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Stadt Wil SG
18.01.2022
18.01.2022 10:36 Uhr

Kommen Anstand und Rücksicht auf den Hund?

Bild: wil24.ch
Worüber wird in Wil und Umgebung diskutiert? Welche lokalen, nationalen und internationalen Themen werfen hier hohe Wellen? Nehmen Sie doch auch Platz am virtuellen wil24-Stammtisch mit Mäni Rüegg.

von Mäni Rüegg

«Er hät no niemer bisse»

Während der Pandemie hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, nicht mehr die grossen Wochenendausflüge zu machen, den «Ausgangrayon» in Grenzen zu halten und sich in der nahen Natur zu bewegen. Man hat sich auch daran gewöhnt, dass man auf Waldspazierwegen hüpfend und slalomlaufend den Riesenhaufen Pferdemist ausweichen muss und orange Hundesäckli die Wegränder zieren.
Ein Dankeschön an die vielen Hundehalter, welche ihre Vierbeiner auf viel begangenen Spazierwegen an die Leine nehmen und verstehen, dass es Mitmenschen gibt, welche nach Negativerlebnissen mit Hunden Respekt und gar Angst vor grösseren Vierbeinern haben. Fakten beweisen, dass mehr Personen mit Verletzungen von Hunden in Behandlung müssen als man landläufig annimmt, denn verlässliche Statistiken gibt es keine. Wie in vielen Situationen im Leben ist nicht unbedingt der Täter der wirklich Schuldige, sondern der Halter. Wenn ein Porsche einen Menschen anfährt, wird kaum das Auto verurteilt, sondern der Fahrer.

Ein Dankeschön an die Mehrheit
Nebst den sehr vielen sehr vorbildlichen Hundehaltern gibt es aber auch solche, welche ihre vierbeinigen Freunde kaum im Griff haben und ihnen Auslauf gewähren, wo sie eher Angst verbreiten und nicht ihre Freiheit geniessen. Oder ist eben gerade das deren Freiheit? Geniessen gar einige Hundehalter die Angst von Fussgängern, wenn ihr Freund zähnefletschend und bellend seine Freiheit geniesst.
Es ist Fakt, dass auf Wiler Stadtgebiet im Wald und an Waldrändern keine Leinenpflicht besteht, aber mit grossen Tafeln und einem Dankeschön empfohlen wird. Wer als normaler Spaziergänger in der Thurau einen Spaziergang geniessen will, muss das inzwischen vergessen. Nebst den zum Glück noch in der Überzahl scheinenden guten Hundehalter gibt es allerdings immer mehr, welche es offensichtlich wohlig geniessen, wenn sie mit ihren Hunden provozieren können. Meistens sind es Hundehalter*innen, welche auffallen, dass sie ihre Freunde keineswegs im Griff haben und diese jede Aufforderung der Halter*innen ignorieren.

Negative Erlebnisse
Ein Hundehalter-Ehepaar mit drei grösseren freilaufenden Hunden auf dem engen Waldweg geniesst es sichtlich, wenn ihre Tiere das Blut in den Adern von Spaziergängern stocken lassen. Dann, wenn ihre Vierbeiner bellend auf Fremde losrennen. Der Halter wartet sichtlich grimmig auf eine verbale Reaktion, um eine «passende» Antwort bereit zu halten und die Hundebesitzerin macht ein Gesicht, als wäre sie eben vom eigenen Hund gebissen worden.
Kaum 200 Meter später rennen zwei bellende Hunde, einer davon ein scheinbar unberechenbarer Schäfer, auf uns zu. Stehen bleiben, ignorieren oder was? Der Halter schien ratlos und sichtlich machtlos, denn die Kläffer gehorchten nicht. Seine fluchenden Worte nutzten wenig und sein Blick wandte er von uns ab, denn er war sich wohl bewusst, dass Hunde, die man nicht im Griff hat, in der Region der Schwarzenbacher Brücke an die Leine gehören. Es gibt auch Bürger und Spaziergänger, die Respekt und Angst haben vor Hunden, resp. deren Halter*innen, welche ihre Vierbeiner nicht im Griff haben.
Interessant auch die Halter, welche ihre Hundesäckli am Waldeingang platzieren, mit dem Vermerk, man nehme sie auf dem Rückweg dann mit. Ich fürchte, in den letzten Tagen haben sich in den Wäldern um Wil einige Hundehalter verlaufen und müssten dringend vermisst werden, denn sie kamen scheinbar nie zurück, da ihre orangen Wegweiser immer noch am Waldrand liegen.

Mäni Rüegg, Kolumnist wil24.ch