Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt Wil SG
16.06.2022

Anna Sutter – Bühnenkünstlerin mit tragischem Ende

Bühnenstar aus Wil: Anna Sutter. Bild: wilnet.ch
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten ganze Reihe aussergewöhnlicher Frauen und Männer in Wil. wil24.ch zeichnet diesen Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Die vierte Person ist Anna Sutter - tragisch endende Bühnenkünstlerin.

von Adrian Zeller, Journalist

Am 29. Juni 1910 endete das junge Leben eines gefeierten Publikumslieblings mit Wiler Wurzeln. Das dramatische Schicksal des Bühnenstars zieht die Menschen bis heute in seinen Bann, es bietet immer wieder Inspiration für künstlerische Produktionen.   

Die 1871 in Wil geborene Anna Suter galt als Ausnahmetalent. Ihre Mutter erkannte schon früh die überdurchschnittlichen musikalischen Fähigkeiten, sie sorgte dafür, dass ihre Tochter Klavier und Gesang studierte. Ab 1893 hatte sie eine feste Anstellung am Stuttgarter Hoftheater. Ab dann legte sie sich auf Wunsch ihres Chefs einen Künstlernamen zu: aus Anna Suter wurde Anna Sutter, das zweite t galt als besonders chic.

Das Publikum verehrte das «Sutterle», die Sängerin aus der Äbtestadt. Sie wurde etwa als «geniale Soubrette» betitelt; Soubretten zeichnen sich durch ihr komödiantisches Talent sowie durch ihre verspielte Stimme aus. Sie sang auf der Bühne unter anderem die Carmen von Georges Bizet sowie die Salome von Richard Strauss.

Hartnäckiger Verehrer

Die Wesensart von Anna Sutter wird als natürlich und liebenswürdig beschrieben. Sie war allerdings auch leichtlebig und gab mehr Geld aus als sie einnahm. Für ihre Zeit galt sie als Frau ungewöhnlich emanzipiert, unabhängig  und selbstbewusst.

Sie hatte wechselnde Liebhaber, von zweien bekam sie eine Tochter, respektive einen Sohn. Unter anderem hatte sie eine Affäre mit dem königlich württembergischen Hofkapellmeister Aloys Obrist. Heute würde er als Stalker gelten, als ehemaliger Liebhaber, der seiner Ex-Partnerin aufdringlich nachstellt.

Nachdem sie die Liaison mit ihm beendet hatte, und er vergeblich eine Fortsetzung forderte, erschoss er sie und sich selber mit insgesamt sieben Schüssen. Der damals aktuelle Liebhaber von Anna Sutter soll angeblich die Bluttat im Kleiderschrank versteckt miterlebt haben. 

Rosen auf dem Grab

Dies alles geschah im Jahr 1910. Ihr Tod bewegte das Publikum sehr. Ihr Leben und ihr gewaltsames Ende ergaben Stoff für Bücher, für Ausstellungen und für Bühnenstücke, beispielweise wurde ihr Schicksal im Theater St. Gallen gespielt.

Jahrelang legte ein unbekannter Verehrer Rosen auf ihr Grab. Ein Jugendstil-Brunnen in Stuttgart erinnert bis heute an den gefeierten Bühnenstar aus Wil.   

Adrian Zeller, Journalist / wil24.ch