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Wirtschaft
03.09.2022

Inflation und Zinsängste lassen Aktienmärkte abbröckeln

Bild: zVg.
Die Absicht der US-Notenbank, die Leitzinsen weiter anzuheben, führten die Aktien in einen mehrtägigen Abwärtstrend. Erst am Freitag kam es zu einer Erholung. Auch die übrigen Konjunkturdaten verstärkten den Pessimismus. Die Energiepreise bewegen sich weiter auf Höhenflug und sind bereits jenseits der Realität.

Fed-Chef Powell stellte bei der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole, am Fusse der Rocky Mountains, weitere kräftige Zinserhöhungen in Aussicht. Auch in Europa könnte es bald zu grösseren Zinsschritten kommen. Aufhorchen liess vor allem ein Satz, der sinngemäss lautete: «Es werde schmerzhaft sein».
Zwischenwahlen in den USA – lange sah es nicht gut aus für Joe Biden - schlechte Umfragewerte, aggressive politische Gegner, Pech in der Aussenpolitik. Zehn Wochen vor den Zwischenwahlen scheint sich die Stimmung zu drehen. Nach einer emotionalen Rede zur Nation steigt Bidens Popularität wieder leicht.

Die Stimmung der deutschen Industrie ist auf einem Zweijahrestief. Auch in den USA gibt es rezessive Tendenzen, aber der Einkaufsmanager-Index (PMI) ist immer noch stabil. Er betrug im August 51.5 Punkte. Im August 2022 erreichte die Inflation in Europa wiederum einen Höchstwert von 9.1 Prozent. Besonders die Energiepreise trugen zur Teuerung bei, stiegen binnen Jahresfrist um 38.3 Prozent. In der Schweiz haben wir nur plus 3.5 Prozent, tiefer als in der EU infolge Frankenaufwertung und unterschiedlichen Warenkörben.
Die Schweizer Stromversorger präsentierten ihre neuen massiv höheren Tarife für 2023. Der Bundesrat wiederholte seine Sparapelle via Medienkonferenz. In Deutschland endete den Tankrabatt und das 9- Eurobahntiscket am 1. September. Bei den Währungen blieben USD und EUR knapp unter Parität (0.98). Der Bitcoin schwankte um USD 20‘000. Erdöl ermässigte sich infolge Rezessionsängsten.

Unternehmensnachrichten

Die Börsenbaisse betraf alle Sektoren, Zykliker, Technologie, Luxusgüter und Finanzen. Pharmawerte hielten sich besser. Am Freitag errichte der SMI wieder 10‘870 Punkte (plus 2 Prozent).
Die Jungfraubahnen sind wieder optimistisch und erwirtschafteten einen Gewinn von CHF 15 Mio. im ersten Halbjahr 2022. Letztes Jahr gab es noch ein Verlust 10 Mio. Die Gästezahlen steigen wieder markant, sind aber immer noch deutlich unter dem Niveau vor Corona. Die asiatischen Gäste fehlen immer noch weitgehend. Die neue V-Bahn wirkt frequenz- und ertragssteigernd.

Die Grossbank Credit Suisse will effizienter werden durch sogenannte «operative und kostenbezogene Transformationsprojekte». Die 47-jährige Managerin Francesca McDonagh wurde als Chefin für die operativen Aufgaben (COO) angestellt. Damit wird sie zur rechten Hand des neuen CS-Chefs Ulrich Körner. Gemäss unbestätigten Medienmeldungen plant die Bank 3‘000-4‘000 Leute in der Schweiz zu entlassen.

Der Zugbauer Stadler Rail hat den Zuschlag für den Bau einer U-Bahn-Linie in Taiwan erhalten. Stadler liefert 25 vollautomatische Metro-Züge. Der Auftragseingang ist im 1. Hj. um 91% auf CHF 6.0 Mrd. gestiegen, der Umsatz um 4 Prozent auf CHF 1.5 Mrd. Aber das Konzernergebnis ermässigt sich auf CHF 2.4 Mio. (H1 2021 CHF 26.3 Mio.) infolge negativer Währungseffekte. Markus Bernsteiner ersetzt Peter Spuhler als CEO ab 2023. Der Vermögensverwalter Partners Group hat im H1/2022 weniger verdient infolge volatiler Finanzmärkten und weniger Performance-Gebühren. Die Erträge sind auf CHF 881 Mio. gefallen (minus 22%).

Der definitiv publizierte Gewinn der Ems-Chemie-Gruppe ist im ersten Halbjahr 2022 leicht an gestiegen. Er nahm gegenüber der Vorjahresperiode um 1.8 Prozent auf CHF 286 Mio. zu.
Der Pharmamulti Roche hat den zweiten Büroturm fertig gebaut. Mit 205 Metern ist es das höchste Hochhaus der Schweiz (höchstes Bauwerk St. Chrischona, Radio und TV-Sendemast 251 Meter).

Aussichten

Die Aktienmärkte sind in diesem Jahr rund 17 Prozent gefallen. Ein Cocktail von schlechten Ereignissen wie Krieg, Energiepreise, Lieferengpässe, Fachkräftemangel, Corona in China, Rezession, Zinserhöhungen, Währungsprobleme, Gewinnerosion. Mit einem Crash rechnen wir nicht, aber es ist eher wahrscheinlich, dass die Papiere noch eine Zeitlang im Krisenmodus bleiben. Wer investiert, muss mit Schwankungen leben können. Aber gute Aktien von Gesellschaften erholen sich wieder schnell am Ende einer Baisse. Eine Abschaffung der Verrechnungssteuer auf inländischen Anleihen könnte börsenrelevant sein (Abstimmung am 25. September).

Christopher Chandiramani, Wirtschafts- und Börsenexperte Wil24