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Wirtschaft
06.08.2022
09.08.2022 12:02 Uhr

Aktienmärkte: Konflikt China-Taiwan lebt neu auf

Bild: zVg.
Der Besuch der amerikanischen Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi, hat die Chinesen verärgert und alte Wunden im Konflikt zwischen China und Taiwan wieder aufgerissen. Die Börsen reagierten aber bis am Freitag mit Ausschlägen in engen Bandbreiten. Später missfielen den Anlegern die US-Arbeitsmarktdaten.

Der Konflikt zwischen China und Taiwan dauert schon Jahrzehnte. Diesmal reagierten die Chinesen sehr heftig mit Militärmanövern, Kriegsdrohungen und Boykotten. Taiwan ist ein wichtiger Hersteller von Chips und anderen elektronischen Bauteilen, wichtig für den Welthandel.

Die US-Wirtschaft hat im Juli deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Ausserhalb der Landwirtschaft sind 528‘000 Stellen hinzugekommen, erwartet wurden 250‘000. Dies wirkt wiederum zinstreibend und ergab am Freitag neuen Druck auf die Aktienmärkte.

Im Juli stiegen die Konsumentenpreise in der Schweiz im Jahresvergleich um 3.4 Prozent und sind gegenüber dem Vormonat unverändert. Treiber sind weiterhin die hohen Energiepreise. Im Vergleich zu anderen Ländern steht die Schweiz gut da (USA/Europa fast 9% Teuerung). Infolge eines Buchverlustes der Nationalbank im ersten Halbjahr von CHF 95 Mrd. könnten die Sonderausschüttungen an Bund und Kantone gekürzt werden.

In der Schweiz sinkt das KOF Konjunkturbarometer im Juli den dritten Monat in Folge. Nach einem moderaten Rückgang im Vormonat beschleunigt sich der Rückgang wieder. Die Aussichten bleiben durchzogen.

Die Schweiz übernimmt die neusten EU-Sanktionen und verbietet Importe und Handel von Gold mit Russland.

Die Bank von England hebt den Leitzins um 0.5 auf 1.75 Prozent an. Es ist der grösste Zinssprung seit 27 Jahren im Kampf gegen die Inflation.

Dynamischer deutscher Aussenhandel – im Juni 2022 wurden Waren im Wert von EUR 136 Mrd. ausgeführt; damit ist der Wert der Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 14.6 Prozent gestiegen. Die Einfuhren beliefen sich auf rund EUR 128.3 Mrd., ein Plus von 24.9 Prozent.

Die Ölpreise sind wieder tiefer als in der Vorwoche, Gas bleibt teuer, das heisst weiterhin Versorgungsängste.

Unternehmenszahlen

Die Schweizer Börse eröffnete den Handel nach der 1. Augustfeier erst am Dienstag. An die Erholung vom Juli konnte sich der Markt nur teilweise anschliessen. Bevorzugt wurden der Finanzwerte- und der Technologiebereich. Die Indexschwergewichte entwickelten sich eher unterdurchschnittlich.

Die Fluggesellschaft Swiss setzte im ersten Semester 2022 ihre Erholung von den Corona-Einbrüchen fort. Der Betriebsgewinn betrug CHF 67.0 Mio., nach einem Verlust von 398.2 Mio. im Vorjahr. Im letzten Quartal verzeichnete die Swiss noch einen Betriebsverlust von 47.4 Mio. Swiss und Muttergesellschaft Lufthansa wollen die Personalengpässe beheben, teilweise einigte man sich auch auf Lohnerhöhungen.

Der Telekommunikationskonzern Swisscom hat im 1. Halbjahr 2022 einen um 25 Prozent tieferen Gewinn verzeichnet, dies wegen einer Busse der Wettbewerbskommission und der Euroschwäche (italienische Tochtergesellschaft Fastweb). Der Aktienkurs konnte sich über CHF 500 halten dank hoher Dividendenrendite.

USD Mrd.12.1 und fast zehn Mal mehr als vor einem Jahr weist Glencore als Halbjahresgewinn aus. Zurückzuführen ist dieser Gewinnanstieg auf die zurzeit hohen Rohstoffpreise.

Der Halbjahresumsatz von Orell Füssli (Sicherheitsdruck, Buchhandel) lag bei CHF 97.6 Mio. und war damit im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg aber um 16 Prozent auf 7.7 Mio. mit einer Marge von 7.6 Prozent. Der Gewinn lag um knapp 18 Prozent höher bei 6.7 Mio. 

Aussichten

Die geopolitische Lage ist weiterhin sehr angespannt. Kaum rückt der Ukrainekrieg als Hauptthema in den Hintergrund, flammt ein alter Konflikt zwischen China und Taiwan wieder auf. Beängstigend – China droht mit militärischen Interventionen. Auch die Zins und Rezessionsrisiken bleiben. Problematisch ist, dass Energie (Gas) momentan als Waffe benützt wird. Das Leitzinskarussell könnte sich noch weiter drehen. Der Aktienhandel findet ferienbedingt bei reduzierten Volumen statt. Die Investoren konzentrieren sich momentan besonders auf die Halbjahresergebnisse.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24