Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
10.10.2020

An den Aktienbörsen gibt Corona den Takt an

Christopher Chandiramani: «Dank Erwartungen weiterer konjunktureller Stützungen von Regierung und Hilfe der Notenbank tendierten die Aktienmärkte wieder fester.»
Das schnelle Comeback des erkrankten US-Präsident Donald Trump und steigende Corona-Fallzahlen weltweit waren die Hauptthemen der Woche. Die Aktienmärkte tendierten wieder fester.

Letztes Wochenende skizzierten zahlreiche Sonntagszeitungen bereits Zukunftsvisionen einer «Ära nach Trump» mit alternativen US-Präsidenten wie Joe Biden, Mike Pence oder Nancy Pelosi.

Allen Befürchtungen zum Trotz kehrte US-Präsident Donald Trump zu Beginn der neuen Woche ins Weisse Haus zurück, nahm die präsidialen Amtsgeschäfte wieder auf und setzte seinen Wahlkampf fort. Die Gegner (Demokraten) nannten dies eine «geniale Inszenierung». Ein TV-Duell der US-Vizepräsidentschafts-Kandidaten Kamala Harris und Mike Pence verlief sehr gesittet.

Mit dem Start der kühleren Jahreszeit stiegen auch die Corona-Fallzahlen überraschend stark an. Die Regierungen verschärfen die Massnahmen fast panikartig, schliessen Lokale, schränken Versammlungen ein und weiten die Maskentragpflicht aus (z.B. Italien, Polen, Tschechien, Teile Deutschlands, Kantone Tessin, Bern, Zug). Aber viele Virologen relativieren – im Vergleich zum März werde jetzt viel mehr getestet. Auch Spitaleintritte und Todesfälle seien auf tieferem Niveau stabil.

Die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Die Arbeitslosenquote stieg bis August auf 3.3 Prozent. Insgesamt waren knapp über 150'000 Personen bei den regionalen Vermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet. Die effektiven Zahlen dürfte etwa um einen Faktor 2.0-2.5-mal höher liegen, da die Statistiken nur einen Teil der Arbeitslosigkeit widerspiegeln. Auch die Kurzarbeit bleibt auf Rekordhöhe.

Unternehmensmeldungen: Erste Neunmonatszahlen

Hoffnungen auf neue Konjunkturhilfen für die Wirtschaft – vor allem in den USA – haben speziell in der zweiten Wochenhälfte die Anleger wieder mutig gemacht, für Kursgewinne und Anschlusskäufe gesorgt. Vor allem bei Titeln im Gesundheitssektor (Novartis, Roche, Alcon, Sonova, Straumann, Vifor usw.) stieg der Risikoappetit wieder, und einige Finanzwerte erholten sich vom Vorwochentief.

Wochensieger war Dufry (betreibt Dutyfree-Shops an Flughäfen) mit fast 20 Prozent Kursgewinn, nachdem eine Kooperation und Kapitalbeteiligung des chinesischen Konzerns Alibaba bekannt gegeben wurden.

Die Ems-Chemie-Gruppe spürt weiterhin die Folgen der Corona-Krise. Der Umsatz lag nach neun Monaten spürbar unter dem Vorjahresniveau (Verkäufe minus 18 Prozent). Aber der Abwärtstrend im dritten Quartal hat sich verlangsamt.

Dagegen bleibt Givaudan nach neun Monaten auf Wachstums- und Zielkurs und weist ein Wachstum von 3.1 Prozent aus. Der Aktienkurs gab allerdings nach Bekanntgabe der Zahlen nach, nachdem zuvor Rekorde (über CHF 4'000) erreicht wurden.

LafargeHolcim ist ins Visier der amerikanischen Justiz geraten wegen verbotener Geschäfte mit Kuba.

SoftwareOne, erst letztes Jahr an der Schweizer Börse SIX kotiert, verzeichnet Verkäufe durch Gründungsaktionäre. Der Streubesitz dieser Aktien erhöht sich nun auf 58 Prozent. 

Aussichten bleiben verhalten

Gemäss diversen Wirtschaftsprognosen könnten die kommenden Wintermonate schwierig bleiben, speziell wenn gleichzeitig die Ansteckungsgefahr für Corona und saisonale Erkältungen steigt, wenn die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt, die Kurzarbeitsentschädigungen auslaufen, auch wenn Lehrlinge keinen Job finden und Insolvenzen von KMUs immer häufiger werden.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF 2021) wird diesmal nicht in Davos, sondern in der Innerschweiz auf dem Bürgenstock vom 18.-21. Mai stattfinden. Auch hier dürften Corona- und die Wirtschaftskrise die Hauptthemen sein.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24