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Kanton SG
19.10.2020

«Das Kultur- und Nachtleben wird kollabieren»

Es hat sich ausgetanzt. (Bild: canva)
Am Freitag, 16. Oktober 2020, sprach die St.Galler Regierung ein Tanzverbot aus. Diese Nachricht erschütterte die St.Galler Kultur- und Nachtszene wie ein Erdbeben.

«Die am Freitag kurz vor Türöffnung der Clubs und Bars einberufene Pressekonferenz hat bei Nacht Gallen und bei unseren Mitgliedern für ein riesen Chaos gesorgt und ist ein Schlag ins Gesicht aller Veranstalter, Bars und Clubs», sagt Lukas Hofstetter, Vorstand von «Nacht Gallen».

Besonders die Art und Weise der Verkündung sei unverständlich. «Um 16 Uhr ein Tanzverbot verkünden, ist so kurzfristig, dass Veranstalter keine Möglichkeit hatten, adäquat zu reagieren», heisst es weiter.  Nacht Gallen verstehe das Handlungsbedarf besteht, aber diese einschneidenden Massnahmen erst ein paar wenige Stunden vor Öffnung der Clubs und Bars zu kommunizieren sei mehr als unglücklich und offenbare ein grosses Unverständnis gegenüber der Arbeit die die Clubs und Bars in den letzten Monaten geleistet haben. 

Jeder zehnte Schweizer Unternehmer betroffen
Das Bundesamt für Statistik hat gerade vor vier Tagen vorgerechnet, welchen Wirtschaftsleistung die Kultur erbringt (noch ohne Clubs und Bars gerechnet). Einige Zahlen: Im Jahr 2018 umfasste der Kultursektor mehr als 63’000 Unternehmen, insgesamt 300’000 Kulturschaffende und erbrachte eine Wertschöpfung von 15 Milliarden Franken oder 2,1 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Jedes zehnte Schweizer Unternehmen gehört damit zum Kultursektor. Hier finden Sie die gesamte Statistik. «Wenn man Banken und Fluggesellschaften rettet, muss man jetzt auch die Kultur vor dem Kollaps retten», so Hofstetter.

Tanzverbot ist für Clubs wie ein Berufsverbot
Ein Tanzverbot sei für die Betroffenen de facto ein Verbot sämtlicher Veranstaltungen. Keine Konzerte, keine Partys, keine Musik. «Zwar ist dieser drastische Schritt angesichts der Infektionszahlen halbwegs nachzuvollziehen. Doch wer ein Tanzverbot ausspricht, muss den Kulturveranstaltern und Clubs auch Unterstützung zu sichern», so der Veranstelter. Clubs und Kulturlocations können unter diesem Umständen nicht mehr öffnen. Konzerte bleiben im Gegensatz zu Partys zwar möglich, doch werden unter diesen Bedingungen kaum Leute kommen, dass sich der Betrieb noch einigermassen lohnen würde. Für die Clubs sieht es noch schlimmer aus, das Tanzverbots komme einem Berufsverbot gleich.

Drohende Schliessungen
«Wir sind nun mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo viele Betriebe mit den alten und neuen Massnahmen vor dem Aus stehen. Clubs schliessen bis Ende Jahr ist eine Option, aber dann brauchen sie Hilfe – sonst haben wir 2021 niemanden mehr, der Konzerte und Partys veranstaltet, weil alle Konkurs gegangen sind», sagt Hofstetter. Etliche werden wahrscheinlich die Mitarbeiter entlassen müssen, Betriebe schliessen und erst wieder öffnen wenn die Übung vorbei ist oder gar nicht mehr. «Hier muss der Kanton nun schnell und unbürokratisch Verantwortung übernehmen und neben den Konzertlocations auch für die Clubs und Bars Ausfallsentschädigung zulassen!»

mik