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Wirtschaft
19.02.2022
21.02.2022 16:51 Uhr

Aktienmärkte: Anhaltende Kriegsängste

Christopher Chandiramani zum Einfluss des Ukraine-Konflikts auf die Börsen: «Die Meldungen sind widersprüchlich, die Märkte fahren Achterbahn.» Bild: Linth24
In den letzten Tagen beschäftigten sich die Investoren intensiv mit der Ukrainekrise und zitterten. Noch ist kein Krieg und die Diplomatie zur Abwendung läuft auf Hochtouren, die Unsicherheit ist aber Gift für Börsen.

Alle bemühen sich, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beizulegen. Die Meldungen sind widersprüchlich, die Märkte fahren Achterbahn. Am Montag rechnete man mit einem unmittelbaren Einmarsch der russischen Truppen. Die Börse stürzte ab. Im weiteren Wochenverlauf sprach man von einem Rückzug. Dies führte zu einer Erholung. Später war die Situation wieder unsicher.

Die Teuerungs- und Zinsängste halten an. Die Energiepreise klettern weiter.

Am Donnerstag hat der Bundesrat die Massnahmen gegen Corona stark gelockert. Die Zertifikatspflicht wird in Zukunft fallen gelassen. Masken sind nur noch im öffentlichen Verkehr und den Gesundheitseinrichtungen Pflicht.

Die Unternehmenszahlen wirkten wie Licht und Schatten, führen zu einzelnen Ausreissern in beide Richtungen nach der Publikation. 

Unternehmensmeldungen

Der Umsatz von Nestlé stieg 2021 um 3.3 Prozent auf CHF 87.1 Mrd. Die Marge des zugrunde liegenden Handelsbetriebsgewinns betrug 17.4 Prozent. Der freie Cashflow ging um 15 Prozent auf CHF 8,7 Mrd.  zurück, was auf höhere Investitionen und Lagerbestände zurückzuführen ist. Der Gewinn pro Aktie stieg um 41.1 Prozent auf CHF 6.06, was vor allem auf den Gewinn aus dem Verkauf von L’Oréal-Aktien zurückzuführen ist. Der Verwaltungsrat schlägt eine Dividende von CHF 2.80 pro Aktie vor.

Dank Aufschwung in der Bauindustrie steigerte Sika den Umsatz um 17.5 Prozent auf CHF 9.25 Mrd. Das sei ein neuer Rekordwert. Das heisst auch ein um 27 Prozent höherer Reingewinn von CHF 1.05 Mrd. Die Aktionäre werden davon in Form einer höheren Dividende profitieren, diese wird um 40 Rp. auf CHF 2.90 pro Aktie angehoben.

Der Umsatz 2021 des Maschinenbauers Sulzer zog um 6.3 Prozent auf CHF 3.16 Mrd. an. Der Auftragseingang legte um 3.9 Prozent auf CHF 3.17 Mrd. zu. Der Reingewinn hat sich auf 140.7 Mio. beinahe verdoppelt. Aber die Dividende, welche vor einem Jahr trotz des rückläufigen Gewinns stabil gehalten wurde, wird um 50 Rappen auf CHF 3.50 gesenkt.

Auch die Kantonalbanken arbeiten gut. Die St.Galler KB (+8.4% auf 181.2 Mio.) und die Thurgauer KB (+4.7% auf 145.Mio.) verzeichnen Gewinnsteigerungen trotz Corona.

Der Chemiekonzern Clariant musste seine angesagte Medienkonferenz absagen: Die Bilanzen von 2020 und 2021 seien offenbar kreativ geschönt worden, beinahe Betrugsverdacht, was zu einem Absturz der Aktie von zeitweise 15 Prozent führte.

Aussichten

Belastende Faktoren sind die Energiepreise (Gas und Strom), die Leitzinsen in den USA und auch in der Schweiz sowie die geopolitische Situation, der Ukraine-Konflikt. Die Zinsen dürften aber nicht allzu stark steigen. Es ist kaum anzunehmen, dass ein Kollaps ärmerer Staaten wegen der Zinslast und eine Überschuldung von Grundeigentümern erwünscht sind.

Aufgrund der Lockerung von Corona-Massnahmen ist ein weiterer Aufschwung zu erwarten, vor allem in den Bereichen Events, Gastgewerbe, Tourismus, auch Bergbahnen. Eine Rückkehr der ausländischen Touristen ist zu erwarten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24