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Wirtschaft
19.03.2022

Erholung dank Ukraine-Gesprächen und Leitzinsen

Dank Erholung bei Indexschwergewichten und Zyklikern wurden die Verluste nach dem Kriegsausbruch an der Börse wieder aufgeholt, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
Zinswende in den USA: Der Leitzins der Notenbank FED steigt um 0.25 Prozent. Ebenso hob Grossbritannien die Zinsen an. Dies und Hoffnung auf Diplomatie im Ukraine-Krieg sorgte für eine deutliche Börsen-Erholung.

In der vergangenen Woche war es geopolitisch weiterhin unruhig. China leidet unter einen neuen Corona-Welle, Japan hatte ein starkes Erdbeben bei Fukushima und der Ukraine-Krieg geht weiter, aber mit einigen humanitären Korridoren für Flüchtlinge und Hoffnungen auf eine baldige diplomatische Lösung.

In den USA wurde eine erste Leitzinserhöhung vorgenommen. England hat sich angeschlossen, die EZB wartet noch ab wegen des starken Nord-Südgefälles in Europa. Auch die SNB wartet, weil in der Schweiz noch kein Anlass besteht, von der Wechselkurspolitik abzurücken, und die Teuerung momentan lediglich zwei Prozent beträgt.

Die mutmasslichen russischen Vermögen in der Schweiz könnten bis zu CHF 200 Mrd. betragen. Diese Zahl nennt Schweizerischen Bankiervereinigung. Das betrifft nicht nur Oligarchen, sondern auch andere russische Geschäftsleute und Politiker. Nicht nur Bankverbindungen, auch Kunst, Immobilien, Autos und andere Wertgegenstände sind darin enthalten und könnten von Sanktionen und Vermögenseinfrierungen betroffen sein.

Die Ölpreise haben sich etwas entspannt, ebenso bei den Währungen hat sich der EUR erholt und der USD hat sich aufgrund der Zinserhöhungen sogar gefestigt. Der Bitcoin hat nach einem Taucher die Marke von USD 40'000 wieder erreicht.

Trotz Lockerungen lassen viele Firmen ihre Generalversammlungen weiterhin ohne Publikum durchführen und planen erst im kommenden Jahr, die Teilnahme aller Aktionärinnen und Aktionäre wieder zuzulassen. 

Unternehmensnachrichten

Nach der grossen Börsenkorrektur nach Kriegsausbruch wurden die Verluste in den vergangenen Tagen wieder aufgeholt, dies dank Erholung bei den Indexschwergewichten und Zyklikern. Auch Dividendenabgänge (Roche) wurden sofort wieder aufgeholt. Der SMI hat das Niveau von 12'100 Punkten wieder überschritten.

Die Uhrenbranche läuft wieder besser: Über alle Preissegmente hinweg kletterten die Uhrenexporte im Jahr 2021 auf einen neuen Rekord von CHF 22.3 Mrd. Gegenüber dem ersten Corona-Jahr wuchsen sie um über 30 Prozent. Davon profitierten die Aktien von Richemont und Swatch.

Der Energiekonzern BKW hat 2021 mehr Umsatz erwirtschaftet, aber weniger Gewinn erzielt. Die Verwerfungen an den Energiemärkten blieben im Griff. Für 2022 rechnet die Gesellschaft mit einem höheren Betriebsergebnis. Der Gesamtumsatz stieg 2021 um 15 Prozent auf CHF 3.55 Mrd. Das Betriebsergebnis (EBIT) der Gruppe ging allerdings um 17 Prozent auf CHF 395 Mio. Franken zurück und unter dem Strich blieb ein um 6 Prozent tieferer Reingewinn von CHF 327 Mio.. Die Aktionäre erhalten aber dennoch eine höhere Dividende von CHF 2.60 Franken (Vorjahr 2.40).

Der Baukonzern Implenia erhält hat einen Auftrag über EUR 181 Mio. aus Düsseldorf. Der Konzern errichtet dort einer Nachhaltigkeits- und Innovationscampus des Europäischen Energieforums in Deutschland.

Auch dem Biochemie-Unternehmen Bachem ist das letzte Jahr geglückt. Umsatz und Gewinn stiegen 2021 kräftig. Die Gesellschaft setzte CHF 503 Mio. Franken um – 25 Prozent mehr als 2020. Der EBIT kletterte entsprechend um 33 Prozent auf CHF 129 Mio. Als Reingewinn verdiente das Unternehmen CHF 114.7 Mio. Franken (+47 Prozent). Pro Aktie sollen CHF 3.50 CHF ausgeschüttet werden nach 3.25 im Vorjahr.

Auch der Matterhornbahn BVZ gelingt trotz erneuter Corona-Belastungen Rückkehr in die Gewinnzone. Der Ertrag der BVZ kletterte im Jahr 2021 um 12 Prozent auf CHF 143 Mio.

Aussichten

Die Aussichten werden weiterhin vom Krieg beeinflusst, Aussagen bleiben schwierig. Namhafte Prognostiker rechnen mit einer Abschwächung der Weltwirtschaft. Verzögerungen bei den Lieferketten halten an, ebenso Rohstoffverknappung und Inflation. Ein Risiko sind auch die Sanktionen gegen Russland, gänzliche Boykotte und mögliche Liefersperren (Öl, Gas, Getreide). Bei den Zinserhöhungen war dies erst der Anfang. Die Corona-Wellen haben jedoch die Weltwirtschaft robuster gemacht. Die Unternehmensgewinne (und Dividenden) steigen noch weiter. Der Krieg in der Ukraine wird die Energiepolitik mancher Staaten verändern.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24