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Stadt Wil SG
21.11.2022
21.11.2022 17:48 Uhr

Kommentar: Ein Ja zum ARA-Projekt ist der richtige Entscheid

David Hugi, Co-Redaktionsleitung Uzwil24, Wil24, Herisau24, Gossau24. Bild: Uzwil24
Am kommenden Sonntag stimmen Jonschwil, Oberuzwil, Wil und Zuzwil über das neue ARA-Projekt Thurau ab. Ein Projekt, das wegweisend ist für die Zukunft. Weil es endlich mal gelingen kann, grenzübergreifend die Kräfte zu bündeln, um etwas Sinnvolles zu realisieren. In der Standortgemeinde Uzwil ist im Frühjahr 2022 die Abstimmung bereits erfolgt. Die satte 2/3-Mehrheit war ein Statement für die Bedeutung des Gewässer- und Trinkwasserschutzes.

Man spürt eine grosse Einigkeit von links bis rechts: Ausser die SVP Zuzwil kündigte zuletzt massiven Widerstand an, der in den Argumenten wenig nachvollziehbar ist. Die den Medien zugestellten Berechnungen sind unvollständig und bauen auf falschen Annahmen auf, beispielsweise bei der Berechnung der Kapitalkosten. Hier nimmt die SVP Zuzwil nur die ersten fünf Jahre als Berechnungsgrundlage. Und berechnet daraus den Durchschnitt für die jährlichen Kapitalkosten einer Abschreibung über 25 Jahre. Das ist falsch. Man schreibt eine ARA nicht linear ab, der Tiefbau bspw. wird über 50 Jahre abgeschrieben. Mit dem Mischsatz sind die durchschnittlichen jährlichen Kapitalkosten im Zusammenschluss massiv tiefer als in der vorgelegten Berechnung. Das übersehen die Gegner gekonnt.

Eine weitere Tatsache, die von der Gegnerschaft auf Anfrage von Wil24 nicht schlüssig widerlegt werden konnte, sind die verschärftere Vorschriften auf Bundesebene, die in der parlamentarischen Beratung sind. Unter anderem wird diskutiert, dass die Ersatzabgabe für Bürger, die keiner modernen ARA (die Mikroverunreinigung beseitigt) angeschlossen sind, fast verdoppelt wird.  D.h. es lohnt sich umso mehr, eine Grossanlage zu bauen, womit die Ersatzabgabe für alle beteiligten Gemeinden entfällt. Schliesslich wird in Bern beraten, ob die Pflicht zur Eliminierung von Mikroverunreinigungen auch auf kleinere ARAs ausgedehnt werden soll. Der Druck dafür dürfte kommen, die Kostenfolgen für selbstständige kleine Anlagen wären immens.

Schliesslich kommt auch bei diesem Projekt der Fachkräftemangel zum Tragen. Der Ausfall einzelner Personen stellt ein echtes Betriebsrisiko dar. In Zuzwil ist von drei Personen auf der Ara immer eine auf Pikett und am Wochenende täglich auch auf der Anlage. Klärfachleute gibt es nicht wie Sand am Meer, und wird es langfristig auch nicht geben. Die Bildung eines zentralen «Kompetenzzentrums» in der Ara Thurau macht mehr als Sinn.

Der Finanzbedarf für alle Gemeinden ist unbestritten sehr gross. Die zusätzliche, jährlich Finanzbelastung im Rahmen der Pro-Kopf-Abwassergebühren werden wohl im tiefen zweistelligen Bereich bleiben. Hinzu kommt die Tatsache, dass auch bei einem Nein alle ARAs zu stolzen Preisen renoviert werden müssten. Die Kostenfolge von einem Zuzwiler Alleingang liegt selbstredend höher als bei einem gemeinsamen Projekt.

Ob die politische Gemeinde Zuzwil gut daran tut, Geheimniskrämerei um den künftigen Abwasser-Preis zu betreiben, ist fraglich. Zu grosser Raum für Spekulationen entsteht, wie ein wilder Mailverkehr zwischen der Gemeinde und dem Nein Komitee um Walter Kerschbaum zeigt. Nichtsdestotrotz ist ein Ja zur Ara der richtige Entscheid. Für die Umwelt und die kommenden Generationen.

David Hugi, Co-Redaktionsleitung Uzwil24, Gossau24, Wil24 und Herisau24

David Hugi