Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
11.06.2022

Aktienmärkte: Schaden durch Leitzinserhöhungen

Christopher Chandiramani: «Mit Erhöhungen der Leitzinsen allein lassen sich Preiserhöhungen bei Energie und Rohstoffe sowie Lieferengpässe nicht bekämpfen.»
Die verkürzte Pfingstwoche begann zunächst ohne erkennbaren Trend. Am Donnertag verursachte der Entscheid der Europäischen Zentralbank EZB, ab Juli die Leitzinsen um 0.25 Prozent zu erhöhen, einen Ausverkauf bei den Aktien.

Nach elf Jahren Tiefzinspolitik kündigt die EZB ab Juli eine schrittweise Anhebung der Leitzinsen an. Das setzt auch unsere Nationalbank SNB unter Druck. Das Thema „Krieg“ ist durch die Zinserhöhungen an den Märkten in den Hintergrund gerückt.
Die Inflationsrate in den USA ist im Mai auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren geklettert. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8.6 Prozent.
Am 12. und 19. Juni 2022 wählt Frankreich die 577 Mitglieder der Nationalversammlung. Die Partei des Präsidenten Emmanuel Macrons Partei bleibt zwar Favoritin, aber das neue Linksbündnis und die rechten Parteien könnten für eine Zitterpartie sorgen.
Das EU-Parlament hat beschlossen, Benzin- und Dieselmotoren ab 2035 zu verbieten. Vieles ist unklar, ob auch Lastwagen und Baumaschinen gemeint sind. Alternativen fehlen noch. Was dagegen spricht sind auch mögliche zukünftige Lücken in der Stromversorgung, dies nach definitiv erklärten AKW-Abschaltungen.
Die Europäische Union führt Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte ein, gibt somit grünes Licht für verbindliche Geschlechterquoten in Führungspositionen der börsennotierten Gesellschaften.
Zwei Omikron-Untervarianten sorgen für einen Wiederanstieg der Corona-Fallzahlen. Die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 sind in Europa angekommen. Die Gesundheitsbehörden schlagen Alarm.
Ölpreise und Währungen waren in der Berichtwoche nur geringfügig verändert, aber Kryptos waren wieder schwächer.

Unternehmensmeldungen

In der Berichtswoche waren allem Zins- und Inflationsängste sowie die Lieferkettenengpässe und die angekündigten Leitzinserhöhungen ein „giftiger Cocktail“ für die Aktienmärkte, alles auch verbunden mit gedämpften Wachstumserwartungen für Wirtschaft und Unternehmensgewinne. In der Schweiz verlor der SMI über 4 Prozent. Betroffen waren fast alle Sektoren, insbesondere auch die Technologiewerte, der Bereich Medtech und die Finanzen.
Die Grossbank Credit Suisse gab bekannt, dass sie auch im 2. Quartal 2022 Verluste schreiben werde. Der Aktienkurs brach ein, erholte sich jedoch nach Übernahmegerüchten. Der US-Finanzdienstleister State Street widersprach den Fusionsspekulationen.
Die Swisscom hat einen Rechtsstreit betreffend Sportrechte verloren. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt eine von der Wettbewerbskommission (Weko) verhängte Busse in der Höhe von CHF 71.8 Mio.
Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Swiss gab die Streichung von diversen Destinationen wegen Personalmangels bekannt. Während Corona hatten viele Mitarbeitende gekündigt. Die Airline hat jedoch dem Bund den Corona-Milliarden-Hilfskredit zurückbezahlt. Beansprucht hatte die Gesellschaft rund die Hälfte von CHF 1.5 Mrd. und hat für das bezogene Geld zudem CHF 60 Mio. Franken an Zinsen bezahlt.

Aussichten

Mit Erhöhungen der Leitzinsen allein lassen sich Preiserhöhungen bei Energie und Rohstoffe sowie Lieferengpässe nicht bekämpfen. Dies sind politische und keine wirtschaftlichen Probleme. Unter höheren Zinsen leiden vor allem schwächere Schuldner, Entwicklungsländer und auch die Pensionskassen durch Schrumpfung des Vorsorgekapitals. Mit einem Platzen der Immobilienblase ist vorerst aber nicht zu rechnen, solange die Zuwanderung anhält. Höchstens im obersten Preissegment sind Preiskorrekturen möglich. Für Aktien und Anleihen bleibt das Umfeld vorerst ungünstig.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24