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Wirtschaft
21.11.2020
24.11.2020 03:51 Uhr

Aktienbörse: Konsolidierung auf höherem Niveau

Christopher Chandiramani: «Die Aktien ausländischer Impfhersteller standen in dieser Börsenwoche weiterhin im Fokus.»
Nach der Impfeuphorie der Vorwoche mit Kurs-Avancen stabilisierten sich die Börsen auf höherem Niveau. Einige Werte tendierten etwas schwächer. Investoren brachten hier ihre Gewinne ins Trockene.

Die Corona-Krise ist nicht vorbei, einige Länder haben immer noch hohe Fallzahlen und teilweise Lockdowns, auch einige Schweizer Kantone. Aber für das Weihnachtsgeschäft ist man zuversichtlich und rechnet bald wieder mit Lockerungen.

Momentan beruhen die Hoffnungen auf Medikamente und Impfstoffe. Die Aktien ausländischer Impfhersteller wie Moderna, Biontech, Pfizer, Astra Zeneca und Johnson & Johnson standen weiterhin im Fokus. Aber die Papiere des Schweizer Zulieferers Lonza konnten ihr Allzeithöchst von über CHF 600 nicht halten.

In den USA sind die Präsidentschaftswahlen in den Medien nur noch am Rande erwähnt. Joe Biden hat auch bei Nachzählungen gewonnen. Es ist praktisch sicher, dass das Resultat nicht mehr kippt. Donald Trump sieht dies anders, kämpft weiter mit Widerstand. Es ist aber noch nie passiert, dass ein abgewählter Präsident mit Gewalt aus dem Amt geschickt wurde. Eine Kapitulation ist somit nur noch eine Frage der Zeit.

China und 14 andere Asien-Pazifik-Staaten haben nach langen Verhandlungen erfolgreich ein Handelsabkommen geschlossen, dies als Gegenpol zum amerikanischen Protektionismus. Neben der zweitgrössten Volkswirtschaft China und den zehn ASEAN-Staaten Vietnam, Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Philippinen, Myanmar, Brunei, Laos und Kambodscha sind auch Japan, Australien, Südkorea und Neuseeland im Boot.

Unternehmensnachrichten

Der Elektrokonzern ABB will drei weitere Geschäftsbereiche verkaufen und sich dadurch verschlanken. Die Kupplungs- und Getriebeherstellung (Automation) sowie die Geschäfte mit Turboladern und Stromwandlern suchen neue Eigentümer. Zusammen verdienten die genannten Bereiche etwa sechs Prozent des ABB-Konzernumsatzes. Die Börsianer waren enttäuscht. Der Aktienkurs von ABB gab deutlich nach.

Bei Swiss Re war heute Investorentag. Auf einer digitalen Analystenkonferenz verkündete die Versicherung Zuversicht für das kommende Jahr 2021, Verstärkung des Lebensversicherungsgeschäfts, mit Verweis auf die dicken Kapitalpolster und versprach, trotz Coronakrise attraktive Dividenden auszuschütten. Hier stieg der Aktienkurs über 6 Prozent im Wochenvergleich.

Die Aktien der Rheintaler Industriegruppe SFS waren nach Bekanntgabe verbesserter Aussichten ebenfalls stark gesucht und erreichten ein Zweijahreshoch. Die Nachfrage und auch der Betriebsgewinn haben sich stärker als erwartet erholt.

LafargeHolcim gibt eine mit Nachhaltigkeitszielen verknüpfte Anleihe heraus, 850 Millionen Euro. Hier handelt es sich um einen der ersten sogenannten «Sustainability-Linked Bonds». Der Zins beträgt 0.5 Prozent, die Laufzeit dauert bis 2031.

Die Grossbank UBS zahlt eine zweite Dividendentranche. Die Ausschüttung von insgesamt 0.73 US-Dollar pro Aktie war wegen der Coronakrise auf Druck der Finanzmarktaufsicht zweigeteilt worden. UBS-Aktionäre erhalten nun die zweite Hälfte der Dividendenzahlung von 0.365 Dollar per 27.11.2020 auf ihrem Konto gutgeschrieben.

Aussichten: Gibt es ein Jahresend-Rally?

Fast alle Staaten kämpfen immer noch gegen die Corona-Krise. Die Gegenmassnahmen schaden der Wirtschaft durch Quarantäne und Lockdowns, vor allem wegen Reise-, Gastronomie und Eventverboten. Die Erwartungen sind entsprechend tief.

Was helfen könnte, das sind weitere staatliche Unterstützungen, aber auch neue Erfolge bei der Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen. Idealerweise könnten auch Lockerungen das Weihnachtsgeschäft retten. Das wissen wir aber erst kurz vor den Feiertagen.

Auch im nächsten Jahr dürften Aktien von Branchen, die sich besser entwickeln und von Corona weniger betroffen sind, beispielsweise Technologie, Internethandel und auf jeden Fall die Pharmaindustrie, als Profiteure der gegenwärtigen Situation gelten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Wil24