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Kultur
05.05.2020
06.09.2020 16:11 Uhr

KULTURSTADT WIL: SO WIRD DIE KULTUR ZUM AUSHÄNGESCHILD

Viele Branchen profitieren

Manche Kulturinstitutionen sind untrennbar mit ihrem Standort verbunden und werden stets in einem Atemzug genannt: Louvre mit Paris, Scala mit Mailand, Uffizien mit Florenz, Eremitage in St. Petersburg, Seefestspiele mit Bregenz, Wagnerfestspiele mit Bayreuth, Fondation Beyeler mit Riehen, Art mit Basel, Jazz Festival mit Montreux und KKL mit Luzern. Auch wer mit bildender Kunst nichts anfangen kann, weiss, dass der Louvre nicht in Bottighofen oder Bütschwil steht.

Etwa zehn Millionen Personen aus aller Welt fühlen sich pro Jahr vom Louvre angezogen. Sie bezahlen nicht nur 15 Euro Eintritt für ein Tagesticket, sie verpflegen sich auch in der Stadt und  übernachten in ihr. Sie kaufen Bahnbillette, benutzen öffentliche Verkehrsmittel und Taxis und sie erwerben Souvenirs.

Und wer schon mal in Paris ist, leistet sich eine Sightseeing-Tour, was die Busunternehmen und die Fremdenführer freut. Mit anderen Worten: Das drittgrösste Museum der Welt generiert für unterschiedliche Branchen eine beachtliche Wertschöpfung, es verschafft Menschen Arbeit und Einkommen und der Stadt Steuereinnahmen.

Unterschiedliche Stärkeklassen

Was hat das mit Wil zu tun? Keine Frage, kulturell spielt die Äbtestadt nicht in der selben Liga wie Paris, Madrid oder Montreux. Aber sie kann von diesen Beispielen lernen. Wil gehört in die gleiche Stärkeklasse wie Bischofszell mit seiner Rosenwoche, mit Bad Ragaz, dessen Sukulpturenausstellung RagARTZ  regelmässig für Aufmerksamkeit sorgt, ebenso wie das Bücherfest in Frauenfeld.

Einkünfte für das Gewerbe  

Vor oder nach dem Besuch einer Theateraufführung, eines Konzerts oder einer Ausstellung treffen sich die Gäste auch in Wil zu einem Drink. Damit verhelfen die Kulturevents Gaststätten zu Umsatz, der wiederum zu Steuereinnahmen führt. Beispielweise kommt bei den Aufführungszyklen der Wiler Bühne 70 regelmässig die Gastronomie Hof zum Zug.

Ein aktives Kulturleben motiviert Gewerbetreibende zu Zusatzangeboten, etwa zu speziellen Konzert- oder Theatermenüs. Im Weiteren laden Banken und Unternehmen ihre besten Kunden zu einem Theater- oder Konzertevent mit Apéro riche ein; Profiteure sind dabei die Firmen und die Kulturschaffenden.

Das Klischee der öffentlichen Kulturförderung als ökonomische Einbahnstrasse wird mit unzähligen Beispielen widerlegt. Wenn die öffentliche Hand finanzielle Vorleistungen erbringt, kann dies mittelfristig zu einem willkommen Ertrag der Investition für die Staatskasse führen.

Konzerte statt Randale

Nicht zu unterschätzen ist der positive Imagegewinn, der mit Kulturangeboten verbunden ist. So ist beispielsweise aus einem ehemals unspektakulären Kraftwerk in London die weltweit beachtetet Tategalerie entstanden. Das für seine Schwerindustrie bekannte bekannte Ruhrgebiet wirbt seinerseits mittlerweile mit 200 Museen, 100 Kulturzentren, 100 Konzertsälen, 120 Theatern, 250 Festivals und zwei Musicaltheatern.

Ein weiteres Beispiel: Innert weniger Jahre hat sich die Verbindung der Elbphilharmonie mit Hamburg in den Köpfen festgesetzt. In Scharen pilgern die Touristen in die norddeutsche Metropole, um das markante Gebäude zu besichtigen und seine Akustik zu erleben.

Wohlgemerkt, vormals war die reflexhafte Gedankenverbindung zu Hamburg mit Reeperbahn, dem Hafen und die häufigen Krawallen der Hausbesetzer mit der Polizei in der Hafenstrasse. Sowas schreckt Touristen ab. Und es ist auch nicht gerade ein Positivargument für Unternehmen, die nach einem Standort für eine Niederlassung suchen.

Imagepflege durch Kultur

Dieses Beispiel lässt sich auch auf Wil übertragen. Welches ist die bessere mediale Empfehlung für Wil, das Festival Rock am Weier und das Classic Openair, oder die wiederholten Querelen am Bahnhof?

Erfolgreiche Kulturereignisse, über die in den überregionalen Medien berichtet wird, sind relativ preisgünstige Public Relation. Sie vermitteln das Bild einer lebendigen Stadt mit attraktiven Freizeitangeboten – nicht eines sozialen Brennpunkts.

Wil24