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Kultur
22.01.2020
06.09.2020 16:01 Uhr

LIEGENSCHAFT "ZUM TURM": GUTE IDEEN FÜR VIEL LEEREN RAUM GEFRAGT

Im März soll im Wiler Stadtparlament eine Motion zum Gebäudekomplex «zum Turm» thematisiert werden. Was hat es mit dieser seit zwei Jahren leerstehende Liegenschaft an der Grabenstrasse auf sich? Der Präsident der IG Kultur Wil und Stadtparlamentarier Sebastian Koller hat sich mit der Geschichte und der Struktur dieser Überbauung intensiv beschäftigt.

Die gesamte Häuserzeile ist Teil der historischen Unteren Vorstadt und im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet. Die Gesamtfläche des Grundstücks beträgt 2‘731 m2, wovon 990 m2 auf die Gebäudegrundfläche, circa 914 m2 auf übrige befestigte Flächen und 827 m2 auf die Grünanlage entfallen. Das Gebäudevolumen beträgt insgesamt 13‘274 m3.

Bauliche Eingriffe sind erforderlich

Bis Mitte 2017 diente der «Turm» dem Sicherheitsverbund Region Wil (SVRW), welcher die Aufgaben des Führungsorgans, der Feuerwehr und des Zivilschutzes wahrnimmt, als Betriebsgebäude. Abgesehen von partiellen, temporären Nutzungen steht die Liegenschaft seither leer. Der bauliche Zustand blieb nach dem Auszug des SVRW im Wesentlichen unverändert. Für eine Umnutzung wären aufgrund der geltenden Sicherheitsvorschriften bauliche Eingriffe erforderlich.

Ehemalige Ringmauer

Der an der Südostecke des Gebäudekomplexes gelegene, frühere Wehrturm ist ein markanter Zeuge der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Er diente der Verteidigung gegen die von Süden geführten Angriffe. Die nach Westen anschliessende äussere Ringmauer der unteren Vorstadt setzt sich in der Häuserfront entlang des Klosterwegs fort, was im oberen Teil der Fassaden gut ablesbar ist. An der Stelle der heutigen Parkanlage und der Gärten verlief der äussere Stadtgraben. Noch zu Beginn des 19. Jh. diente der alte Wehrturm als städtische Rüstkammer.

Frühere Truppenunterkunft

Im Jahr 1956 wurde die Turmtrakt-Liegenschaft (Tonhallestrasse 25), welche den östlichen Abschluss der Häuserzeile bildet, von der politischen Gemeinde erworben. Die westlich anschliessenden Gemeindemagazine (Häuser Nr. 19-23) wurden aufgestockt, und im gewonnenen grossvolumigen Dachraum wurden Truppenunterkünfte eingerichtet, dies in Verbindung mit einem Neuausbau der Turmtrakt-Liegenschaft. Die unter der Aufstockung liegenden bestehenden Magazine wurden damals nicht substanziell verändert. 1972 erfolgte ein Ausbau der Feuerwehr- und Zivilschutzmagazine in den Häusern Nr. 15-17.

Neue Fahrzeughalle

Ein weiterer Umbau der Häuser Nr. 19-25 wurde ab 1983 geplant und 1988 realisiert, wobei die Herausforderung darin bestand, die im Jahr 1956 geschaffene Bausubstanz zu erhalten. Durch etappenweises Unterfangen der Truppenräume und anschliessende Auskernung des alten Werkhofbereiches wurde eine neue Fahrzeughalle mit Funkzentrale und Nebenräumen für die Feuerwehr geschaffen.

Durch den Einbau einer Zwischendecke über dem Erdgeschoss wurde eine optimale Raumnutzung des ausgekernten Volumens erreicht. Neu geschaffene Magazine, Werkstätten, Pikett- und Büroräume im ersten Obergeschoss wurden durch ein neues Treppenhaus im Haus Nr. 23 erschlossen. Mit einem Warenlifteinbau an der Trennwand zwischen den Häusern Nr. 17 und 19 wurden sämtliche Ebenen des Gebäudekomplexes verbunden. Die Turmtrakt-Liegenschaft wurde sanft renoviert.

