Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
27.08.2022
28.08.2022 09:00 Uhr

Die Aktienmärkte sind auf der Schaukel

Bild: zVg.
Der Wochenbeginn war infolge wiederaufkeimenden Zinsängste schwächer. Überraschend gute Arbeitsmarktdaten sowie ein Strauss von besseren Halbjahreszahlen führten jedoch zu einer Erholung ab Wochenmitte, gefolgt von einem regelrechten Absturz am Freitag. Die Energiepreise bleiben hoch, der Euro schwach mit neuen Tiefstwerten.

Vor dem Notenbanker-Treffen am Wochenende in Jackson Hole (Wyoming/USA) waren die Anleger vorsichtig. Es werden weitere Zinserhöhungen erwartet. Mit 8.5 Prozent Juli ist die US-Inflation zu hoch. Geopolitische Konflikte - eine neue Gruppe US-Parlamentarier hat Taiwan besucht, die USA und Südkorea halten Militärmanöver ab, die Tochter eines Vertrauten von Präsident Putin, Darja Alexandrowna Dugina, wurde in Moskau bei einem Autobomben-Attentat getötet.

Der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers Index PMI) der US-Industrie war im Juli zwar rückläufig, aber der wichtige Frühindikator hält sich über 50 Punkten. Trotzdem steigen die Rezessionsrisiken.
China stockt staatliche Konjunkturhilfen auf und senkt die Leitzinsen.
Die Rohölpreise haben sich im Juli entspannt sind aber letzte Woche wieder leicht angestiegen (auf rund USD 100 Pro Fass Nordseeöl).

Unternehmensmeldungen

Zins-, Konjunktur, Inflationssorgen und Energieknappheit bleiben weiterhin Themen. Einige gute Halbjahreszahlen sorgten zeitweise für Gegenbewegungen.
Wie Raiffeisen-Gruppe (drittgrösste Bank) mitteilte, stieg der Reingewinn um gut 10 Prozent auf 556 Millionen Franken. Gut lief vor allem das Hypothekargeschäft. Die Zürcher Kantonalbank hat ebenfalls ein gutes erstes Halbjahr 2022 hinter sich. Sie hat den Gewinn um 11 Prozent auf einen Rekordwert von CHF 541 Mio. gesteigert. Gründe waren vor allem das Zinsengeschäft und das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie Handel.

Auch bei der Luzerner Kantonalbank stieg der Ertrag um 1.5 Prozent auf CHF 289.3 CHF.
Die Credit Suisse präsentierte neue Köpfe. Dixit Joshi wird zum CFO und Francesca McDonagh zum Group COO bekannt. Sie werden beide der Geschäftsleitung beitreten. Michael J. Rongetti wurde zum ad interim CEO der Asset Management Division ernannt.
Novartis gab die Entlassung von 700 Kaderleuten in Basel wegen Reorganisation bekannt.

Die Generikasparte Sandoz wird definitiv abgespalten. Dadurch entsteht ein neues Börsenschwergewicht im Pharmabereich. Die Aktien kommen 26 Jahre nach der Fusion mit Ciba Geigy in neuer Form wieder in den Handel.
Der Pharmariese Roche hat einen neuen Covid-19-Test entwickelt. Dieser kann alle bisherigen und neuesten Untervarianten des Corona-Virus unterscheiden.
Dem Flughafen Zürich geht es nach Corona wieder besser. Im ersten Halbjahr 2022 konnte ein Konzerngewinn von CHF 55.4 Mio. erwirtschaftet werden.

Grossauftrag – der Thurgauer Zugbauer Stadler Rail liefert 56 Trams in die deutsche Stadt Halle. Zum finanziellen Umfang der Bestellung wurden keine Angaben gemacht.
Die Immobiliengruppe Swiss Prime Site bleibt optimistisch. Der Betriebsertrag stieg in der Zeit von Januar bis Juni 2022 um 2.5 Prozent auf 378.9 Millionen Franken.
Geberit begibt unter gemeinsamer Federführung von Commerzbank Schweiz und ZKB zwei Anleihen im Gesamtwert von CHF 400 Mio.

Aussichten

Solange der Krieg in der Ukraine anhält, wird und auch Energieknappheit beschäftigen. Wichtig sind die Leitzinsentscheidungen der Notenbanken. In den USA erwartet man weitere Zinsschritte. Die grosse Herausforderung ist aber nicht eine boomende Wirtschaft zu bremsen – im Gegenteil – die rezessiven Anzeichen verstärken sich. Ob mit höheren Zinsen Inflation und Energiepreise rasch herunterkommen, ist umstritten. Eine Verschärfung der internationalen Verschuldungsprobleme ist wahrscheinlich. Die gegenwärtige Währungssituation belastet die Exportwerte. Höhere Zinsen lassen aber die Gewinne der Banken steigen, insbesondere diejenigen mit vielen Hypothekarkunden. Mit höheren Energiepreisen müssen wir leben lernen. Es ist derzeit schwierig, allzu optimistisch zu bleiben.

Christopher Chandiramani, Wirtschafts- und Börsenanalyst Wil24