Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kanton SG
27.09.2022

Grenadiere pflegen Verbundenheit und Kameradschaft

Beim Treffpunkt Brauerei Locher spekulierte man über einen bierseligen Anlass Bild: Ernst Inauen
In Männerrunden bietet das Thema Militär öfters Diskussionsstoff. Das trifft in besonderem Mass bei der Ostschweizer Stammsektion Gren Kp 33 zu, deren Mitglieder regelmässig bei ihren Zusammenkünften Erinnerungen an ihre Dienstzeit bei den Grenadieren austauschen und die Kameradschaft pflegen.

Von Ernst Inauen

Im Auftrag von General Guisan stellte Hauptmann Mathias Brunner 1943 nach eindrücklichen Manövern mit Ostschweizer Kompanien auf der Schwägalp eine Spezialeinheit mit kampferprobten Soldaten zusammen. Das führte zur Gründung der Grenadier-Kompanien, unter anderen die Gren Kp 33. Bereits 1949 riefen einige Angehörige der Armee, welche im Zweiten Weltkrieg Aktivdienst leisteten, eine Stammsektion ins Leben. Ursprünglich waren es Dienstleistende der St.Galler Grenadier Kompanie 33 und der Landwehreinheit 1 / 8, die der ausserdienstlichen Vereinigung beitreten konnten. Nachdem die Gren Kp 33 vor einigen Jahren aufgelöst wurde, öffnete sich die Stammsektion auch für Grenadiere aus anderen Kantonen. Die Vereinigung zählt heute über 200 Mitglieder, vom Soldaten bis zu ranghohen Offizieren. Erstes Ziel ist eine gelebte Kameradschaft. Ein bei der Gründung eingerichteter Fürsorgefond, der aus Aktivitäten und freiwilligen Beiträgen der Mitglieder gespeist wird, ermöglicht die Unterstützung kranker oder in Not geratener Kameraden und funktioniert noch immer. Josef Blättler, Uzwil präsidiert seit 2014 die Vereinigung als Nachfolger des Wilers Martin Senn, der seinerseits auf Hugo Eisenring folgte.

Die drei letzten Präsidenten (v.l.): Sepp Blättler (Uzwil), Martin Senn (Wil) und Hugo Eisenring, (St.Gallen)- Bild: Ernst Inauen

Jährliche Treffen der Mitglieder

Im Zweijahresturnus trifft sich die Stammsektion zu einem gesellschaftlichen Anlass mit Partnerinnen, dem so genannten Kompanieabend. In den Zwischenjahren findet die ordentliche Hauptversammlung der Mitglieder jeweils an verschiedenen Orten im Kanton St.Gallen statt. Viermal pro Jahr geht ein interessantes Rundschreiben an alle Mitglieder, das über Aktuelles berichtet, Erinnerungen weckt und zu runden Geburtstagen gratuliert. Neben dem jährlichen Kompanieabend organisiert der Vorstand auch sporadisch andere Anlässe. So trafen sich kürzlich die Vorstands- und die Ehrenmitglieder zusammen mit ihren Begleiterinnen zu einem geselligen Treffen in Appenzell, organisiert von Präsident Sepp Blättler. Nach einem Fussmarsch durch den reizvollen Innerrhoder Hauptort erreichten die rund 30 Teilnehmenden das erste Tagesziel, das ehemalige Frauenkloster Maria der Engel, gleich neben dem Schloss Appenzell gelegen.

Bewundernwerter Innerrhoder Hauptort Appenzell führte zum ehemaligen Kapuzinerinnenkloster / Ankunft bei Kloster Maria der Engel, direkt neben dem Schloss gelegen. Bild: Ernst Inauen

Eindrückliche Geschichte eines ehemaligen Klosters

Verwandtschaftliche Beziehungen des Präsidenten mit Stiftungsrat Christian Fritsche ermöglichten den beeindruckenden Einblick in die Geschichte der ehemaligen Klostergemeinschaft und einen Rundgang durch die imposante Klosteranlage. Im Klosterspeisesaal (Refektorium) erklärte Fritsche mit Wort und Bild die Jahrhunderte alte Geschichte. 1613 erfolgte die Gründung des Kapuzinerinnenklosters, nachdem schon im 13. Jahrhundert Klausnerinnen urkundlich erwähnt sind. Die heutige Klosteranlage wurde von 1679-82 erbaut. Von 1811 bis 1973 führten die Schwestern eine Schule. Den 1899 erbauten Kindergarten führten die Kapuzinerinnen bis 2013. 1888 wurde das Kloster zu einer geschlossenen Gemeinschaft (Klausur). Den Höchststand erreichte das Kloster 1920 mit 42 Schwestern. Mit der abnehmenden Zahl mussten sie 1973 die Ausbildungstätigkeit aufgeben. 2008 zogen die letzten fünf Schwestern in das Kloster Grimmenstein und das Kloster Maria der Engel ging an die Stiftung über.

In der schmucken Klosterkirche finden noch immer Gottesdienste und Andachten statt. Bild: Ernst Inauen

Sanierungsbedarf erfordert finanzielle Mittel

Die Klosteranlage steht unter Denkmalschutz und gilt als Kulturgut von nationaler Bedeutung. Die historische Bausubstanz sei zwar gesund, aber sanierungsbedürftig, erklärte der Führer. Die Klosterkirche als Herzstück muss innen und aussen saniert werden. Sie bleibt aber für Gottesdienste und Besuche offen. Beim Rundgang  durch die ganze Klosteranlage mit den einfachen Zellen bekamen die Teilnehmenden einen ungewohnten Einblick in das karge Klosterleben. Ein grosser Klostergarten wird von Freiwilligen bearbeitet und die Pflanzen zur Herstellung von eigenen Produkten für den öffentlichen Klosterladen verarbeitet. Zur Erhaltung und Sanierung der Klosterbauten seien Investitionen von mehreren Millionen Franken notwendig, erklärte Fritsche. Für die Finanzierung seien Spenden und Beiträge sehr willkommen. Im Anschluss an diese eindrucksvolle Besichtigung erfolgte die Verschiebung nach Eggerstanden, wo im Restaurant Neues Bild bei einem feinen Nachtessen die Eindrücke Diskussionen auslösten. In gemütlichem Rahmen ergaben sich aber auch rege Gespräche über militärische und persönliche Themen, nachdem sich die Stammsektion zwei Jahre nicht treffen konnte.

Zum Nachtessen trafen sich die Teilnehmenden im Landgasthaus Neues Bild in Eggerstanden. Bild: Ernst Inauen
Ernst Inauen