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Kultur
12.08.2022
18.08.2022 14:01 Uhr

Karl Glauner – Maler zur Ehre Gottes

Selbstportrait und Ansicht der Wiler Altstadt von Karl Glauner. Bild: wilnet.ch
In über 800 Jahren Stadtgeschichte lebten ganze Reihe aussergewöhnlicher Frauen und Männer in Wil. wil24.ch zeichnet in diesem Sommer Biografien von zwölf Wiler Persönlichkeiten nach. Die elfte Person ist Karl Glauner – Maler zur Ehre Gottes.

von Adrian Zeller, Journalist

Der Wiler Kunstmaler Karl Glauner hat ein schöpferisches Werk von rund 4000 Zeichnungen und Bildern hinterlassen. Das Religiöse sei immer im Zentrum seines Schaffens gestanden, erklärte er seine künstlerische Motivation. 

Im 19. Jahrhundert war Wil ein Zentrum des Altarbaus. Karl Glauner kam 1902 als Sohn eines Altarbauers an der Oberen Bahnhofstrasse zur Welt. Schon im Primarschulalter zeigte sich sein  ausgeprägtes zeichnerisches Talent.

Nach der Mittelschulausbildung im Kollegium Schwyz studierte Glauner an der ETH Zürich Architektur. Während seiner Ausbildung wurde er sich seiner Berufung als Kunstmaler bewusst. Er führte sein Studium an der ETH nicht zu Ende.

1925 verbrachte einige Monate in Paris, wo er im Louvre und in anderen Museen die Werke der grossen Meister studierte.1927 reiste er mit dem gleichen Ziel nach München. Auch in Wien, Salzburg sowie in italienischen Städten verbrachte er einige Zeit, um sich dort an den Werke der grossen Meister autodidaktisch zu schulen.

Liebe zum Wallis

1934 eröffnete Glauner an der Wiler Kirchgasse sein erstes Atelier. Da verschiedene Verwandte ihn in ihren Testamenten berücksichtigten, konnte er sich zeitlebens ganz der Kunst widmen. Rund 4000 Bilder, Skizzen und Zeichnungen hat er insgesamt geschaffen. Er malte bis ins hohe Alter.

Die Altstadt als Malsujet hat ihn immer wieder gereizt. Rund hundert Ansichten hat er vom historischen Stadtkern von Wil geschaffen.   

Rund zweihundert Zeichnungen und Bilder zeigen Menschen, Landschaften sowie Kirchen und Dörfer im Wallis. Diesem Kanton fühlte sich Glauner sehr verbunden, von 1938 bis 1982 reiste er immer wieder dorthin.

Kulturpreis erhalten

1993 ermöglichte ihm ein befreundeter Galerist in Naters eine grosse Ausstellung. Ein Jahr zuvor hatte dem damals 90-Jährigen seine Heimatstadt Wil einen Kulturpreis verliehen.

Karl Glauner galt als bescheidener Mann, der zurückgezogenen lebte. «Ich habe immer zur Ehre Gottes gemalt», sagte er einmal.

Im Frühjahr 2000 verstarb Glauner.

Um seinen künstlerischen Nachlass kümmert sich eine Stiftung sowie die Ortsgemeinde Wil.   

Adrian Zeller, Journalist