Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kultur
01.09.2022

Wil feiert 350 Jahre Pankratius

Bild: zVg / wil24.ch
Die Stadt Wil feiert dieses Jahr ihren dritten Stadtheiligen, den hl. Pankratius. Seit 350 Jahren wird er in Wil verehrt. Zu diesem Jubiläum wird er von verschiedenen Seiten her beleuchtet und gewürdigt. Wie genau die Reliquien von ihm nach Wil gekommen sind, ist im Text von Werner Warth zu lesen.

Vom Freitag, 2., bis am Sonntag, 18. September 2022, wird es im Pfarreizentrum Wil im Foyer vom ersten Stock eine Ausstellung dazu geben. Am Sonntag, 4. September, um 11 Uhr wird der Heilige in der Kirche St. Nikolaus mit der Pankratius-Messe gefeiert. Auch der Familiensamstag am 17. September wird sich rund um den Heiligen drehen.

Alle diese Jubiläumsveranstaltungen finden bewusst im Herbst statt, damit es zu keiner Verwechslung mit dem Eisheiligen Pankratius kommt, der am 12. Mai 2023 gefeiert wird. Der prominente Name des Eisheiligen war vor gut 350 Jahren wohl auch ausschlaggebend, dass sich die Wiler für einen Pankratius als dritten Stadtheiligen entschieden hatten.

Der damalige Aufwand und die Bemühungen zeigen gut, wie wichtig Heilige für die Menschen in jener Zeit waren. Da durfte es auch nicht einfach irgendein Heiliger sein, nein, es musste schon der passende und ein möglichst berühmter sein. Es entstand dadurch ein Heiligenkult. Und die Gebeine und Überresten der Heiligen wurden auf der ganzen Welt verteilt und überall wurde grosser Aufwand betrieben, diese Heiligen angemessen zu verehren.

Im Kern haben die Lebensgeschichten und Taten der Heiligen sicherlich etwas Wahres und enthalten eine Botschaft, die für uns Menschen heute noch wichtig sein kann. Dennoch sind sie auch mit Vorsicht zu geniessen, da sie Ausschmückungen enthalten, die weitergeschrieben wurden.

Bild: zVg / wil24.ch
Bild: zVg / wil24.ch

Wann wird wo gefeiert?

Freitag, 2. September; um 19.00 Uhr im Pfarreizentrum Wil: Eröffnung der Ausstellung '350 Jahre Stadtheiliger Pankratius' mit dem Stadtarchivar Werner Warth – anschliessend Apéro. Dauer der Ausstellung bis am Sonntag 18. September.

Sonntag, 4. September, um 11.00 Uhr Festgottesdienst in der Kirche St. Nikolaus zu Ehren des Stadtheiligen mit Chor zu St. Nikolaus. Sie singen die Pankratiusmesse von Johann Baptist Hilber.

Samstag, 17. September, im Pfarreizentrum: Familientag "Wötsch au en Held wie de Pankratius werde?"

Bild: zVg / wil24.ch

Pankratius und Wil

von Werner Warth:

Wie kamen der Schultheiss, der Rat und die Bevölkerung Wils im 17. Jahrhundert auf die Idee, neben den altbekannten Stadtpatronen Sankt Nikolaus und Agatha einen dritten Heiligen verehren zu wollen? Genau lässt sich dies aus den Quellen nicht ermitteln. Dazu Stadtschreiber Johann Ludwig Müller in seinem Büchlein "Gut Ding muss Wyl haben" aus dem Jahr 1678, der festhält: " ... dass in Antragung Heiliger Reliquien zu unterschidlich malen und Zeiten solche recusiert und anzunehmen abgeschlagen wurden, nit darumben, dass man solche verworfen, sondern in Hoffnung gelebt, es werde der liebe Gott durch wunderliche Disposition die Statt Wyl und desse Pfarr mit einem Heiligen und Schutz-Herrn dergestalt versehen, dass sie an Leib und Seel wol köndten getröst seyn. ...". Also waren anscheinend schon frühere Versuche des Erwerbs von Gebeinen von Heiligen, ja sogar Schenkungen abgelehnt worden. Erst um 1671 scheint die Zeit für einen neuen Stadtheiligen reif gewesen zu sein. Fürstabt Gallus Alt hatte damals die erforderlichen Beziehungen in Rom, um Reliquien zu erhalten. Wie aus der päpstlichen Beglaubigungsbulle vom 13. April 1671 hervorgeht, wurden die Gebeine des Pancratius im Auftrag Papst Clemens X. aus der Katakombe der Heiligen Cyriaca entnommen.

Die Vorbereitungen für die Überführung oder Translation der Gebeine nach Wil wurden 1672 aufgenommen. Am Morgen des denkwürdigen 25. April 1672 um vier Uhr läuteten die Glocken Wils das Ave Maria.  Auf der Mattwiese wurde mit "Stucken und Doppelhacken" der Beginn des grossen Festes "eingeschossen".

Die ergreifende Schönheit und Andacht der Wiler Prozession beschreibt der Chronist wie folgt: "Ware alles triumphierlich und herrlich anzusehen wegen schönen, bey so hell-glantzenden Sonnen Tag, vilfärbigen so wol getragnen Kirchen- als aufgesteckten Kriegs-Fahnen und anderen eingeführten Kirchen-Paramenten/-Gallantereyen, also zwar dass mennigklichen das Hertz im Leib vor Freud, Trost und Frolockung aufgebidmet und zu mehrerer Andacht viler, nit ohne Vergiessung der  Zäher bewegt worden". Die ganze Prozession zählte insgesamt 4562 Personen, die sich jetzt nach Wil auf den Hofplatz begaben.

Das folgende Hochamt wurde von Fürstabt Gallus Alt zelebriert. Nach dem feierlichen Segen war der grosse Moment herangerückt, wo der neuer Stadtheilige seinen neuen Standort in der Stadtkirche St. Nikolaus fand. Unter dem Geläute aller Glocken und dem Donner der Geschütze erscholl das "Te Deum laudamus". Das Fest der Translation sollte auf Anordnung Abt Gallus jährlich am ersten Sonntag nach dem Fest des heiligen Evangelisten Markus abgehalten werden. 1777 wurde die heutige barocke Silberrüstung durch die Wiler Einwohnerschaft gestiftet.

Um es hier aber ganz klar festzuhalten: der in Wil zu St. Nikolaus gezeigte Pancratius ist nicht das Skelett des Wetterheiligen gleichen Namens. Dies u.a. darum, weil in Rom, in der Basilica San Pancratio, sich seine Gebeine heute noch befinden (sollen).

Wie dem auch sei, unser "Mitbürger" war früher stets in aller Munde, allein schon durch seine Wundertätigkeit. Er hat uns viel Gutes gebracht, "Gut Ding muss Wyl haben!" Dies soll auch heute noch so sein.

Katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil / wil24.ch