Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Wirtschaft
23.10.2020
24.10.2020 10:29 Uhr

Aktienbörse in der Covid-Falle

Christopher Chandiramani: «Das Anziehen der Schrauben bei Corona gefährdet die konjunkturelle Erholung.»
Stark steigende Infektionszahlen verunsichern die Anleger. Entgegen früherer Versprechungen reden die Behörden wieder von einem «Mini-Lockdown» oder «Slowdown». Rasche Erholung wäre damit fraglich.

Eine gute Meldung hatten wir zu Wochenbeginn aus China. Diese Wirtschaft wächst wieder. Nach dem Einbruch im Frühjahr und Sommer 2020 ist Chinas Wirtschaft im dritten Quartal gewachsen. Die Schrumpfung zu Jahresbeginn konnte sogar teilweise überkompensiert werden. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt legte im Vorjahresvergleich um rund 5 Prozent zu.

Bei uns in Europa bereiten hingegen steigende Corona-Fallzahlen grosse Sorgen. An einer Krisensitzung am Sonntag, 18. Oktober, haben Bundesrat und Kantone weitere Verschärfungen beschlossen, eine erweiterte Maskenpflicht, Beschränkungen bei Versammlungen und Schliessung von Lokalen.

Auch im benachbarten Ausland wurden die Schrauben angezogen. Deutschland hat beispielsweise die Schweiz zum Risikogebiet erklärt und die Quarantänen-Pflicht auf Touristen ausgedehnt.

Dies alles gefährdet die konjunkturelle Erholung. Der SMI-Aktienindex fiel Mitte der Woche zeitweise unter die Marke von 10'000 Punkten.

Unternehmens- und Quartalsnachrichten

Zum Abschied von CEO Ermotti verzeichnet die UBS im dritten Quartal 2020 das beste Ergebnis seit vielen Jahren. Der Reingewinn betrug 2.1 Mrd. US-Dollar. Die grösste Schweizer Bank gelangt ab 1. November unter die neue Führung des Niederländers Ralph Hamers (Ex-ING-Chef).

Die grossen kotierten Immobiliengesellschaften wie Swiss Prime Site, Swiss Property, Mobimo und Allreal kamen im laufenden Jahr gut über die Runden. Ein Mieterlass für Geschäfte war im Parlament im Juni noch mehrheitsfähig. Nun droht die Vorlage zu scheitern. Aufgrund stabiler und hoher Renditen sind diese Anlagen beliebt und gelten unter Fachleuten als «Obligationenersatz». Auch die Nachfrage nach Einfamilienhäusern boomt zurzeit trotz anhaltender Krise.

Der Elektronik-Komponentenhersteller Huber&Suhner hat in den ersten drei Quartalen 2020 weniger Umsatz (minus 13 Prozent auf CHF 562 Mio.) und auch einen abnehmenden Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr. Aber im dritten Quartal konnte der Abwärtstrend gebremst werden. Ein Stellenabbau ist jedoch geplant, trotz zukünftigem Wachstum in der Telekommunikationsbranche.

Im dritten Quartal verringerte sich der Auftragseingang des ABB-Konzerns um neun Prozent auf 6.1 Mrd. Dollar. Dabei gab es regionale Unterschiede. Während die Bestellungen in den USA um 13 einbrachen, setzte in China mit einem Plus von 7 Prozent bereits wieder eine Erholung ein, quasi ein Ende der Wirtschaftskrise durch Corona.

Das Geschäft des Innerschweizer Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler hat sich im Q3/2020 schneller von der Wirtschaftskrise erholt als vorerst befürchtet. Insbesondere auch die Erholung in China und ein stabiles Europa-Geschäft spielten eine Rolle. Die Gesellschaft hat nun ihre vorsichtige Prognose für 2020 etwas angehoben.

Verhaltene Aussichten

Der Blick in die Zukunft bleibt schwierig.

Einerseits müssen wir die neuen Anti-Corona-Massnahmen des Bundesrats am kommenden Mittwoch abwarten. Es stellt sich die Frage wie stark die Konjunktur wieder abgewürgt wird. Andererseits stehen wir heute zehn Tage vor den US-Präsidentschaftswahlen. Würde Trump nicht wiedergewählt, könnte auch ein monatelanger Rechtsstreit folgen durch Anfechtung der Nichtwahl vor Gericht.

Schlechte Börsenprognosen sind auch zu erwarten, wenn die Konzerne ihren Hauptsitz ins Ausland verlagern, hier keine Steuern mehr bezahlen und Angestellte entlassen. Die Abstimmung über die Konzernverantwortungs-Initiative ist am 29. November.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24