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Bildung
29.04.2022

China hat ein zwiespältiges Gesicht

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher verfolgten mit grossem Interesse die Ausführungen des Referenten. Bild: Ernst Inauen
Beim Bildungsanlass des regionalen Forums „Die Mitte 60plus“ im Hof zu Wil befasste sich der Wiler Referent Felix Aepli ausführlich mit dem aktuellen Thema „China als Herausforderung – auch für die Schweiz“.
Die Bildungs- und Vortragsanlässe des Forums finden jeweils im Hof zu Wil statt Bild: Ernst Inauen

Das regionale Forum „Die Mitte 60+“ (früher CVP60plus) organisiert regelmässig spannende Vorträge und spezielle Anlässe, welche vor allem auf die Interessen und Fähigkeiten der Altersgruppe im Pensionsalter abgestimmt sind. Sie sind jedoch für alle Personen offen, ungeachtet der Parteizugehörigkeit. Im Namen des Forums begrüsste Erwin Schweizer den 62-jährigen Referenten Felix Aepli, Managing Partner / CEO von Knowhow Transfer Org, und stellte ihn kurz vor. Der frühere Verwalter des Spitals Wil arbeitete in Führungspositionen für verschiedene Schweizer Firmen in China, unter anderem für Geberit. Er lebte während insgesamt 20 Jahren in verschiedenen asiatischen Regionen, unter anderem auch in Hong Kong und Shanghai und lernte dabei die Kultur und die politischen Verhältnisse kennen. Felix Aepli gründete 2014 die Firma Knowhow Transfer Org  zur Unterstützung europäischer KMU’s in Asien und asiatischer KMU’s in Europa. Noch immer beobachtet er mit grossem Interesse das politische und gesellschaftliche Geschehen im bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Mit seinem Referat vermittelte Felix Aepli seine umfassenden Kenntnisse über China und den asiatischen Raum. Bild: Ernst Inauen

Zurück in die ursprüngliche Bedeutung

Aufgrund seiner profunden Kenntnisse konnte Felix Aepli authentisch über die heutige Situation in China berichten. „Bei diesem Thema lohnt es sich, in die Tiefe zu gehen und in eine andere Welt einzutauchen, um dadurch die einseitigen Berichte in den westlichen Medien besser beurteilen zu können“. Dabei seien die Meinungen vielmals negativ und ergäben ein falsches Bild. Der Referent schilderte die aktuelle Lage in Hong Kong, Macau und Taiwan, die der Übernahme durch die Volksrepublik China kritisch gegenüberstehen und Grossdemonstrationen auslösen. Er blickte zurück auf die Jahrtausende alte Geschichte, in welche der Westen erst durch die Reise von Marco Polo im 13. Jahrhundert einen Einblick bekam. Die wechselvolle Geschichte mit kriegerischen Auseinandersetzungen und der japanischen Besetzung im 2. Weltkrieg führte 1949 zur Proklamation der kommunistischen Volksrepublik China durch Mao Zedong. Seit 2013 ist Xi Jin Ping an der Macht. Taiwan erhielt 1886 den Status einer chinesischen Provinz, bevor 1949 nach einem Bürgerkrieg General Chiang Kai-Shek mit 2 Millionen Mitstreitern auf die Insel umzog. China und Taiwan bezeichnen sich beide als zu einem chinesischen Staat zugehörend. China sieht jedoch Taiwan als abtrünnige Provinz. Taiwan ist ein wirtschaftliches Powerhaus und selbst einer der grössten Investoren in China. In persönlicher Einschätzung glaubt Aepli, dass eine Rückführung in den nächsten fünf bis zehn Jahren geschehen wird.

Hong Kong befürchtet Demokratieverlust

Auch die Geschichte Hong Kong’s entwickelte sich nach der Besetzung durch England, zwei Opiumkriegen und der japanischen Besetzung sehr wechselvoll und wurde 1997 an die VR China zurückgeführt. In den letzten Jahren nahmen riesige Massendemos mit teilweisen Gewalttätigkeiten zu, was zu harten politischen Massnahmen führte. Diese massiven Demonstrationen und gewalttätigen Szenen im letzten Sommer und die chinesischen Verschärfungen führen zur Frage: Steht Hong Kong am Abgrund? Jedenfalls nimmt China immer grösseren Einfluss auf Hong Kong, das von der Vergangenheit wieder eingeholt wird. Während China’s Städte zunehmend Fortschritte machen, verliert Hong Kong seine bisher einzigartige Stellung. Persönlich ist Felix Aepli der Meinung, dass Hong Kong ein Teil von China ist und China eine Wiedereingliederung als überfällig betrachtet. Die Gründe für den Aufruhr seien nachvollziehbar. Die meisten Einwohner von Hong Kong würden das Regime der Kommunistischen Partei von China fürchten und den Verlust demokratischer Rechte.

Unaufhaltsamer Aufstieg zur Weltmacht Nr. 1

„China entwickelt sich bis 2050 zur absolut grössten Wirtschaftsmacht, gefolgt von USA und Indien“, zitiert Aepli eine Prognose von Goldman Sachs. Gemäss dem 14. Fünfjahresplan soll China bis 2060 CO2-neutral sein und die grossen Ziele beim Wachstum aus eigener Kraft erreicht werden“, informierte der Referent. Auch die Armutsbekämpfung mache grosse Fortschritte. Die Schweiz und die Volksrepublik China haben 2013 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, das erste eines europäischen Staates. „Die Aufregung in der Schweiz wegen der zahlreichen Übernahmen von Unternehmen ist aus meiner Sicht unberechtigt oder zumindest übertrieben. Niemand findet eine Übernahme durch ein deutsches Unternehmen stossend, oder kritisiert, wenn Schweizer Investoren im Ausland eine Firma kaufen“, gab Aepli zu bedenken. Es sei ein Fakt, dass asiatische Unternehmen auf dem hiesigen Markt auftreten. Daher müsse sich eine Standortförderung für diese Entwicklung interessieren. „Die restlichen Hotspots in und um China werden uns in den nächsten 10 Jahren in Atem halten. Wir werden ein Japan sehen, dass sich wieder massiv aufrüstet“, sieht der Referent die Zukunft.

Im Namen des regionalen Forums Die Mitte60+ dankte Erwin Schweizer dem prominenten Referenten. Bild: Ernst Inauen
Felix Aepli konnte die rege benutzten Fragen kompetent beantworten und auch Bekannte begrüssen. Bild: Ernst Inauen
Erwin Schweizer und Fredy Ruegg diskutierten über den spannenden Vortrag. Bild: Ernst Inauen
Das auch rhetorisch überzeugende Referat gab Anlass zu reger Diskussion beim Apéro. Bild: Ernst Inauen
Ernst Inauen