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11.10.2020
12.10.2020 19:09 Uhr

Dr. Gut: «Die Welt im Trump-Fieber»

«Die Journalisten kennen keinen Halt», schreibt Dr. Philipp Gut, «Trump hatt 99.9% der Medien gegen sich.»
Die Obsession für Donald Trump erreicht kurz vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen neue Sphären. Die Journalistenzunft schreibt sich ins Abseits.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Donald Trump, Donald Trump, Donald Trump. Egal, welches Medium man derzeit konsumiert, überall ist der amerikanische Präsident ein Dauerthema. Ob links oder rechts, Online oder Print – die Trump-Manie scheint keine Grenzen zu kennen. Bis zu den Wahlen im November geht es nur noch wenige Wochen, klar. Doch Trump beschäftigt Medien und Öffentlichkeit nun schon seit über vier Jahren permanent.

Journalisten kennen kein Halten mehr

Dabei gibt es für die meisten Journalisten kein Halten mehr. Eigentlich selbstverständliche journalistische Kriterien wie Ausgewogenheit, Neugierde und Verstehen-Wollen spielen längst keine Rolle mehr. Oder haben beim Thema «Trump» noch nie eine Rolle gespielt.

Haltlose Behauptungen als Tatsachen verkauft

Beispielhaft ist die jüngste Aufregung um Trumps Covid-Erkrankung. Wenn der Präsident den Fiebermesser ansetzt, gerät die halbe Welt in Wallungen. Angesehene Sender wie das öffentlich-rechtliche ZDF in Deutschland verkündeten in seriösen Nachrichtengefässen, was Trumps Leibarzt über den relativ guten Gesundheitszustand des Präsidenten sage, sei völlig falsch. Trump sei schwer krank. Auch Schweizer Medien verbreiteten dieses Märchen, als handelte es sich um eine Tatsache.

Wer hat hier «Fake News» gesagt?

Dumm nur, dass der angeblich schwerkranke Patient schon wieder munter herumspazierte, kaum waren die Tinte trocken und die Mikrofone ausgeschaltet. Es sind dieselben Medien, die Trump vorwerfen, er verbreite lauter Fake News. Das einst renommierte Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» war sich nicht zu schade, Trump auf dem Cover abzubilden, wie er den blutigen Kopf der Freiheitsstatue in den Händen hält. Die Botschaft: Trump ist ein Mörder, ein Terrorist, ein Autokrat, der die freie Gesellschaft zerstört.

Friedenstaube Trump

Nichts davon ist eingetreten. Trump ist in seiner bisherigen Amtszeit alles andere als eine Kriegsgurgel. Wenn er eine historische Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Golfstaaten hinbringt, ist das der Presse kaum eine Zeile wert. Wenn er als erster amerikanischer Präsident dem nordkoreanischen Herrscher die Hand schüttelt, wird das als Show-Diplomatie abgetan. Trump kann tun, was er will: Er hat 99,9 Prozent der Medien gegen sich.

Die Ironie der Trump-Obsession

Umso interessanter wäre doch die Frage, warum er trotz dieses medialen Sturmgegenwinds so erfolgreich ist. Irgendetwas musste er aus Sicht der Wähler richtig machen. Aber das interessiert die Journalistenzunft gar nicht. Sie moralisiert lieber, statt verstehen und erklären zu wollen. Dabei macht das ständige Anti-Trump-Getöse den egomanischen Präsidenten erst zu jener Larger-than-Life-Gestalt, die er selbst so gerne sein möchte. Darin liegt die heimliche Ironie dieser Geschichte.

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 10 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Historiker, Bestsellerautor («Jahrhundertzeuge Ben Ferencz») und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten.

www.gut-communications.ch

Die geäusserten Meinungen müssen nicht immer mit den Ansichten der Redaktion übereinstimmen.

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Wil24