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Kanton SG
24.02.2021

Diese 88 Ärzte fordern Lockerungen

Dr. med. Daniel Holtz, Gefässmediziner aus Rapperswil, ist die Ansprechperson der Ad-hoc-Gruppe «Ärzte mit Blick aufs Ganze» Bild: linth24.ch
Läden, Cafés und Restaurant sollen wieder öffnen können. Das fordern 88 Ärzte in einem Offenen Brief an den Bundesrat. Darunter auch einer aus St.Gallen.

Nicht nur die Sozialkommission des Nationalrats fordert vom Bundesrat weitere Lockerungen. Auch 88 Ärzte tun es. Genauer sind es zwar 112, doch 24 wollten ihren Namen in diesem Zusammenhang nicht veröffentlicht haben, sind aber der Koordinationsstelle AMBAG bekannt, berichtet das Branchenportal medinside.ch.

Spezieller Blick auf die Jungen

AMBAG? Das Akronym steht für «Ärzte mit Blick aufs Ganze». Und hier meint die Ad-hoc-Gruppierung konkret: «Mit Blick aufs Ganze und speziell mit Blick auf die junge Generation, welche bei Fortsetzung der aktuellen, aus unserer Sicht zu schmalspurigen Strategie zur Coronabekämpfung erhebliche Nachteile für ihre Zukunft in Kauf nehmen muss». So steht es im Offenen Brief an den Bundesrat.

Sprachrohr der Gruppierung ist der Gefässmediziner Daniel Holtz aus Rapperswil. So fordern die Ärzte unter anderem, Läden, Cafés und Restaurants wieder zu öffnen; Läden bis 1900 Uhr; Restaurants bis 2300 Uhr. Forderungen dieser Art sind nicht neu. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sie von Medizinern stammen.

«Als Ärzte mit regelmässigem Patientenkontakt sehen wir uns in besonderem Mass berechtigt, an der Diskussion rund um die Massnahmen zur Bewältigung der Coronakrise teilzunehmen», schreiben die Mediziner. In Studium und Fortbildung hätten sie auf hohem Niveau gelernt, Studien, Statistiken und Grafiken in ihrer Qualität einzuordnen und fehlende Information zu einer Thematik als solche zu erkennen.

Weg mit der Task Force

Zudem erleben Ärzte «täglich ungefiltert wie Corona und die Corona-Schutzmassnahmen auf die Bevölkerung wirken», so im Offenen Brief weiterzulesen. Dies sei ein grosser Vorteil gegenüber den dominant oder gar rein wissenschaftlich tätigen Ärzten und Wissenschaftlern, welche in der Swiss Scientific Covid 19 Task Force Einsitz nehmen.

So lautet denn auch einer der Vorschläge, die Covid-19-Task-Force aufzulösen und mit einem breiter abgestützten Gremium zu ersetzen, in dem unter anderem auch Spital- und Hausärzte dabei sein sollten. (siehe Optimierungsvorschläge unten).

Laut Daniel Holtz ist das einer der Hauptpunkte: «Wir sind der Auffassung, dass der Bundesrat durch diese Task Force zu einseitig und zu undifferenziert beraten ist.» Dies sei eine der Hauptursachen für die schlechte Akzeptanz der Corona-Schutzmassnahmen in der Bevölkerung.

Die zehn Optimierungsvorschläge

1. Impfanreize schaffen: Produkte-Palette um Nicht-mRNA-Impfstoffe erweitern, auch um solche nichtwestlicher Provenienz; wer will, darf vor Impfung Antikörper(AK) bestimmen; wer AK hat, muss nicht impfen und hat in sechs Monaten nochmals AK-Test; nach Impfung AK-Kontrolle; AK-Positive erhalten «Green-Card» und müssen keine Maske mehr tragen; alle hier erwähnten AK-Tests werden von Krankenkasse bezahlt.

2. Quarantäne-Kriterien lockern: Einreisende und «Inländer» mit Quarantäne-Gebot erhalten AK-Test und täglichen Schnelltest bis zum 5. Tag: Auf Quarantäne verzichten, sofern AK-positiv resp. solange Schnelltest negativ ist.

3. Belastung der Akutspitäler reduzieren: Frühphasen-Therapie. In stillgelegten Spitälern Pflege- und Rehastationen schaffen für Coronapatienten nach IPS-Aufenthalt.

4. Personalengpässen in Spitälern und bei Spitex gezielt vorbeugen: Systematische Anwerbung und vorsorgliche Einarbeitung ehemaliger Intensivpflege- und Pflegefachleute; Bestand Sanitätstruppen erhöhen; mehr Spitalsoldaten ausbilden zu Hilfs-Pflegepersonal in zivilen Spitälern und Spitex; mehr Zivildienstleistende zu Hilfspersonal in zivilen Spitälern und Spitex ausbilden.

5. Hochschulen und Universitäten öffnen: Organisation eines gemischten Präsenz- und Fernunterrichts.

6. Cafés und Restaurants öffnen bis 2300 Uhr.

7. Läden öffnen bis 1900 Uhr; Anzahl Besucher je nach Ladenfläche, Morgenstunden reserviert für Risikogruppen.

8. Vertrauensförderndere Information der Bevölkerung: Kommunikation durch Bundesrat, nicht mehr durch BAG und Task Force; Regelmässige Publikation der relevanten Corona-Zahlen plus Kurzkommentar Bundesrat in Printmedien mit eigener Kolumne.

9. Gezieltes Anstossen einer Diskussion über das immer noch hochgradige Tabu-Thema «Sterben und Tod».

10. Swiss Scientific Covid 19 Task Force auflösen und durch neue, breiter abgestützte Task Force ersetzen. Dazu gehören Wissenschaftler, Gross-/Kleinunternehmer, Spital-/Hausärzte, Heimleiter, Lehrpersonen, Geistliche.

medinside.ch/Stgallen24.ch/stz./Wil24