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Sport Regional
06.02.2020
07.09.2020 08:22 Uhr

MIDNIGHTSPORTS ZUZWIL IM DEZEMBER

Müsste man im Kalenderjahr einen Monat zum erlebnisreichsten küren, so wäre dies mit grosser Wahrscheinlichkeit der Dezember. Die Nächte werden kürzer, die Tage dafür umso intensiver.

Müsste man im Kalenderjahr einen Monat zum erlebnisreichsten küren, so wäre dies mit grosser Wahrscheinlichkeit der Dezember. Die Nächte werden kürzer, die Tage dafür umso intensiver. Weihnachtsessen verschiedener Institutionen stehen an, vieles muss noch vor den Feiertagen erledigt werden und in vielen Bereichen der Gesellschaft ist in dieser Zeit eine Nervosität spürbar, die keine Altersgruppe kalt lässt. Dass zu diesen kalten Zeiten ein Treffpunkt am Samstagabend existiert, erscheint anhand der stetig steigenden Teilnehmerzahlen vielen Jugendlichen sehr wichtig zu sein. So war es umso wichtiger, die Programmgestaltung durch das Abendteam so zu organisieren, dass man möglichst allen Anspruchsgruppen gerecht wird. Selbstverständlich wäre es mir als Projektleiter am liebsten, wenn alle so sportbegeistert wie ich wären. Da dies natürlich nicht so ist und da das Projekt allen Jugendlichen gerecht werden soll, wurde im Dezember jeweils eine Halle abgedunkelt und in Kombination mit mehr oder weniger besinnlicher Musik als sicherer Rückzugsort für persönliche Gespräche oder einfach auch Verschnaufpausen inszeniert. In den anderen Hallen fand die gewohnte Programmgestaltung mit Ninja-Warrior-Parcours, Fussball, Unihockey und sehr aktivem Geräteturnen statt. Diese räumliche Abtrennung wurde von fast allen Teilnehmenden begrüsst, da so nicht nur die "Besinnungssuchenden" einen Rückzugsort hatten, sondern die Stimmung in den anderen zwei Hallen bedeutend aktiver war.

Zwei Saisonverbote wurden ausgesprochen

Dass sich einige Teilnehmende nicht an die Regeln halten, gehört zum Tagesgeschäft des Abendteams. In einem spezifischen Fall wurde jedoch eine Grenze überschritten, sodass zwei Saisonverbote ausgesprochen werden mussten. Dies zog einen relativ grossen administrativen Aufwand der gesamten Projektgruppe nach sich und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich für die grossartige Zusammenarbeit in diesem Fall zu bedanken. Das konsequente Handeln hatte grosse Strahlkraft auf alle Besucherinnen und Besucher des Projektes und die disziplinarische Situation hat sich im Anschluss an diesen Vorfall bedeutend verbessert. Diese Ruhe konnte das Projekt am Weihnachtsevent gut gebrauchen, da zum wiederholten Mal in dieser Saison ein Teilnehmerrekord verzeichnet wurde. 68 Jugendliche fanden ihren Weg in die speziell dekorierte Halle und betätigten sich vor allem aktiv an den Schaukelringen. Besonders interessant war zu sehen, wie begeisterte Gerätturnerinnen ihre Fertigkeiten an bedeutend ältere, bedeutend weniger geübte Teilnehmende vermittelten und diese deren Hilfe dankend annahmen. Die Atmosphäre des zwanglosen Ausprobierens war wunderschön zu beobachten und ist genau das, was ich mir für alle weiteren Durchführungen des Projektes wünsche.

Die gegenseitige Akzeptanz, die mit der Betrachtung eines weniger entwickelten sportlichen Leistungsniveau nicht als Schwäche, sondern als Möglichkeit der Interaktion entsteht, ist eines der grössten sozialen Potentiale des Sports. Momente wie diese bleiben genau so intensiv in Erinnerung, wie adrenalinausschüttende Sprünge von der Galerie auf den Mattenturm. Die Überwindung zum Sprung ist für viele Teilnehmende mindestens so gross, wie es für das Fragen um Hilfe bei einem Geräteturnelement, oder beim Ansprechen von möglichen neuen Freunden nötig ist. Die sind nicht nur kleine persönliche Erfolge, sondern wichtige Prozesse der individuellen Identitätsentwicklung, was einem als Projektleitung bei jeder Entscheidung bewusst sein muss.

(Cornel Gübeli)