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Kultur
06.07.2022

Mathilde von Bronschhofen - die Asketin

Dreibrunnen historisch. Bild: wilnet.ch
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten ganze Reihe aussergewöhnlicher Frauen und Männer in Wil. wil24.ch zeichnet diesen Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Die sechste Person ist Mathilde von Bronschhofen - die Asketin.

von Adrian Zeller, Journalist

Eine Sage erzählt von einer Frau, die im Mittelalter in einer Klause bei der Kirche von Maria Dreibrunnen gelebt haben soll. Mathilde fühlte sich gemäss der Legende immer wieder vom Lärm von wilden Gelagen auf der Burg Rächberg in ihrer Andacht gestört. Die Wehrbaute soll einst auf einer Anhöhe oberhalb des Rebbergs von Bronschhofen gestanden haben. Heute wird jene Stelle als Burgstall bezeichnet.

In Mittelalter liessen sich verschiedene Frauen und Männer in engen Zellen unmittelbar neben der Kirche einmauern. Auf diese Art wollten sie leichter den Versuchungen der Welt widerstehen können und so religiöse Vollkommenheit erlangen. Besonders bekannt ist die Heilige Wiborada. Sie lebte in einer Zelle bei der Kirche St. Mangen in St. Gallen. Bei einem Ungarneinfall wurde sie 926 getötet. Im vergangenen Jahr wurde die Tradition dieser Inklusen in St. Gallen bei der Kirche St. Mangen wieder aufgenommen. Zehn Frauen und Männer liessen sich nacheinander in einer Klause einschliessen.

Empfang von Ratsuchenden

Die ursprünglichen Klausen verfügten über lediglich zwei Öffnungen, die eine erlaubte einen Blick in den Kirchenraum. Auf diese Weise konnte die eingeschlossen Person der Messe beiwohnen, die Kommunion empfangen und beichten. Die zweite Öffnung diente der Zufuhr von Licht, Luft und Nahrung. Sie ermöglichte auch die Kommunikation mit Ratsuchenden. Inklusen hatten ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Auch die Heilige Idda von Toggenburg soll zeitweise als Inklusin gelebt haben.

Kirchenbau als Sühne

Über die Entstehung der Wallfahrtskirche Maria Dreibrunnen ist wenig bekannt. Urkundlich erwähnt wurde das Gotteshaus erstmals um 1275. Wahrscheinlich wurde sie auf Veranlassung der Grafen von Toggenburg errichtet. Anlass für seine Gründung dürfte eventuell ein Auftragsmord gewesen sein, der gesühnt werden sollte: Diethelm II. aus dem Hause Toggenburg liess am 12. Dezember 1226 seinen Bruder Friedrich I. beseitigen.

Der Name Dreibrunnen geht auf drei Quellen zurück, die in jener Region entspringen. Ursprünglich war das Gebiet sehr wasserreich. Später wurde es drainiert. Sagen deuten darauf hin, dass die Region ursprünglich als vorchristlicher Kultort genutzt wurde.

Im Jahr 1938 hat die Kirchgemeinde Wil die Anlage käuflich erworben. Zuvor waren die Besitzverhältnisse wechselnd. Seit 1964 steht das Gebäude unter Bundesschutz.                                                                                                                    

Maria Dreibrunnen, Bronschhofen. Bild: Adrian Zeller
Adrian Zeller, Journalist wil24.ch