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Wirtschaft
19.09.2020
27.09.2020 08:23 Uhr

Börsenwoche freundlich wie das Spätsommerwetter

Christopher Chandiramani vergleicht das Börsengeschehen dieser Woche mit dem milden Spätsommerwetter.
Gelegentlich haben Wetter und Börse Parallelen – ruhige, trübe oder turbulente Phasen. Die laufende Woche war mild und freundlich.

Ein Friedensvertrag zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain unter Vermittlung der USA wirkte sich positiv auf die Märkte aus. Das war auch ein willkommener Nebeneffekt für US-Präsident Trump, der am 3. November wiedergewählt werden möchte.

Die amerikanische Notenbank bekräftigt eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik auf längere Zeit, mindestens bis ins Jahr 2023.

Gold, Erdöl und die Währung stabilisierten sich ebenfalls in dieser Situation. Der Schweizer Börsenindex SMI überstieg 10’500 Punkte und nähert sich wieder dem Allzeithöchst von 11’270 Punkten. Davon profitieren konnten aber nicht alle Branchen, am besten schnitt der Pharmasektor ab, eher weniger gut die Banken.

Unternehmensmeldungen: Noch keine Bankenfusion

Die Woche begann mit einer Sensationsmeldung, dass das Naturprodukt «Echinaforce» des Pharmaherstellers Dr. Vogel die Symptome der Corona-Krankheit lindern könnte. Leider ist diese Gesellschaft nicht börsenkotiert, es verhalf aber trotzdem zu einem neuen Schub der Pharmawerte an der Aktienbörse. Offenbar sind in der Medizin Naturheilkunde und Homöopathie nicht zu unterschätzen.

Roche präsentierte fast gleichzeitig auch neue, schnellere und zuverlässigere Covid-19-Tests und Actemara als neues Medikament gegen corona-bedingte Lungenentzündung.

Die Aktien des stillen Umsatzmilliardärs und Vermögensverwalters Partners Group werden in Kürze in den Index der zwanzig grössten Schweizer Aktien (SMI) aufgenommen. Indexfonds dürften hier im weiteren Verlauf Positionen aufbauen.

Bei der St.Galler Kantonalbank wird Christian Schmid als Nachfolger für den abtretenden CEO Roland Ledergerber nachrücken.

Die durch Corona verursachte Krise im Tourismus setzt sich fort. Die BVZ-Gruppe (Brig-Visp-Zermattbahn) verlor viele Passagiere. Der Gesamtertrag ging im H1/2020 um einen Drittel auf 57.6 Millionen CHF zurück. Der Reinverlust belief sich auf 8.8 Mio., nachdem in der Vorjahresperiode noch ein Gewinn von 7.3 Mio. CHF verdient werden konnte. Die Gäste kehren erst langsam wieder zurück.

Ein Paukenschlag mitten in der Woche waren konkrete Fusionsgerüchte zwischen UBS und CS. Nach einer Relativierung der Meldung sanken die Aktienkurse wieder. Eine einzige Schweizer Grossbank ist zurzeit nicht vorstellbar, es gäbe zu viele Entlassungen, aber längerfristig sind grössere Änderungen in der Finanzlandschaft vorstellbar.

Aussichten und Einflüsse auf die Politik

Die Corona-Krankheit beschäftigt weiterhin Bevölkerungen und Medien. Die Fallzahlen nehmen noch zu, die Spitaleintritte und Todesfälle jedoch nicht – das zweite ist bereits ein Fortschritt. Die Wirtschaft rechnet nicht mehr mit einem weiteren Lockdown und erholt sich zögernd.

Was aber die Aktien zukünftig beeinflussen könnte, das ist die Politik, das sind die Volksinitiativen. In einer Woche kommt die Begrenzungsinitiative zur Abstimmung, später auch die Konzernverantwortungsinitiative. Letztere könnte einen neuen Kostenschub für die Wirtschaft bedeuten.

Aber es gibt auch Positives: Der Bundesrat denkt laut über eine Abschaffung der Verrechnungssteuer nach. Bei den Obligationen mit fast Nullzins lohnt sie sich nicht mehr, und bei den Aktien haben die meisten Firmen nur noch registrierte und den Steuerämtern zugängliche Namenaktien (ausser Roche). Damit würden auch die komplizierten Rückforderungsbegehren der Quellensteuern an die Steuerämter dahinfallen.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24