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Kultur
04.10.2020
04.10.2020 21:09 Uhr

Die Kulturstadt Wil steckt in einer Revolution

Die «historische Äbtestadt» soll zu einem Wohlfühlort des 21. Jahrhunderts werden.
„Wiler Kulturkolumne Oktober 2020“ von Adrian Zeller.

«Wir stehen am Anfang einer Revolution, die unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander zu interagieren, grundlegend verändern wird.» Dies ist nicht die Erkenntnis eines Architekten von Luftschlössern, sie stammt von WEF-Gründer Klaus Schwab.

Es gehe ein tiefgreifender Wandel der menschlichen Zivilisation vonstatten, ist der Wirtschaftsprofessor überzeugt. «Die Geschwindigkeit und das Ausmass dieser neuen Revolution verstehen wir noch immer nicht vollständig».

Schwab bezieht sich dabei erklärtermassen auf die Vernetzung von Milliarden von Menschen via mobilen Endgeräten sowie auch auf Robotik, Internet der Dinge, 3D-Druck, Nanotechnologie, Biotechnologie und Quantencomputer. 

Shoppen am Bildschirm

Einen Eindruck vom aktuellen Tempo der Veränderung zeigt der Online-Handel in der Schweiz: 2010 erreichte er einen Umsatz von 5,1 Mia. Franken; für das aktuelle Jahr gehen die Hochrechnungen von einem Volumen von 16 Mia. Franken aus. 

Wie eine andere Untersuchung ermittelte, können mittlerweile bereits rund die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz ihre Arbeit unabhängig vom Ort verrichten. Wer Zugang zum Internet hat kann im virtuellen Team arbeiten, Videokonferenzen abhalten, Ersatzteile bestellen, Fernwartungen vornehmen, Rapporte schreiben und sich weiterbilden. Der Bedarf an Büros in den Städten wird künftig sinken, es werden Räume für anderes frei.       

Menschenfreundlichere Stadt  

«Der Trend hin zu einer Stadtinfrastruktur, die das Wohlbefinden ihrer Bewohnerinnen und Bewohnern fördert, dürfte weiter steigen», prognostiziert die Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon, Marta Kwiatkowski Schenk. 

Hefe der Gesellschaft

Was macht eine Stadt aus, in der man sich besonders wohlfühlt? Unter anderem Orte an denen man zusammen Musik und Kleinkunst geniesst, mit Autorinnen und Autoren über ihre Arbeit diskutiert, in Ausstellungen aussergewöhnliche Bilderwelten entdecken und sich über neue Filme gemeinsam Gedanken machen kann. Kultur lebt nach wie vor vom Austausch von Machern und Publikum.

Kultur ist Leben live – auch im Zeitalter der Gigabytes und von Corona. «Kultur ist nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig einer Gesellschaft», sagt der Kunstwissenschaftler Prof. Dr. Hubertus Kohle.

Adrian Zeller, Kolumnist Wil24