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Stadt Wil SG
25.05.2022
16.06.2022 07:55 Uhr

Fidel von Thurn – ein Wiler machte steile Karriere

Die Bischofsburg auf dem Nieselberg wurde im 18. Jahrhundert von einer einflussreichen Familie errichtet. Hier lebte Fidel von Thurn. Bild: aze.
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten eine ganze Reihe von aussergewöhnlichen Frauen und Männern in Wil. wil24.ch zeichnet diesen Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Den Anfang macht: Fidel von Thurn – ein Wiler machte steile Karriere.

von Adrian Zeller, Journalist

Am Wiler Nieselberg steht eine stattliche Liegenschaft. Die sogenannte Bischofsburg wurde im 18. Jahrhundert von einer einflussreichen Familie errichtet. Ein Mitglied war eine einflussreiche Persönlichkeit im St. Galler Klosterstaat.

Wie Historiker annehmen hat die Familie von Thurn ihre Wurzeln in Italien und hiess ursprünglich Tuarino. Ihr Nachname wurde auf Thurn eingedeutscht. Sie wanderte sie via Konstanz in die Schweiz ein und liess sich 1603 in Wil nieder. Die von Thurns wurden um 1613 in Wil eingebürgert.

Vater Ludwig von Thurn kam als Apotheker und Tuchhändler zu einigem Vermögen. Er erwarb unter anderem Grundbesitz auf den Wiler Neulanden am Nieselberg. Dort errichtete er ein Herrenhaus, das als Bischofsburg bezeichnet wird; es steht unter Denkmalschutz. Ursprünglich war es durch einen Gutsbetrieb ergänzt. Späterer Eigentümer war Ludwigs Sohn Fidel.

Hoher Beamter und Diplomat

Der 1629 geborene Fidelis erhielt seine Bildung an der Klosterschule Rorschach sowie an verschiedenen Universitäten. Sein beruflicher Aufstieg startete als Kanzleibeamter in Wil. 1646 heiratete er Margaretha Wirz von Rudenz. Ein Jahr später wurde er zum Rat des St. Galler Fürstabtes ernannt. Er nahm häufig als Abgeordneter seines Dienstherrn an den eidgenössischen Tagsatzungen teil. Er leitete ab 1658 unter mehreren Äbten die Politik des Klosters St. Gallen und wirkte als oberster Landesverwalter der Fürstabtei.

Von Thurn hatte eine Reihe von weiteren Ämtern inne, so war er unter anderem Hofammann von Wil, Obervogt von Rorschach sowie auch oberösterreichischer Geheimrat. Er trug den Ehrentitel Erbmarschall sowie den vom Fürstabt verliehenen Adelstitel Valsassina.  

Zudem betätigte der sich, gegen grosszügiges Entgelt, als Anwerber von Soldaten für fremde Herrscher.  

Beigesetzt in Rorschach

1676 erwarb von Thurn das Schloss Wartegg bei Staad sowie die Gerichtsherrschaft und das Schloss in Berg TG.

Der hohe Beamte verstarb 1719 betagt in Lindau, er wurde in Rorschach beigesetzt, wo er sich noch zu Lebzeiten ein Grabmal errichten liess. Fidel von Thurn galt als geschickter Taktierer, der dabei auch sehr eigennützige Ziele verfolgte. Zu Lebzeiten häufte er ein grosses Vermögen an. 

 

Adrian Zeller, Journalist / wil24.ch