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Kanton SG
02.03.2020
06.09.2020 16:07 Uhr

KRITIK FÜR GEFORDERTE GENERELLE ABSCHOTTUNG VON 60+

Man solle den Kontakt zu alten und kranken Menschen meiden, schrieb gestern das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen. Dafür hagelte es auf Facebook Kritik.

(Linth24) Gestern Abend schrieb das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen in einer Medienmitteilung: «In der aktuellen Phase ist es besonders wichtig, Risikogruppen zu schützen. Dazu zählen ältere Personen ab 60 Jahre, die an einer chronischen Erkrankung leiden. Eine Massnahme zum Schutz von Risikogruppen ist das Meiden von Besuchen und engen Kontakt mit denselben.»

In einem Kommentar schrieb Chefredaktor von «linth24» Mario Aldrovandi, dass der Kanton damit verlange, dass man den Kontakt mit alten und kranken Menschen (Risikogruppen) vermeiden solle. Man solle sich nicht berühren und sie mit ihren Ängsten, ihrer Krankheit und ihrer Einsamkeit allein lassen. Weil der Kanton mit dieser Haltung jeden Anstand vermissen lasse, forderte Aldrovandi im Namen der älteren Generation eine Entschuldigung.

Heftige Facebook Kommentare

In verschiedenen Kommentaren wurde die Haltung des Kantons auf schärfste verurteilt. Andrea Länzlinger: «Gelten diese Regeln auch fürs Pflegepersonal? Ist ja lachhaft das Ganze.» Karin Eichelberger ergänzt: «Super, dann kann ich gleich den Job an den Nagel hängen. Soviel Mitgefühl wow». Rachid Hug: «Mal wieder typisch St.Gallen, Mensch ist hier nichts wert.» Sandra Wagner: «Ich hoffe, die werden selber nie alt.». Sven Rudolfson: «Beschämender und abschätziger geht es wohl nicht.». Ursula Fernandez nannte es «Ein Fauxpas der Extraklasse.»

Zu jenem Zeitpunkt hatte einzig Holger Schimanke Verständnis für die Haltung des Kantons.

Die Reaktion des Kantons St. Gallen

Linth24 fragte beim Kanton nach, wann eine Entschuldigung komme. Die Redaktion erhielt folgende Antwort (Originalwortlaut):

«Der Schutz der Bevölkerung hat für die Regierung oberste Priorität. Dazu gehören ältere Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Sie sind bei einer Ansteckung mit dem Corona-Virus einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Dieses Risiko kann man verkleinern, wenn man die Besuche an die aktuelle Situation anpasst - so wie dies auch das BAG empfiehlt. Zudem müssen die Hygienemassnahmen zwingend eingehalten werden. Deshalb haben wir die Bevölkerung gestern auf diesen Umstand hingewiesen.

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Video-Calls statt Besuche

Zusammengefasst ist jetzt ist von «Anpassen der Besuche» die Rede und dass man mit den alten kranken Menschen auch telefonieren oder über Video-Call kommunizieren könne.

Eine Entschuldigung ist das offensichtlich nicht.

Natürlich: Der zwischenmenschliche Kontakt ist auch für ältere und kranke Menschen wichtig - umso mehr in einer Situation wie aktuell. Dieser Kontakt kann, wenn möglich, auch über ein längeres Telefongespräch oder einen Video-Call realisiert werden. Wie Sie richtig feststellen, ist dies nicht gleichzusetzen mit dem Besuch vor Ort. Aber wenn ich die Wahl habe, meine Nächsten vor einer Erkrankung zu schützen, dann wähle ich für mich diesen Weg.