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Wirtschaft
26.09.2020
28.09.2020 21:08 Uhr

Aktienbörsen: Angst vor der zweiten Welle

Christopher Chandiramani zur Börsenlage: «Momentan zeigen die Aktienbörsen typische herbstliche Korrekturmuster.»
An den Aktienbörsen führten zunehmende Corona-Fallzahlen in der Westschweiz und Nachbarländern zu spürbaren Kursverlusten. Erwartungen einer raschen Wiedererholung der Wirtschaft wurden verschoben.

In der Berichtswoche stieg die Nervosität der Anleger, nicht nur wegen zunehmender Covid-19-Erkrankungen in ganz Europa, sondern auch infolge genereller Eintrübung des Umfelds.

Am Montag wurde bekannt, dass gemäss vertraulichen Unterlagen aus dem US-Finanzministerium viele Grossbanken zu wenig gegen Geldwäscherei tun. Ein internationales Netzwerk von Journalisten hatte dies nach aufwändigen Recherchen enthüllt. Dies drückte in der Folge auf die Aktienkurse der Banken. Auch in den Bereichen Pharma und Technologie, wo sich das Niveau zunächst gut gehalten hatte, setzten Gewinnmitnahmen ein.

Grosses Medienecho gab es in der Politik. Zahlreiche Klimaaktivisten störten die Herbstsession der eidgenössischen Räte in Bern und versuchten, Druck auf das Parlament auszuüben. Kritisiert wurde die Missachtung des Demonstrationsverbots auf dem Bundesplatz während der Session und das zögerliche Reagieren der zuständigen Berner Ordnungskräfte. 

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) äusserte sich zur Geldpolitik und setzt weiterhin auf einen expansiven Kurs. Wo nötig, werde aber auch am Devisenmarkt interveniert, in Zukunft aber etwas transparenter. Die SNB belässt den Leitzins bei minus 0.75 Prozent und rechnet für die Schweiz mit einem BIP-Einbruch von etwa 5 Prozent im Jahr 2020. Vorwürfe in Bezug auf eine frauenfeindliche Personalpolitik wurde vehement dementiert.

Der Schweizerfranken entwickelte sich in den vergangenen Tagen etwas schwächer gegenüber US-Dollar (zwei Rappen höher) und Euro (plus 1 Rappen).

Unternehmensnachrichten: Warten auf Quartalszahlen

Der Hersteller von Elektroautos Tesla beabsichtigt, schon bald deutlich günstigere Fahrzeuge anzubieten. Das sagte Tesla-Chef Musk an einer Medienkonferenz. Auch sei eine neue Generation Batterien bzw. Akkus in der Entwicklung, günstigere und umweltfreundlichere. Aber die Tesla-Aktien verloren nach der Präsentation deutlich an Wert.

Die Amerikaner nehmen es sehr genau mit dem Wettbewerb. Wegen angeblich irreführender Angaben zu den Absatzzahlen zahlt der deutsche Autokonzern BMW in den USA eine Geldstrafe von 18 Millionen Dollar. Dies geht aus einem Vergleich mit den US-Behörden hervor.

Stellvertretend für den Schweizer Tourismus – die Titlis Bergbahnen wurden vom Corona-Lockdown stark getroffen. Es werde erst ab Mitte 2022 wieder mit einer nachhaltigen Erholung gerechnet, gemäss Aussagen des Managements.

Der Wettlauf bezüglich von Corona-Medikamenten läuft weiter, Aber das Kursfeuerwerk in den kleinen Pharma- und Biotechnologiewerten ist am Abflauen.

Die ersten Neunmonatsabschlüsse sind in etwa zwei Wochen zu erwarten.

Aussichten: Typisches Herbstmuster

Momentan zeigen die Aktienbörsen typische herbstliche Korrekturmuster. Diese Entwicklung könnte einige Wochen andauern und später immer noch in ein Jahresendrally münden, falls ein zweiter globaler Lockdown vermieden werden kann.

Dieses Jahr ist jedoch ein Sonderfall – einerseits die Corona-Krise – und andererseits die US-Wahlen. Vor dem Wahltag am 3. November dürfte es jenseits des Atlantiks ruhig bleiben und erst wieder Bewegung an den Märkten geben, wenn der Name des (alten oder neuen) Präsidenten bekannt ist.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24