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Stadt Wil SG
27.06.2022

Pankraz Vorster – gescheiterter Klosterretter

Bild: wilnet
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten ganze Reihe aussergewöhnlicher Frauen und Männer in Wil. wil24.ch zeichnet diesen Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Die fünfte Person ist Pankraz Vorster - gescheiteter Klosterretter.

von Adrian Zeller, Journalist

Der Wiler Pankraz Vorster ist eine Schlüsselperson in der Entwicklung des heutigen Kantons St. Gallen. Der letzte Fürstabt des Klosters St. Gallen leistete energischen Widerstand gegen die Auflösung des Klosterstaates.  

Die Mutter von Pankraz Vorster war die französische Gräfin Anna Maria Rosa Berni. Sein Vater Joseph Zacharias Vorster, Bürger von Wil, stand als Hauptmann in königlich neapolitanischen Diensten. Vorster junior kam im Jahr 1753 in Neapel zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er bei seinem geistlichen Onkel in Wittenbach sowie in Grub SG. Seine Schulung und Erziehung erhielt er im Kloster St. Gallen.

In dieses Kloster trat er schliesslich als Novize ein; 1777 erhielt er seine Weihe als Priester. Ab 1780 wurde an der Stiftsschule Professor für Philosophie, Physik und Mathematik, später für Theologie.

Als Anführer einer Gruppe von oppositionellen Mönchen, die mit der selbstherrlichen Amtsführung von Fürstabt Beda Angehrn nicht einverstanden waren, wurde er nach Ebringen in der Nähe von Freiburg im Breisgau strafversetzt. 

1796 versöhnten sich Angehrn und Vorster, letzter wurde zum neuen Fürstabt gewählt. Die Bevölkerung war wenig erfreut über seine Wahl. In dieser Zeit kursierten die Ideen der französischen Revolution in Europa. Die bisherige hierarchische Gesellschaftsordnung geriet ins Wanken. Es kam in der Folge auch in der Ostschweiz zu Unruhen. Als Vorsichtsmassnahme liess Vorster den Kirchenschatz und wichtige Dokumente des Klosters in ein Versteck bringen. Zu seiner Sicherheit zog er mit seinen Räten von St. Gallen in die fürstäbtische Residenz in den Hof zu Wil um.

Vergebliche Rettungsbemühungen

Es gelang Vorster nicht, die Unruhen zu befrieden. Schliesslich rettete er sich nach Wien.

Napoleons Heer drang in die Schweiz ein und zwang dem Land eine neue politische Ordnung auf. 1799 drängten österreichische Truppen die französische Besatzungsarmee in der Ostschweiz retour. In der Folge kehrte Vorster ins Kloster St. Gallen zurück und machte sich daran, seine vormalige Herrschaft wieder herzustellen.

Vier Monate später gewannen die französischen Revolutionstruppen die Oberhand. Vorster musste wiederum fliehen.

Der ehemalige fürstäbtische Beamte Karl Müller-Friedberg gründete zielstrebig den Kanton St. Gallen. Er wurde dabei von den Franzosen unterstützt. 1805 beschloss der Grosse Rat des neuen Kantons die endgültige Aufhebung des Klosters. Vorster wurde eine grosszügige Pension zugesprochen.

Er bemühte sich während Jahren erfolglos um die Wiedereinrichtung der ehemaligen Herrschaftsverhältnisse. Von 1819 bis zu seinem Tod lebte der Abt ohne eigenes Kloster verbittert im Kloster Muri. Dort starb er 1829.  

Adrian Zeller, Journalist