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Wirtschaft
04.03.2022
06.03.2022 14:07 Uhr

Börsen: Kriegssituation in der Ukraine verschärft

Zu den wenigen Lichtblicken zählten nach Christopher Chandiramani die guten Unternehmensergebnisse mit Rekordgewinnen und Dividendenerhöhungen. Bild: Linth24
In der zweiten Kriegswoche spitzte sich die Lage in der Ukraine zu. Das setzte auch den Aktienmärkten zu. Der SMI fiel aufs Niveau von Oktober 2021 zurück. Vor allem Finanztitel litten. Wochenverlust: rund 4 Prozent.

Die russischen Truppen sind bis in die Hauptstadt Kiew vorgedrungen, haben Städte im Süden am Schwarzen Meer angegriffen und sogar das grösste Atomkraftwerk Europas in Saporischschja bombardiert, eine von 15 Nuklearanlagen im Lande. Offenbar soll die Stromversorgung lahmgelegt werden.

Russland hat die Zensur verschärft. Soziale Medien wurden eingeschränkt oder ganz abgeschaltet. Wer sich kritisch über den Krieg äussert, riskiert hohe Gefängnisstrafen.

Westliche Länder haben die Sanktionen verschärft, den Zahlungsverkehr nach Russland gestoppt, Vermögen von Oligarchen eingefroren, den Luftraum gesperrt. Die Schweiz hat sich trotz Neutralität diesen Massnahmen weitgehend angeschlossen.

Der Rubel kam massiv unter Druck, die Moskauer Börse wird bis nächsten Dienstag geschlossen.

Immer mehr Unternehmungen verlassen Russland und stellen ihre Geschäftsaktivitäten ein, unter anderem auch Apple, ABB, Airbus, BMW, Daimler, H&M, Ikea, Swatch und andere.

Im Zuge der Verwerfungen gab es auch neue Tiefstkurse beim Euro, schwache Kryptowährungen sowie Preisrekorde bei Öl und Gas. Auch das Preisniveau für Wohneigentum zog bei uns seit Jahresbeginn nochmals stark an.

Unternehmensnachrichten

Bezüglich Anzahl der Publikation von Unternehmensabschlüssen haben wir eine Rekordwoche hinter uns. Firmen wie Autoneum, Bossard, Bucher, Calida, Coltene, Comet, Emmi, Georg Fischer, Kühne & Nagel, Orion, SFS und Zug Estates haben ihre Umsätze und Gewinne teilweise zweistellig erhöht. Zahlreiche Dividendenerhöhungen sind angekündigt.

Hingegen hat die Fluggesellschaft Swiss im zweiten Corona-Jahr 2021 erneut einen hohen Verlust von rund CHF 428 Mio. erlitten. Er fiel damit aber um rund ein Drittel geringer aus als im Vorjahr.

Stark unter Druck kam der Aktienkurs des Zugbauers Stadler Rail in Zusammenhang mit der Ukraine. Die Gesellschaft hat aber gemäss eigenen Angaben momentan keine wichtigen Aufträge pendent, erwartet werden somit keine Zahlungsausfälle. Allerdings behalte man die Situation im Auge.

Mit einem zweistelligen Kurseinbruch reagierte die Börse nach den Zahlen des IT-Dienstleisters SoftwareOne. Das Unternehmen hat zwar die Umsätze gesteigert, aber deutlich weniger verdient. Bei der Margenentwicklung hat die Gesellschaft die Erwartungen nicht erreicht.

Aussichten

Momentan sind die Aktienmärkte in einer kritischen Situation. Es bestehen weiterhin Sorgen bezüglich Ausweitung der Kriegshandlungen. Die angekündigten Leitzinserhöhungen sind nicht vom Tisch, könnten aber in abgeschwächter Form kommen. Lichtblicke sind jedoch die guten Unternehmensergebnisse mit Rekordgewinnen und Dividendenerhöhungen.

Negativ auf beide Seiten könnten auch die Sanktionen wirken. Würde Russland nachhaltig geschwächt, drohen auch Totalverluste bei einigen Beteiligungen des AHV-Fonds und den Pensionskassen. Sogar die Nationalbank müsste ihre russischen Anlagen wohl abschreiben. Einige Industriefirmen könnten einen «Vekselberg-Malus» erhalten. Dieser hält grössere Aktienpakete bis zu 40 Prozent an Sulzer, Medmix, Oerlikon, Swiss Steel und Züblin.

Es gibt jedoch auch zahlreiche Hoffnungen auf eine rasche Beendigung der Kriegs in der Ukraine durch Truppenrückzug, Zugeständnisse und erfolgreiche Kompromissverhandlungen. Putin will aber weitere NATO-Beitritte verhindern. Das Ende des Kriegs nehmen schon einige Aktien wie Lonza, Givaudan, Sika, Swisscom usw. vorweg, welche sich gut gehalten haben oder sogar etwas zulegen konnten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24