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Kultur
24.10.2019
06.09.2020 16:03 Uhr

STUDIOKINO - EXOTISCHE BILDERWELTEN IN WIL

Am kommenden Sonntag, 27. Oktober 2019, starten im Cinewil zwei Filmreihen, die weit mehr als gute Unterhaltung bieten.

(Adrian Zeller)

Die Wiler Kinokultur ist über hundert Jahre alt. Das erste Lichtspielhaus empfing seine Gäste im Jahr 1913. Zwischen den flackernden Stummfilmen von damals und den heutigen mit digitaler Technik perfektionierter Projektionen liegen Welten. Das Verlangen des Publikums nach spannender Unterhaltung ist geblieben. Und auch Bedürfnis nach Romantik und einem Schuss Erotik hat sich nicht verändert.

Längst hat der Kinobesuch den Beigeschmack eines anrüchigen Zeitvertreibs verloren. Die Wiler Stadtregierung verhinderte seinerzeit, dass Kinder und Jugendliche das erste Kino besuchen durften, ausdrücklich auch nicht in Begleitung Erwachsener. Wie sich die Zeiten ändern: Mit Mollys Filmpalast besteht in der Äbtestadt ein eigener Kinderfilmclub.

Fenster zur Welt ausserhalb Wils

Das heutige Cinewil wurde vor zwanzig Jahren mit vier Vorführsälen eröffnet. Es war die Nachfolgerin der beiden Kinos Scala und Apollo, deren Interieur schon etwas in die Jahre gekommen war. Ab 1963 lockte zeitweise auch das Studio Derby im gleichnamigen Gebäude am Bahnhofplatz die Filmfreunde mit «erstklassigen internationalen Produktionen» an. In jenen Jahren wurden in den Cinemas öfters so genannte «Kulturfilme» gezeigt. Damit waren populärwissenschaftliche Dokumentationen über exotische Länder und Völker gemeint.

Kino war damals eine der wenigen Möglichkeit, etwas über die Menschen und die Lebensweisen auf anderen Kontinenten zu erfahren. Das Fernsehen war noch kaum verbreitet und Auslandreisen für die meisten Menschen unerschwinglich.

Anspruchsvolle cinematografische Werke

Schon immer gab es Menschen, die auf der Leinwand nicht lediglich entspannende Unterhaltung suchten, sondern auch Einblicke in eine schwer zugängliche Welt. Die Kamerafrauen und –männer der Studiofilme richten ihr Objektiv oft auf tabuisierte Lebenswelten und erzählen die Geschichten auf eine ungewohnte Weise.

Filme jenseits von Hollywood

1984 gründeten eine Gruppe von Idealisten um den heutigen Stadthistoriker Werner Warth ein «Alternatives Kino Wil». Im Freizeithaus Obere Mühle zeigte es regelmässig Streifen, die nicht die Massen anlockten. Sie wollten verdeutlichen, dass Film neben Unterhaltung auch Kunst sein kann.

Auch das Kino Scala zeigte damals jeden Samstag am Spätnachmittag Nischenproduktionen, die oft lediglich ein handverlesenes Publikum anlockten. Vor rund zwanzig Jahren wurde zudem der «Filmclub Wil» von Roman Appius und einigen Gleichgesinnten gegründet. Die Stadt Wil verlieh dieser Gruppe, die sich heute «Filmforum Wil» nennt, vor zehn Jahren den Förderpreis. Am Sonntag, dem 27. Oktober 2019 startete im Cinewil ihre einundzwanzigste Saison mit dem Thema England.

Wertvolle Filme aus Afrika, Südamerika und Asien

Gleichentags ist im Cinewil auch der Auftakt zu einer Reihe von anspruchsvollen Produktionen, beispielweise aus Ländern wie Syrien, Senegal oder Kolumbien. Sie werden von der Schweizer Stiftung Trigon-Film gefördert, die seit 1986 vor allem Produktionen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa von hoher Qualität importiert. Ohne sie würden sie hierzulande kaum Aufmerksamkeit erhalten.

Wil24