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Wirtschaft
13.11.2020

Zweite Corona-Welle stoppt Erholung der regionalen Wirtschaft

Nach einem harzigen Start in das Jahr 2020 ist die Wirtschaft im zweiten Quartal Corona-bedingt eingebrochen. In den Sommermonaten setzte eine Erholung ein, die nun durch die zweite Welle des Virus wieder gebremst wird, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage von SGKB, AWA SG und Ecopol.

2020 wird für die Welt, die Schweiz und die Ostschweiz zu einem historischen Rezessionsjahr. Gemäss den aktuellen Prognosen dürfte das Welt-BIP um rund 4.5 Prozent zurück gehen. Die Wirtschaft im Euroraum wird um 7 bis 8 Prozent schrumpfen. In der Schweiz ist ein BIP-Rückgang zwischen 4 und 5 Prozent zu erwarten. Die US-Wirtschaft dürfte mit einen Wachstumseinbruch von rund 4 Prozent glimpflich davonkommen. Chinas Wirtschaft scheint die Corona-Pandemie weitgehend hinter sich gelassen zu haben und eine V-förmige wirtschaftliche Erholung könnte zur Realität werden.

Konjunkturindex steigt dank besserer Geschäftslage
Der Konjunkturindex für St.Gallen-Appenzell hat den Tiefstand (-27) im April durchschritten und ist bis Ende Oktober wieder bei Null angelangt. Dazu beigetragen hat die bessere Beurteilung der Geschäftslage. «Besser» heisst nicht «gut», denn in der Industrie liegt der Geschäftslagenindikator noch immer im negativen Bereich, hat sich aber von den Tiefstständen entfernt. Die erfreulichen Aussichten im Sommer wurden im Oktober wieder gebremst. In der Bauwirtschaft konnte sich der Konjunkturindex im positiven Bereich halten, während das Vorzeichen im Detailhandel nach einem starken Taucher im Frühling wieder ins Plus gewechselt hat.

Investitionsschwäche
Weil die aktuelle Krise vorwiegend auf eine Investitionsschwäche zurückzuführen ist, stehen die Maschinen-, Elektro- und Metallbranchen besonders unter Druck. Dabei konnte sich die Metallindustrie dem sich ausbreitenden Investitionsstopp zwar nicht entziehen, vermochte aber die Kapazitätsauslastung zu stabilisieren und die Exporte im dritten Quartal gegenüber der Vorperiode zu steigern. Die chemisch-pharmazeutische Industrie hat nur teilweise unter der Krise gelitten und blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate. In der Papier-, Druck- und Verlagsindustrie sowie die Textilindustrie hat sich die Talfahrt fortgesetzt. Wenig angenehm fällt die Prognose der Industriebetriebe für den Arbeitsmarkt aus, wird doch in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Beschäftigung gerechnet.

Bauwirtschaft pariert die Corona-Krise
Die Corona-Krise hinterlässt auch Spuren im Schweizer Bausektor. Die regionale Bauwirtschaft navigiert erfolgreicher durch die Krise und bleibt zuversichtlich. So fällt der Rückgang der Bautätigkeit in der Region St.Gallen-Appenzell deutlich geringer aus als im Schweizerischen Durchschnitt. Zu verdanken ist dies insbesondere dem Ausbaugewerbe, in welchem mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer die aktuelle Geschäftslage als gut beurteilt und auch keine Abkühlung in den kommenden Monaten erwartet. Im Bauhauptgewerbe laufen die Geschäfte hingegen nicht mehr so gut wie in den Vorquartalen. Es wird mit einem Rückgang der Bautätigkeit und einem weiteren Preisdruck gerechnet.

Detailhandel auf dem Vormarsch
Der Detailhandel hat sich nach dem Lockdown im Frühling positiv entwickelt und die Umsatzverluste mehr als kompensiert. Die Stimmung im Detailhandel ist befriedigend bis gut, auch wenn die zweite Corona-Welle erneut für Verunsicherung sorgt. Vor allem auf der Seite der Konsumenten herrscht Skepsis vor. Die Konsumentenstimmung liegt unter dem langfristigen Mittelwert, unter anderem weil die Lage am Arbeitsmarkt sehr ungünstig eingeschätzt wird. Nichtsdestotrotz rechnen die Detailhändler in den kommenden Monaten mit einem kleinen Umsatzwachstum.

pd