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Wirtschaft
17.11.2020
17.11.2020 20:04 Uhr

Unsicherheit - Ostschweizer Wirtschaft bleibt hoch

Das traditionsreiche Konjunkturforum fand in einem Spezialformat statt – live aus der neuen Produktionshalle der DGS Druckgusssysteme AG im Westen der Stadt St.Gallen
Die Ostschweizer Wirtschaft erholt sich leicht, doch die hohe Unsicherheit hält an.

Das Konjunkturforum der IHK St. Gallen-Appenzell und der St. Galler Kantonalbank «Zukunft Ostschweiz» bot einen exklusiven Einblick in die aktuelle Verfassung der Unternehmen aus der Region:

Die Ostschweizer Wirtschaft stehe vor ausserordentlich grossen Herausforderungen, eröffnete Roland Ledergerber, Präsident der IHK St. Gallen-Appenzell und CEO der St. Galler Kantonalbank (SGKB), «Zukunft Ostschweiz».
Das traditionsreiche Konjunkturforum fand in einem Spezialformat statt – live aus der neuen Produktionshalle der DGS Druckgusssysteme AG. «Gerade in solchen Zeiten ist Stabilität ein Erfolgsfaktor für die Wirtschaft», so Ledergerber. Tatsächlich habe das Jahr 2020 wie selten zuvor den Wandel vor Augen geführt, ergänzte IHK-Direktor Markus Bänziger.

Doch viele Ostschweizer Unternehmen würden die Chance nutzen, Veränderungen aktiv zu steuern. So erzählte DGS-CEO Andreas Müller im Gespräch mit Sabine Bianchi, wie DGS mitten in der Pandemie am Standort St. Gallen eine neue Produktionshalle eröffnet und in China ein neues Werk gebaut hätten. Ähnlich tönt es bei der SFS Group. «Wir haben unter anderem in den USA sowie am Standort Heerbrugg grössere Investitionen gesprochen», sagt Jens Breu, CEO der SFS Group und Überraschungsgast.

Konjunktureinschätzungen in neuen Händen

Die Vertiefung der Konjunkturentwicklung in der Kernregion Ostschweiz ist seit Jahren fester Bestandteil im Programm von «Zukunft Ostschweiz». Während Peter Eisenhut, Managing Partner bei ecopol ag, Jahr für Jahr in gewohnt fundierter und humorvoller Manier die jüngsten Entwicklungen präsentierte, fand in diesem Jahr eine Stabsübergabe statt. Künftig analysiert das «Konjunkturboard Ostschweiz» in Zusammenarbeit mit der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich die Entwicklungen in der Region. Einsitz in diesem neu geschaffenen Fachgremium nehmen Alessandro Sgro und Jan Riss von der IHK St. Gallen-Appenzell sowie Caroline Hilb Paraskevopoulos und Beat Schiffhauer von der SGKB.

IHK-Direktor Markus Bänziger mit Peter Eisenhut (rechts), Managing Partner bei ecopol ag

Leichte Erholung bei anhaltend hoher Unsicherheit

Das Konjunkturboard ermöglichte in einem Podiumsgespräch bereits ein erstes Mal Einblicke in das Stimmungsbild der Ostschweizer Wirtschaft.
«Das dritte Quartal brachte zwar ein wenig Erholung», beurteilt IHK-Chefökonom Alessandro Sgro die Lage. «Vier von fünf Unternehmen in der Kernregion Ostschweiz schätzen ihre Geschäftsentwicklung als befriedigend bis gut ein.» Das zeigt die fünfte Unternehmensumfrage der IHK St. Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau, von Anfang November mit knapp 700 Teilnehmern. Vor allem Thurgauer Unternehmen zeigen sich zufriedener mit der Entwicklung im letzten Quartal. Doch die Ostschweizer Unternehmen leiden nach wie vor unter den Corona bedingten Erschwernissen. Insbesondere die tiefere Nachfrage sowie ein zunehmender Personalausfall erschweren die Geschäftstätigkeit.

Dabei offenbaren sich je nach Branche grosse Unterschiede. «Während sich das Baugewerbe mit der Geschäftsentwicklung praktisch einstimmig zufrieden zeigt, kämpfen Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Metallindustrie stärker mit den Erschwernissen», so Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse bei der SGKB. Im Dienstleistungssektor seien vor allem Unternehmen aus dem IT-Bereich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Weniger gut laufe es hingegen Unternehmen aus der Gastronomie, der Werbung und dem Verlagswesen.

Erschwernisse halten an, aber keine Kündigungs- und Konkurswelle erwartet

Neun von zehn Unternehmen erwarten, dass die Erschwernisse anhalten. Einen Lichtblick zeigt sich im Arbeitsmarkt. Sieben von zehn Unternehmen rechnen nicht mit einer Kündigungswelle. Eine knappe Mehrheit geht zudem nicht davon aus, in den kommenden Monaten Kurzarbeit beantragen zu müssen. Auch bezüglich einer Konkurswelle zeigt sich die Ostschweizer Wirtschaft verhalten optimistisch. Diese Einschätzungen bestätigen auch die jüngsten Resultate der KOF. Die Konkurse in der Kernregion Ostschweiz liegen aktuell gar unter dem langfristigen Durchschnitt. Je länger die Pandemie anhält, desto mehr zeigen sich aber die Folgewirkungen. Mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer rechnet mit Liquiditätsengpässen, ein Viertel mit Finanzierungsengpässen. Insgesamt wäre nur knapp die Hälfte der Unternehmen hinsichtlich Liquidität auf einen erneuten Lockdown vorbereitet.

Die Lage der Ostschweizer Wirtschaft hat sich seit dem Frühjahr also zwar etwas entspannt. Doch die Unsicherheiten über die zukünftige Entwicklung bleiben hoch.

ihk/stz/