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Kultur
09.02.2020
06.09.2020 16:01 Uhr

MUSIKLOKALE: SIE HABEN IN WIL EINE LANGE TRADITION

Wil verdankt ihren Ruf als Kulturstadt vor allem auch der Initiative von Privatpersonen und von Gewerbetreibenden, wie das Beispiel Musigbeizen zeigt.

(Adrian Zeller)

Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts konnte es einem in der Wiler Altstadt passieren, dass ein Passant nach dem Weg zum Restraunt Freischütz fragte. Dabei tauchte spontan der Gedanke auf: Moment, den kenne ich doch aus den Medien, wer ist das schon wieder? Es war damals die Ära des Rolf Gersbach, er wirtete von 1974 bis 1981 in der heutigen Vinothek Freischütz .

Reigen bekannter Namen

Der umtriebige Gastronom schaffte es dank Beziehungen immer wieder, national und international bekannte Formationen aus der Jazz- und Bluesszene nach Wil zu locken. Darunter waren etwa Oskar Klein, Champion Jack Dupree, Peter Jacques Trio, Trio Grande, Bob Wallis, Joe Haider, Charly Antolini und Töbi Tobler. Bald bezeichnete die Presse Wil als Jazz-Hochburg und als Jazz-Oase. Mittlerweile sind manche dieser Musikernamen nur noch eingefleischten Fans bekannt, damals kannte man deren Songs aus dem Radio und dem Fernsehen.

Dixieland zum 1. August

Gelegentlich wurde bei schönem Wetter neben dem Freischütz auf dem Lindenplatz konzertiert. So spielte etwa an einem 1.August die britische Dixieland-Gruppe Bob Wallis & His Storyville Jazz Band auf.

Altstadtgeschäfte und weitere Firmen ermöglichten durch Sponsoring die Auftritte der bekannten Musiker. Auch der damalige Stadtpräsident war unter den Zuhörenden beim Dixieland-Konzert. Hans Wechsler lobte den Anlass mit den Worten: «Nume so wiiter mache.» Gastronom Gersbach wurde schliesslich von der Stadt für sein kulturelles Engagement auszeichnet.

Musiklokale in der Altstadt

Längst hat der Wirt im Freischütz gewechselt, doch noch immer spielen bisweilen Musiker im Lokal auf. Unter dem Gastronom Errico Mirto ist es etwa die Wallbanger-Jazzgroup aus dem Thurgau, die mit ihrem Sound Stimmung ins Lokal bringt. Und auch Gino`s Kunstcafé sowie die Gastrolokale El Pincho zum Wilden Mann und die Café Bar La Moka werden zu gelegentlichen Konzertlokalen.

Musikalischer Stadtrundgang

Eine musikalische Tournee durch neun Lokale die Vor- und die Altstadt ermöglicht die Veranstaltungsreihe Musig i dä Beiz, die zwei Mal jährlich angeboten wird. Sie ist die Nachfolgeveranstaltung von Rock am Freitag und basiert auf einer Kooperation der Wirtinnen und Wirte von Ginos Kunstcafe, Trinkstube zum Hartz, Tiger, Barcelona, Böckli Bar, El Pincho, Linde, Vinothek sowie Art´s Restaurant Bar entstanden.

Ursprünge der Kulturlöwen

Ungefähr am Standort der heutigen Niederlassung der UBS bestand bis 1985 das Restaurant Dufour. Fast jede Woche spielte damals eine Gruppe aus der Stilrichtung Folk, Rock, Jazz oder Blues, darunter Angy Burri and the Apaches,  die Swiss German Jazz Corporation oder das Appenzeller Space Schöttel.

Der Abriss der entsprechenden Liegenschaft hinterliess beim Publikum eine anhaltende Lücke. Es  schlossen sich zum Verein Kulturlöwe zusammen, der sich für ein Zentrum für Alternativkultur einsetzte. Aus ihm ist schliesslich der Gare de Lion hervorgegangen.

Musik in der Gartenwirtschaft

Musiklokale haben in Wil eine lange Tradition. Als die Äbtestadt 1855 ans Bahnnetz angeschlossen wurde, entstand ein Jahr später in Bahnhofsnähe ein stattliches Haus errichtet. Erbauerin war die Familie Müller, die damals das Hotel Schöntal führte; es stand am Standort des heutigen Centralhofs. Im Neuschöntal beim Bahnhof spielten in der Gartenwirtschaft Musikkapellen aus nah und fern. Das Lokal bestand bis 1954.

Exoten als Attraktion

An der Ecke Konstanzer-/Fürstenlandstrasse wurde im Pfauen ab 1875 ebenfalls Gastronomie und Kultur in Kombination angeboten. Die Stadtmusik St. Gallen war ebenso zu Gast wie die Tiroler- und Kärntner-Sängergesellschaft Alpenrose, die Musikgesellschaft Union Wyl, die vollständige Bürgermusik Gossau mit ihren 22 neuuniformierten Musikern, die "berühmte böhmische Musikgesellschaft", die Concordia Rorschach, die Blechharmonie Flawil und der Musik-Verein Eintracht" Bichelsee. Am 2. Mai 1888 gab eine sechsköpfige Gruppe Farbiger aus Westindien in Nationalkostümen eine Vorstellung mit Konzert.

Wil24