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Wirtschaft
12.02.2022
14.02.2022 13:03 Uhr

Aktienbörse: Inflationspanik in den USA

Christopher Chandiramani zu den Aussichten: «Im Jahre 2021 war die Aktienbörse eine Einbahnstrasse nach oben. Nun hat es aber wieder Gegenverkehr.» Bild: Linth24
Zu Wochenbeginn erholten sich die Börsen. Am Mittwoch stieg der SMI gar um 2 Prozent. Ab Donnerstag dominierten nach Publikation der US-Konsumentenpreise Inflationssorgen. Druck auf die Notenbanken nimmt zu.

Eine Inflation in den USA von 7.5 Prozent im Januar schockierte und jagte die Optimisten wieder in die Flucht. Kursgewinne wurden wieder preisgegeben. Der Aufruf des amerikanischen Präsidenten Joe Biden an die US-Bürger, die Ukraine zu verlassen, verstärkte Unsicherheit und Pessimismus.

Bezüglich der Corona-Pandemie beruhigte sich die Situation weiter. Die Erkrankungen der milderen Omikron-Variante werden weniger, so dass zahlreiche Länder – darunter auch die Schweiz – wieder Lockerungen ankündigen. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat überraschend in einem vorläufigen Urteil einer Impfpflicht für medizinisches Personal zugestimmt.

Unternehmensergebnisse

Die sich voll in Staatsbesitz Zürcher Kantonalbank ZKB steigerte ihre Abschlusszahlen für 2021 auf neue Höchstwerte. Der Reingewinn erreichte CHF 942 Mio. Ein grösserer Teil stammt aus der Vermögensverwaltung. Der Kanton und Gemeinden werden sich über eine üppige Dividende freuen.

Im Gegensatz dazu ist die Credit Suisse letztes Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von CHF 1.6 Mrd. CHF. Hauptgründe sind Verluste auf Hedgefonds sowie Wertberichtigungen. Die Bank steht vor einem grösseren Umbau.

Die Zürich-Versicherungsgruppe hat trotz hoher Katastrophenlast, Hurrikanen und Überschwemmungen, mehr verdient. Der Gewinn kletterte im Jahr 2021 um 36 Prozent auf USD 5.2 Mrd. Das ist das beste Ergebnis seit 15 Jahren.

Die auf Kunststoffe spezialisierte Ems-Gruppe hat sich vom Corona-Einbruch im Vorjahr wieder spürbar erholt und einen Gewinnsprung verzeichnet. Der Konzern erreichte einen neuen Rekordabschluss. Der Umsatz stieg um 25.1 Prozent auf CHF 2.25 Mrd. Den grössten Teil davon erzielt das Unternehmen mit Polymeren und als Autozulieferer.

Auffallend war die Kursbewegung der Aktie der Schweizerischen Nationalbank SNB, die wieder gegen das Allzeithöchst von CHF 8'000 tendiert. Zwar gibt es höchstens CHF 15 Dividende pro Aktie und bei einer Rückkaufofferte an die privaten Minderheitsaktionäre lediglich den Nennwert von CHF 250 zurück. Bei Aktiven und einem Buchwert in Millionenhöhe gibt es hier aber immer wieder Spekulanten am Markt, die mehr erwarten als die Spezialgesetzgebung erlaubt.

Aussichten

Im Jahre 2021 war die Aktienbörse eine Einbahnstrasse nach oben. Nun hat es aber wieder Gegenverkehr.

In einer Phase zunehmender Teuerung und steigender Zinsen ist Geld anlegen wieder schwieriger geworden. Indirekte Folgen sind auch in der Schweiz spürbar. Die Sätze für Hypothekarkredite haben ihr höchstes Niveau seit 2018 erreicht, obwohl bei uns die Teuerung nur 1.6 Prozent beträgt.

Ein Teil der Inflation ist hausgemacht. Die Notenbanken waren eine Feuerwehr, die durch die jahrelange Tiefzinspolitik den Brand selbst gelegt hat. Zudem ist eine Bekämpfung der Energie- und Rohstoffpreise mit höheren Leitzinsen fast wirkungslos.

Somit ist zu hoffen, dass diese Inflationsphase vorübergehend ist und sich bald beruhigt, wenn im Sommer die Energiepreise wieder fallen. Dann würde die Aktienbörse wiederum von den Unternehmensgewinnen und Dividenden gesteuert. Kursübertreibungen nach unten wären somit eine Gelegenheit zur Schnäppchenjagd. Voraussetzung ist auch, dass sich die Ukraine-Krise nicht ausweitet.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24