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Kultur
29.10.2020
30.10.2020 17:17 Uhr

Textilmuseum erwirbt Sammlung von Handstickarbeiten

Das Textilmuseum Sorntal Niederbüren erwirbt mit dem Einverständnis der Vereinsmitglieder die private Sammlung von Rita Winterhalter, St.Gallen. Das umfangreiche Sammelgut textiler Handarbeitserzeugnisse in verschiedenen Techniken ergänzt den wertvollen Bestand des Niederbürer Kulturgutes.

2018 konnte der Verein Textilmuseum Sorntal das kulturell bedeutende Museum am Rande der Gemeinde Niederbüren käuflich erwerben. Das umfangreiche Museumsgut im rund 170-jährigen ehemaligen Spinnereigebäude dokumentiert die Sozial- und Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Als einziges technisches Museum im Kanton St.Gallen erhielt es 2010 die offizielle Anerkennung durch den Bund mit dem Prädikat „von nationaler Bedeutung“. Nach dem erfolgreichen Kaufabschluss wurde von den bisherigen Besitzern das gesamte Museumsgut in Schenkungsurkunden kostenlos dem Verein Textilmuseum Sorntal übergeben. Die Ausstellung ist als „arbeitendes Museum“ nach Sachgebieten eingerichtet, was den Einblick in die Entwicklung der Textilindustrie mit ihrer fortschreitenden Technisierung ermöglicht. Regelmässig werden gegen Voranmeldung Gruppen- oder Einzelführungen angeboten, im Moment allerdings erschwert durch die Coronapandemie.

Sinnvolle Ergänzung der Ausstellung

Seit mehr als 40 Jahren sammelt die St.Gallerin Rita Winterhalter Handstickarbeiten, welche mit verschiedenen Techniken hergestellt wurden. Zum riesigen Sammelgut gehören auch Spitzen, Stickereien, Nähmaschinen und Nähzubehör, welche zum Teil über 250 Jahre alt sind. Ein Mitglied des Vereins Textilmuseum Sorntal erfuhr, dass die Sammlerin altershalber beabsichtigt, ihre Schätze wenn möglich gesamthaft zu veräussern und so der Nachwelt zu erhalten. Der Vereinsvorstand besuchte kürzlich die Ausstellung und war von ihr begeistert. „Die wertvollen Exponate würden sehr gut in unser Textilmuseum passen und wären eine grosse Bereicherung. Wenn der Kauf zustande kommt, können wir die Sammlung nach Absprache mit der Gemeinde Niederbüren vorübergehend in dessen Kulturgüterschutzraum platzieren“, informierte der Vorstand die Mitglieder. Das Ziel sei, die kostbaren Exponate ins Textilmuseum zu integrieren und in einer Sonderausstellung „Winterhalter“ oder „Rita’s Nähtrückli“ zu präsentieren. Gemäss dem erfahren Vorstandsmitglied und Textilfachmann Gottlob Lutz ist die Sammlung sehr wertvoll und eine Bereicherung.

Übernahme und Inventarisierung laufen

Der Vorstand startete eine Umfrage an alle Mitglieder. Erfreulicherweise lag die Abstimmungsbeteiligung bei 68 %, wobei bis auf eine Gegenstimme und eine Enthaltung  dem Kauf der Sammlung zugestimmt wurde. Natürlich klärte der Vorstand vorgängig die finanziellen Möglichkeiten ab, um die aussergewöhnliche Investition abzusichern. Zusätzlich werden noch mögliche Sponsoren gesucht. Laut Vereinspräsident Richard Holenstein laufen die Vorbereitungen für die Übernahme der Sammlung durch den Verein Textilmuseum Sorntal Niederbüren bereits auf Hochtouren. Sämtliche Exponate werden bei der Archivierung mit dem elektronischen Archivierungsprogramm „Collectr“ erfasst. Für die Ausstellungsobjekte der Sammlung Winterhalter wird im Textilmuseum Platz geschaffen. Viele Exponate können schon im nächsten Jahr im Textilmuseum Sorntal nebst der reichhaltigen historischen Textiltechnik bewundert werden.

Vielfältige Stick-Techniken

Die Sammlung Winterhalter umfasst eine grosse Vielfalt von Handstickarbeiten aus verschiedenen Ländern, welche in unterschiedlichen Techniken hergestellt wurden, darunter Loch- oder Schattenstickereien, Kreuzstich, Klöppelspitzen, Frivolité,

Durchbrucharbeiten und andere Herstellungsarten. Im privaten Textilmuseum „Rita’s Nähtrückli“ sind auch Kindernähmaschinen, Nähzubehör, Stickrahmen und Nähstöckli, Taufkleider und vieles mehr integriert. Das Handsticken hat eine lange Tradition und wird vor allem in ländlichen Regionen hobbymässig noch immer gepflegt. So geniesst auch die Appenzeller Handstickerei mit ihren zauberhaften Erzeugnissen einen ausgezeichneten Ruf bei Einheimischen und Touristen. Das Kunsthandwerk ist auf der ganzen Welt verbreitet und geschätzt. Bekannt ist zum Beispiel die Hardangerstickerei, die am norwegischen Hardangerfjord in einer besonderen Technik für Verzierungen von Trachten und anderen Textilien angewendet wird.

Eine Stickstube in Miniaturausführung gehört zu den Exponaten. / Antike Kindernähmaschinen.
Eine zukünftige Sonderausstellung könnte „Rita’s Nähtrückli“ heissen. / Zu den Sammelobjekten gehören auch norwegische Hardanger Stickereien.
Darstellung einer Liebesromanze.
Appenzeller Handstickerei findet noch heute grossen Anklang.
Ernst Inauen