeln mit der dreckigen Fliegenklatsche zünftig auf die Pfoten geben und die gewaschenen pampigen Brötchen ins Gesicht reiben.  

Wünsche allen einen gluschtigen Start ins neue Jahr und beim Einkauf mit der Fliegenklatsche viel Erfolg.   

Mäni Rüegg

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch