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Wirtschaft
05.02.2022

Börsen: Technologie und Meta/Facebook im freien Fall

Christopher Chandiramani stellt in dieser Börsenwoche fest: «Die Zahlen der Unternehmungen wurden zu Gewinnmitnahmen genutzt.» Bild: Linth24
Die Woche begann vielversprechend. Schnäppchenjäger kehrten zurück und profitierten vom tieferen Kurs. Aktien erholten sich bis Wochenmitte, danach wurden schlechte Nachrichten aus den USA zum Spielverderber.

Die Signale der Notenbanken waren eigentlich gut. Thomas Jordan von der SNB erwähnte permanente Preisschwankungen, kein Grund zur Beunruhigung. Christine Lagarde von der EZB rechnet mit einer abnehmenden Teuerung ab Jahresmitte, so dass vorläufig keine höheren Leitzinsen nötig seien.

Optimismus gab es auch bezüglich der Corona-Pandemie. Der Bundesrat lockerte einige Massnahmen ab sofort. Quarantäne und Home Office werden aufgehoben. Auch über ein Ende der Masken- und Zertifikatspflicht soll am 16. Februar entschieden werden.

Paukenschlag der Woche war jedoch der Kursverlust Meta-Aktien (Facebook) von über 20 Prozent an einem einzigen Tag. Dies riss auch die ganze Technologiebörse Nasdaq nach unten. Das Vermögen des Firmengründers Mark Zuckerberg schrumpfte und rund USD 30 Mrd. Auch die Schweizerische Nationalbank, welche Technologie im Aktienportfolio hält, verlor fast CHF 800 Mio.

Unternehmensnachrichten

Die Grossbank UBS verbuchte trotz Rückstellung für einen Steuerprozess in Frankreich den höchsten Gewinn seit 15 Jahren – USD 7.46 Mrd. – eine Dividendenerhöhung auf 0.5 USD pro Aktie wurde angekündigt. Die Börse jubelte – Tagesgewinn 9 Prozent. Angesichts der guten Zahlen hob die UBS ihre Finanzziele kräftig an.

Auch die Privatbank Julius Bär verzeichnete Rekorde, erstmals mehr als eine Milliarde Gewinn (CHF 1.08 Mrd.), ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vom guten Ergebnis werden auch die Aktionäre profitieren. Die Bank will die Dividende kräftig erhöhen und ab März eigene Aktien bis zu CHF 400 Mio. zurückkaufen. Aber dennoch sackten Bär rund 7 Prozent ab – Erwartungen verfehlt.

Swisscom hat trotz anhaltendem Umsatzdruck insgesamt gute Ergebnisse vorgelegt. Dank Sonderfaktoren stieg der Reingewinn im Vergleich zu 2020 um 20 Prozent. Auch der Ausblick ist im Einklang mit der Markterwartung. Die Dividende bleibt mit CHF 22 attraktiv. Überrascht hat der plötzliche Rücktritt von Urs Schaeppi auf den 1. Juni 2022. Nachfolger des obersten Chefs wird Christoph Aeschlimann

Basler Pharma: Aus dem Verkauf der Roche-Aktien resultierte für Novartis ein Gewinn von USD 14.6 Mrd.. Dies sorgte sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr für einen kräftigen Gewinnsprung bei Novartis, total USD 24 Mrd. Dollar.

Im Jahre 2021 stieg der Umsatz von Roche währungsbereinigt um neun Prozent auf CHF 62.8 Mrd. Der Gewinn je Titel kletterte um sechs Prozent auf CHF 19.8 Franken, Gewinn total CHF 15 Mrd. und somit etwas weniger als im Vorjahr. Die Dividende wird Roche um 0.20 auf 9.30 Franken je Titel anheben. Die Aktien beider Gesellschaften notierten schwächer nach Bekanntgabe der Zahlen.

Auch die Aktien des Elektrokonterns ABB tendierten abwärts nach Publikation des Abschlusses 2021. Der Gewinn von ABB sank wegen Sonderfaktoren und Lieferengpässen um 12 Prozent auf USD 4.55 Mrd.

Aussichten

Den Beginn des neuen Börsenjahrs haben sich viele Investoren besser vorgestellt. Es war aber diesmal nicht die Pandemie als Ursache für Gewinnmitnahmen, sondern die Inflationsentwicklung in den USA und Europa, die Zentralbanken und politischen Unsicherheiten, insbesondere die Spannungen in der Ukraine.

Die bis jetzt publizierten Unternehmensergebnisse waren grundsätzlich gut, aber die Unsicherheiten waren dominanter. Zinsniveau und die Gewinnentwicklung inklusive Dividenden werden den weiteren Verlauf der Märkte beeinflussen. Die Wirtschaft erholt sich weiter.

Die olympischen Winterspiele in Peking haben soeben begonnen. Aus analytischer Sicht ist aber China ein Risiko für die Weltwirtschaft. Das Land ist überbevölkert, überaltert, verschuldet, wächst zu stark und legt noch zu wenig Wert auf Umweltschutz und Menschenrechte.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24