Historische und neue Teile

Als Fazit der Baugeschichte bleibt festzuhalten, dass vom Haus Nr. 23 bis und mit dem Haus Nr. 13 die ganze Häuserzeile an der Tonhallestrasse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Grund auf neu gebaut wurde. Die in die Südfassade integrierte Stadtmauer und die Turmtrakt-Liegenschaft stellen die einzig verbliebenen historischen Teile des Gebäudekomplexes dar.

Verkehrstechnisch gut erschlossen

Der «Turm» ist zentral gelegen. Die Gehdistanz zur nächstgelegenen Bushaltestelle Rose beträgt 200 m, jene zum Bahnhof 750 m. Der südlich an der Liegenschaft vorbeiführende Klosterweg ist eine wichtige innerstädtische Veloverbindung. Im Parkhaus Viehmarkt, welches direkt nordöstlich des «Turms» liegt, besteht ein grosses Angebot an öffentlichen Parkplätzen.

Die starke Belastung durch den motorisierten Verkehr, das Fehlen von komfortablen und durchgehenden Fussgängerbereichen entlang der Strassen sowie weitere städtebauliche Defizite führen dazu, dass das Gebiet der Unteren Vorstadt trotz seiner der zentralen Lage und seiner historischen Bedeutung als unattraktiv und abseitsliegend wahrgenommen wird.

Viel Raumvolumen

Die aneinandergebauten Hauseinheiten Tonhallestrasse 15-25 sind im ersten und im zweiten Obergeschoss durchgehend miteinander verbunden. Sämtliche Ebenen sind mit einem Warenlift erschlossen. Die Nettonutzfläche (ohne Estrich) beträgt 2‘787 m² und verteilt sich auf folgende Raumtypen:

Nur der westliche Teil des Komplexes (Häuser Nr. 15-17) weist ein Untergeschoss auf, in welchem sich eine Garage, ein Schutzraum, eine Schlauchpflegeanlage, eine Toilette und eine Trafostation befinden resp. befanden. Die Zufahrt zur Garage im Untergeschoss erfolgt von der Südseite. Die Hauseinheiten Tonhallestrasse 19-25 sind nicht unterkellert.

Grosse Hallen

Das Erdgeschoss wird grösstenteils durch die früheren Fahrzeughallen der Feuerwehr eingenommen. Die Halle im Haus Nr. 17 ist stützenfrei und bietet Platz für vier LKW. Sie wird durch ein Treppenhaus von der LKW-Garage im Haus Nr. 15 getrennt. Die ebenfalls vierteilige Fahrzeughalle im Haus Nr. 19 weist Stützpfeiler auf. Im Haus Nr. 23 östlich der Fahrzeughalle sind die ehemalige Funkzentrale, ein Treppenhaus, WC-Räume sowie eine Garage und ein Magazin untergebracht. Der Turmtrakt (Haus Nr. 25) besitzt ein eigenes Treppenhaus. Ausserdem befinden sich in dessen Erdgeschoss zwei Magazine.

Mehrzweckräume

Im ersten Obergeschoss der Häuser Nr. 19-25 sind insgesamt 14 Büro-, Aufenthalts-, Sitzungs-, Lagerräume sowie zwei WC-Räume durch einen zentralen Korridor erschlossen. Das zweite Obergeschoss wird grösstenteils durch drei grosse Mehrzweckräume eingenommen. Östlich davon befinden sich ein Büro, eine Küche, ein Schlafraum, eine Sammeldusche mit Garderobe, ein Waschraum mit WC sowie ein kleiner Putzraum.

Lediglich die Turmtrakt-Liegenschaft weist ein drittes Obergeschoss auf, in welchem sich ein Büro, ein Putzraum sowie ein Waschraum mit WC befinden. Der Dachstuhl der Häuser Nr. 19-23 wird grösstenteils durch den Luftraum der erwähnten Mehrzweckräume im zweiten Obergeschoss eingenommen.

Büros und Werkstatt

Sowohl im ersten als auch im zweiten Obergeschoss der Hauseinheit Tonhallestrasse 17 befindet sich je ein grosser, stützenfreier Lagerraum. Dieser Gebäudeteil weist zusätzlich einen geräumigen Estrich auf, welcher allerdings nicht isoliert und nur über eine Leiter zugänglich ist.

Im ersten Obergeschoss des Hauses Nr. 15 befinden sich neben dem Treppenhaus ein Büroraum sowie eine Werkstatt, im zweiten Obergeschoss ein Lager- und ein Heizungsraum.(pd/LG)

Wil24